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US-Wahl 2020: Wen Joe Biden ins Kabinett holen könnte

Kurz vor der Amtseinführung : Wen Joe Biden ins Kabinett holen möchte

Der designierte 46. Präsident der Vereinigten Staaten hat mittlerweile alle Personen bekannt gegeben, mit denen er gemeinsam regieren will. Neue Anstöße und jede Menge Vielfalt spiegeln sich in seinem Kabinett wider. Ein Überblick.

Kaum wurde Joe Biden von den Kabelsendern zum Sieger ausgerufen, drehte sich auch schon das Karussell der Personalspekulationen. Wie könnte ein Kabinett Biden aussehen? Wer kann sich Hoffnungen machen? Wer muss für seinen besonderen Einsatz im Wahlkampf belohnt werden?

Kurz vor der Inauguration hat Joe Biden jetzt alle Namen seiner Kandidaten für die wichtigsten Kabinettsposten verkündet. Mit seiner Auswahl durchbricht der 78-Jährige historische Barrieren. So sieht er einen homosexuellen Mann auf dem Posten des Bundesministers, eine schwarze Frau an der Spitze des Pentagons und eine Ureinwohnerin im Innenministerium. Bidens Kandidaten müssen allerdings noch vom Senat bestätigt werden.

Eine Übersicht, an wen die wichtigsten Ämter gehen sollen:

  • Außenministerium

Wenn’s um den Chefposten im State Department ging, ist sein Name häufig gefallen: Antony Blinken. Unter Obama beriet er den Vizepräsidenten Biden bereits in Fragen der nationalen Sicherheit. Von 2015 bis 2017 war Blinken Vize-Außenminister. Jetzt soll der 58-Jährige an die Spitze des Außenministeriums treten. Blinken ist Befürworter der multilateralen Zusammenarbeit. Somit gilt seine Wahl als Abkehr von Trumps „America First“-Doktrin.

Seine Karriere im Außenministerium hat Antony Blinken während der Regierung von Bill Clinton begonnen. In seiner Jugend lebte er mit der Familie in Paris und machte dort seinen Schulabschluss.

  • Bildungsministerium

Den ehemalige Lehrer Miguel Cardona hat Joe Biden als Bildungsminister nominiert. Der designierte Präsident bezeichnete den 45-jährigen Latino als „erfahrenen und hingebungsvollen Lehrer“, der dazu beitragen werde, "die systemischen Ungleichheiten anzugehen" und "die Krise hinsichtlich der psychischen Gesundheit in unserem Bildungssystem" zu bewältigen.

Der aus Puerto Rico stammende Cardona habe in der Vorschule noch Mühe gehabt, Englisch zu lernen, betonte der Verband National Association of Latino Elected and Appointed Officials (Naleo). Später setzte sich Cardona hingegen immer dafür ein, die Kluft wischen zu Minderheiten gehörenden Schülern und den anderen Schülern zu verringern.

  • Energieministerium

Die frühere Gouverneurin des Bundestaats Michigan, Jennifer Granholm, soll Energieministerin werden. Damit kommt ihr eine wichtige Rolle bei der von Biden geplanten Modernisierung des Landes zu. Der künftige Präsident strebt eine klimafreundliche Gesamtausrichtung der US-Wirtschaft an, bis zum Jahr 2050 soll die Klimaneutralität erreicht werden. Die 61-jährige Granholm ist eine Advokatin der erneuerbaren Energien.

Mit Jennifer Granholm hatte Biden einst eng zusammengearbeitet, als er Vizepräsident war. Zusammen koordinierten sie im Jahr 2008 die Rettungsmaßnahmen für die US-Autoindustrie in der Finanzkrise.

  • Finanzministerium

230 Jahre Finanzministerium – und noch nie stand eine Frau an der Spitze. Das soll sich jetzt ändern. Künftig soll Janet Yellen das Ministerium übernehmen, dem angesichts der schwer angeschlagenen US-Wirtschaft eine Schlüsselrolle zukommt. Yellen sprach sich dafür aus, die durch die Corona-Pandemie ausgelöste Krise nicht nur geldpolitisch, sondern auch mit fiskalpolitischen Stützungsmaßnahmen zu bekämpfen.

Janet Yellen war von 2014 bis 2016 Vorsitzende der US-Notenbank Federal Reserve. Die 74-jährige Wirtschaftswissenschaftlerin gilt als Anhängerin der Theorien des Ökonomen John Maynard Keynes. Diese besagen, dass der Regierung eine wichtige Rolle bei der Bewältigung wirtschaftlicher Krisen zukommt, auch durch höhere Staatsausgaben.

  • Heimatschutzministerium

Und ein weiteres Novum: Mit Alejandro Mayorkas soll erstmals der Posten des Heimatschutzministers mit einem Latino und Einwanderer besetzt werden. Das Heimatschutzministerium ist – vergleichbar mit den Innenministerien in Europa – für die innere Sicherheit zuständig. Somit spielt es unter anderem eine zentrale Rolle im Umgang mit illegaler Einwanderung (etwa an der Grenze zu Mexiko) und mit Menschen, die sich ohne Papiere im Land aufhalten.

Alejandro Mayorkas wurde in Kubas Hauptstadt Havanna geboren. Nach der Machtübernahme durch Fidel Castro verließen seine Eltern das Land. Der heute 61-jährige Jurist war unter anderem Staatsanwalt in Kalifornien und während Obamas zweiter Amtszeit Vize-Heimatschutzminister.

  • Innenministerium

Deb Haaland gehört zu den ersten zwei Frauen, die 2018 als indigene Amerikanerinnen in das US-Repräsentantenhaus gewählt wurden. Jetzt soll die 60-Jährige als erste Ureinwohnerin in das Kabinett aufrücken. In den USA ist das Innenministerium vor allem für die Verwaltung des bundeseigenen Landes zuständig, aber auch für Angelegenheiten der rund 1,9 Millionen Ureinwohner

 Deb Haaland saß zuletzt im Ausschuss für Natürliche Ressourcen, der das Innenministerium beaufsichtigt. Bei ihrer Vorstellung für das Biden-Team im Dezember hatte sie von ihrem Leben erzählt: Zeitweise war sie obdachlos, hatte staatliche Lebensmittelhilfe gebraucht und alleine ihre Tochter großgezogen.

  • Justizministerium

Biden bezeichnet ihn als „einen der respektiertesten Juristen unterer Zeit“. Er sei brillant, aber bescheiden. Und jetzt sieht der designierte US-Präsident an der Spitze des Justizministeriums: Merrick Garland. Der 68-Jährige, der als relativ unabhängig gilt, hat bereits versprochen, sich dem Grundsatz der Gleichheit vor dem Gesetz zu verschreiben. Außerdem hat er seine Priorität erklärt: Das Bewältigen der Bedrohung durch gewalttätigen Extremismus.

Merrick Garland wurde bereits 2016 von Barack Obama als Richter für den Obersten Gerichtshof vorgesehen. Damals blockierten die Republikaner die Personalie im Senat.

  • Stabschef des Weißen Hauses

Für die Rolle des Cheforganisators bietet sich Ron Klain an. Er ist Jurist und langjähriger Berater Bidens. Seine Nominierung kam alles andere als überraschend. Der 59-Jährige galt als Favorit für diese Position.

Ron Klain, Jura-Absolvent der Eliteuniversität Harvard, arbeitete unter anderem für Biden, als dieser den Justizausschuss des Senats leitete. Als Biden später Vizepräsident unter Barack Obama wurde, war Klain als Stabschef von Bidens Team tätig. Unter Präsident Obama war Klain zudem als Koordinator der Maßnahmen gegen die Ebola-Epidemie im Einsatz. Auf seine Empfehlung schuf man im Weißen Haus eine Abteilung, die sich ausschließlich dem Thema Pandemien widmete. Trump ließ sie später auflösen.

  • Verkehrsministerium

Der von Biden auserkorene künftige Verkehrsminister gilt als Shootingstar: Pete Buttigieg. Der 38-Jährige ist offen homosexuell und wäre, sollte er den Ministerposten antreten können, das jüngste Kabinettsmitglied in der Geschichte des Landes. Er spricht neben Englisch weitere sieben Sprachen, diente bei der Navy und war zum Einsatz in Afghanistan.

Bis Ende 2019 war Pete Buttigieg Bürgermeister von South Bend – eine 100.000-Einwohner-Stat im US-Staat Indiana. Dieses Amt hatte er acht Jahre lang inne. Nationale Bekanntheit erlangte Buttigieg, als er sich als demokratischer Präsidentschaftsbewerber weit nach vorne unter seine Konkurrenten arbeitete. Das Verkehrsministerium gilt nicht als das prestigeträchtigste Ressort, dürfte aber angesichts erwarteter Großinvestitionen in die Infrastruktur an Bedeutung gewinnen.

  • Verteidigungsministerium

An der Spitze des Pentagons sieht Joe Biden künftig Lloyd Austin. Sollte der ehemalige Vier-Sterne-General in seinem Amt bestätigt werden, wäre er der erste schwarze Verteidigungsminister des Landes. Dafür benötigt der heute 67-Jährige allerdings auch eine Ausnahmegenehmigung durch den Kongress. Denn eigentlich liegt seine aktive Zeit im Militär nicht weit genug zurück (es müssen mindestens sieben Jahre sein), um Minister zu werden.

Lloyd Austin ist erst vor vier Jahren aus dem aktiven Dienst ausgeschieden. 2016 ging der Kommandeur – zuständig für die US-Streitkräfte im Nahen Osten – in den Ruhestand. Seine 40-jährige Karriere beim US-Militär begann Austin in Deutschland.

  • Weitere Posten

William Burns (64) soll Chef des Auslandsgeheimdienstes CIA werden. Dieser war bereits unter Barack Obama Vize-Außenminister der USA. Er ist der Meinung, dass die Geheimdienste unpolitisch sein müssten.

An der Spitze der Umweltbehörde EPA sieht Biden Michael Regan (45). Er war bereits als Sekretär des Ministeriums für Umweltqualität in North Carolina tätigt.

Sonderbeauftragter für den Klimaschutz soll John Kerry (77) werden. Er war 2013 bis 2017 Außenminister und damit US-Chefdiplomat bei der Unterzeichnung des Pariser Klimaschutzabkommens 2015.

Susan Rice (56) soll die Leitung des Rats für Innenpolitik übernehmen. Unter Obama war sie erst UN-Botschafterin, dann Nationale Sicherheitsberaterin. Sie ist eine Vertraute Joe Bidens. Eigentlich galt Rice als aussichtsreiche Anwärterin für den Chefposten im State Department und wurde außerdem als mögliche Vize-Präsidentin gehandelt.

Handelsminister soll Gina Raimondo (49) werden. Seit 2015 ist sie Gouverneurin des Ostküsten-Bundesstaats Rhode Island.

(F.H./capf mit Material von dpa/AFP)