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US-Wahl 2020: Die Macht der Swing States

US-Wahl 2020 : Die Macht der Swing States

Das Wahlsystem der USA ist oft verwirrend. Am Ende entscheiden wenige Staaten über den Ausgang der Wahl des mächtigsten Amtes. Doch was sind die Swing States? Wie sehen die Prognosen aus und damit die Karte zur US-Wahl 2020?

Am 3. November 2020 wird der US-Präsident gewählt. Der Demokrat Joe Biden (77) fordert den Amtsinhaber Donald Trump (74) heraus. Der Republikaner Trump will weiter mit Vizepräsident Mike Pence (61) regieren, Biden im Falle eines Wahlsiegs mit Senatorin Kamala Harris (55). Sie wäre bei einem Wahlsieg die erste Frau und erste Schwarze im Amt des Vizepräsidenten. Abgestimmt wird zudem über die Abgeordneten des Repräsentantenhauses und rund ein Drittel der Sitze des Senats. Besondere Bedeutung bei der Wahl kommt den Swing States zu. Das sind jene Bundesstaaten, die in der Vergangenheit mal für einen Republikaner und mal für einen Demokraten gestimmt haben.

Wie funktioniert das Wahlsystem?

Um die Bedeutung der Swing States zu erfassen, ist es wichtig, das Wahlsystem zu verstehen. Die US-Wähler können nur indirekt darüber abstimmen, wer der nächste Präsident wird. Ihre Stimme entscheidet über die Zusammensetzung des Wahlkollegiums („Electoral College“), das dann den Präsidenten wählt.
In 48 der 50 Bundesstaaten funktioniert das so: Der Kandidat, der sich eine Mehrheit sichern kann, bekommt alle Stimmen zugesprochen. Ein Beispiel: Falls Trump Florida mit 50,1 Prozent der Stimmen gewinnen sollte, bekäme er die Stimmen der 29 Wahlleute des Bundesstaats, Biden ginge komplett leer aus. Amerikaner sprechen daher vom Prinzip „the winner takes all“ (alles für den Gewinner).
Einzig in den beiden kleinen Bundesstaaten Nebraska und Maine werden die Stimmen der Wahlleute annähernd proportional vergeben.

Die Funktion der Wahlleute

Die Anzahl der Wahlleute eines Bundesstaats entspricht der von dort entsandten Zahl der US-Senatoren und Kongressabgeordneten und richtet sich damit in etwa nach der Einwohnerzahl. Die Wahlleute stimmen 41 Tage nach der Präsidentenwahl ab, dieses Jahr am 14. Dezember. Sie richten sich dabei nach dem Ergebnis in ihrem Bundesstaat – in vielen Staaten würde den Wahlmännern und Wahlfrauen sonst eine Strafe drohen. Um Präsident zu werden, muss ein Kandidat mindestens die Stimmen von 270 Wahlleuten gewinnen. Das offizielle Ergebnis wird dann erst am 6. Januar im Kongress bekanntgegeben.

Wegen des indirekten Wahlsystems ist es möglich, dass ein Kandidat die meisten Direktstimmen bekommt, die Wahl aber trotzdem verliert. Das war zum Beispiel 2016 der Fall. Damals stimmten mehr Amerikaner für Hillary Clinton, Donald Trump konnte sich aber durch die von ihm gewonnenen Bundesstaaten die Mehrheit der Wahlleute sichern.

Die Swing States

Florida gilt als der Jackpot: Mit 29 Wahlleuten ist es einer der wichtigsten umkämpften Staaten. Dahinter folgen die traditionellen „Battleground States“ oder „Swing States“, also jene Bundesstaaten, die mal für einen Republikaner und mal für einen Demokraten stimmen. Dazu gehören Pennsylvania (20 Stimmen) und Ohio (18), genauso wie Michigan, Wisconsin und Minnesota (zusammen 36 Stimmen). Aktuelle Umfragen deuten auch in Georgia (16), North Carolina (15) und Arizona (11) auf einen offenen Stimmausgang hin. Ein wahres Erdbeben wäre es, falls es Biden gelingen würde, Texas zu gewinnen. Der große Staat mit 36 Stimmen geht seit Jahrzehnten an Republikaner – manche Umfragen räumen ihm dort aber zumindest geringe Chancen ein.

Diese Staaten sind sicher verteilt

Die meisten Bundesstaaten sind kaum umkämpft. Für die Demokraten etwa sind die Staaten an der Westküste eine sichere Bank, darunter das bevölkerungsreiche Kalifornien (55 Wahlleute) sowie Oregon (7) und Washington (12). Auch im Nordosten gibt es zahlreiche als sicher geltende Staaten, darunter New York (29), New Jersey (14), Connecticut (7), Massachusetts (11), Rhode Island (4), Delaware (3) und Maryland (10).

Die Republikaner schneiden dafür in der Regel im Zentrum des Landes stark ab, darunter im Mittleren Westen sowie im Süden. Sie gewinnen in der Regel Staaten wie Montana (3), Kansas (6), Oklahoma (7), Missouri (10), Tennessee (11), Kentucky (8), West Virginia (5), Arkansas (6), Alabama (9), Louisiana (8), Mississippi (6) und South Carolina (9).

Was sagen die Umfragen?

In landesweiten Umfragen liegt Biden seit Monaten deutlich vor Trump. Die Webseite FiveThirtyEight etwa, die zahlreiche Umfragen auswertet und gewichtet, sieht Biden bei 51,8 Prozent der Stimmen, Trump bei 42,2 Prozent. Bis zur Wahl kann sich aber noch vieles ändern. Zudem haben landesweite Befragungen wegen des Wahlsystems nur begrenzte Aussagekraft. Trump war es 2016 gelungen, durch seine Siege in den Bundesstaaten die Mehrheit der Wahlleute zu gewinnen, obwohl er keine Mehrheit der Stimmen hatte. Vor vier Jahren hatte Hillary Clinton in Umfragen lange gut in Führung gelegen – verlor aber gegen Trump.

Alles zu den Wahlen in den USA lesen Sie hier.

(june/dpa )