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US-Wahl 2020: Donald Trump soll Friseurkosten von Steuer abgesetzt haben

Neue pikante Details : US-Präsident Trump soll 70.000 Dollar an Friseur-Kosten von Steuer abgesetzt haben

Erneut ist US-Präsident Donald Trump wegen seiner Steuerzahlungen in Bedrängnis geraten. In einem Bericht wird enthüllt. dass Trump jahrelang Friseurkosten abgesetzt haben soll. Die neue Debatte kommt zur Unzeit für Trump.

Donald Trump ist auch deshalb zum Präsidenten gewählt worden, weil er es verstand, den erfolgreichen Geschäftsmann zu geben, der Probleme lösen würde, an denen sich die traditionelle politische Klasse die Zähne ausbiss. Nun zeichnet die „New York Times“ im Ergebnis aufwendiger Recherchen ein Bild, das viele seiner Behauptungen konterkariert. Eine Auswertung von Steuerunterlagen aus insgesamt 18 Jahren, in deren Besitz ein Reporterteam des Blatts gelangt ist, zeigt einen US-Präsidenten, der entweder äußerst geschickt darin ist, Steuern zu vermeiden – oder aber ein ziemlich erfolgloser Geschäftsmann.

2016, als er zum ersten Mal fürs Oval Office kandidierte, soll Trump dem amerikanischen Bund demnach gerade mal 750 Dollar an Einkommensteuer gezahlt haben. Im Jahr darauf, dem letzten, über das die Zeitung Angaben macht, belief sich seine Steuerrechnung auf exakt dieselbe Summe. Zuvor hatte der Tycoon aus New York in zehn von 15 Jahren überhaupt keine „federal income tax“ entrichtet. Um es einzuordnen: Der durchschnittliche amerikanische Steuerbürger muss schon dann 750 Dollar berappen, wenn er in zwölf Monaten, sofern solo veranlagt, auf Einnahmen in Höhe von 17 900 Dollar kommt. Einkommensteuern, die die einzelnen Bundesstaaten erheben, sind dabei noch nicht berücksichtigt.

Dass Trump mit derart niedrigen Beträgen veranlagt wurde, lag an den hohen Verlusten und Abschreibungen, die er geltend machte. Für seine Golfplätze ließ er ebenso wie für ein Luxushotel im Zentrum Washingtons so viele Millionen an roten Zahlen eintragen, dass die vielen Millionen an Einnahmen praktisch ausgeglichen wurden. Wann immer er sehr viel Geld verdiente, beschreibt die New York Times sein Handlungsmuster, investierte er es in Geschäftsbereiche, in denen er das Geld – zumindest auf dem Papier – schnell wieder verlor.

Konkret: Mit der populären Reality-TV-Serie „The Apprentice“, die 2004 Premiere feierte, schaffte es der Unternehmer nicht nur, sich seinen Landsleuten als - zudem geradezu präsidial wirkender - Mann schneller, harter Entscheidungen zu verkaufen. Da die Hälfte des Gewinns auf sein Konto floss, gelang es ihm auch, finanziell zu reüssieren. Nach einer Pleitewelle Anfang der neunziger Jahre, maßgeblich zurückzuführen auf allzu ambitionierte Casino-Projekte in der Küstenstadt Atlantic City, stand der „Apprentice“ für ein glänzendes Comeback, das schließlich den Grundstein für seinen Aufstieg bis ins Weiße Haus legen sollte.

Bis 2018 hat er mit der Show, Marketingrechte eingeschlossen, 427 Millionen Dollar verdient. Einen beträchtlichen Teil des Profits investierte er in Golfplätze. Hatte sein Familienunternehmen vor dem Start der Serie zwei davon besessen, so waren es eine Dekade später schon fünfzehn. Allein für den größten, das Trump National Doral Resort in Miami, gab er - Stand 2017 - 162 Millionen Dollar an Verlusten an, insgesamt 315 Millionen Dollar für - vermeintlich oder tatsächlich - defizitäre Golfanlagen. Sein vor vier Jahren eröffnetes Nobelhotel in der Hauptstadt, ein ehemaliges Postamt, schlägt mit einem Minus von 55 Millionen zu Buche.

Das Doral, dies nur am Rande, brachte er, da war er bereits Präsident, als Tagungsort eines G-7-Gipfels ins Gespräch. Im Übrigen, spekuliert die New York Times, könnte Trump vor allem deshalb für das höchste Staatsamt kandidiert haben, weil die Einnahmen, die er als Fernsehstar zu verbuchen hatte, zu dem Zeitpunkt schon nicht mehr so kräftig sprudelten. „Der Fluss drohte auszutrocknen“, schreibt das Blatt. Um Werbung für seine Marke zu machen, habe der Entertainer den Entschluss gefasst, sich fürs Oval Office zu bewerben.

Dann wären da noch private Ausgaben, bei denen weniger skrupellose Steuerzahler kaum auf die Idee kämen, sie abzusetzen. Überweisungen an die älteste Tochter Ivanka, angestellt bei der Trump-Organisation, wurden als Beraterhonorare deklariert. Kosten von 70 000 Dollar für Haarstylisten, die den Tycoon für den „Apprentice“ frisierten, wurden ebenfalls geltend gemacht. Ein schlossähnliches Anwesen namens Seven Springs, nördlich von New York City gelegen und von der Familie intensiv genutzt, stufte man als Investment-Immobilie ein, sodass die Grundsteuer vom Gesamtgewinn abgezogen werden konnte.

Folgt man der „Times“, droht dem Präsidenten finanzielles Ungemach in einem jahrzehntelangen Rechtsstreit mit der Steuerbehörde IRS. Dabei geht es um eine um Jahre zurückliegende Erstattung von fast 73 Millionen Dollar.

Sollte die Behörde den Streit gewinnen, müsste Trump dem Bund mehr als 100 Millionen Dollar zahlen, Zinsen und Strafgebühr eingeschlossen. Zudem, so die Zeitung, werden im Laufe der nächsten vier Jahre Kredite in Höhe von 421 Millionen Dollar fällig, für deren Rückzahlung er persönlich verantwortlich ist. Größter Gläubiger ist offenbar die Deutsche Bank.