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Trump-Anwalt Rudy Giuliani: Der Drahtzieher der Justizschlacht des US-Präsidenten

Trump-Anwalt Rudy Giuliani : Der Drahtzieher

In den zurückliegenden Jahren gab es viele bizarre Auftritte von Rudy Giuliani. Als Privatanwalt von Donald Trump steht der frühere New Yorker Bürgermeister jetzt wieder im Rampenlicht: Der 76-Jährige führt die Justizschlacht gegen angeblichen Wahlbetrug an.

Und während Giuliani mit seinen theatralischen Auftritten - und zuletzt einer Haarfärbemittel-Panne - immer wieder viel Spott auf sich zieht, halten viele ihn für äußerst gefährlich.

Am Donnerstag war es wieder so weit. Bei einer Pressekonferenz wiederholte der einstige Staatsanwalt mit weit aufgerissenen Augen seine Vorwürfe von angeblichem Betrug bei der Präsidentschaftswahl. Er sprach von einer "nationalen Verschwörung", attackierte die Demokraten von Wahlsieger Joe Biden als "Gauner", beschimpfte anwesende Journalisten und zitierte nebenbei die Hollywood-Komödie "Mein Vetter Winnie" aus den frühen 90ern, um seine Betrugsvorwürfe zu illustrieren.

Für besonderes Aufsehen sorgte allerdings, dass dem stark schwitzenden Giuliani offenbar Haarfärbemittel seitlich über das Gesicht lief. Fotos des 76-Jährigen mit braunen Streifen auf den Wangen wurden zum Renner in den sozialen Netzwerken.

Giuliani, eine Witzfigur in Diensten des Präsidenten? Das wäre zu einfach, warnten Beobachter sofort. "Die Pressekonferenz waren die gefährlichsten eindreiviertel Stunden Fernsehen in der US-Geschichte", twitterte der diese Woche von Trump entlassene Leiter der auch für Wahlsicherheit zuständigen Behörde CISA, Chris Krebs. "Und vielleicht die verrücktesten."

Denn auch wenn viele über Giuliani nur belustigt den Kopf schütteln: Bei Trump-Anhängern findet der Anwalt mit seinen Theorien viel Gehör. Der konservative Nachrichtensender Fox News übertrug die Pressekonferenz live in voller Länge. Trumps Klagewelle mag aussichtslos sein, aber sie untergräbt zweifellos das Vertrauen der US-Bürger in die Wahlen als zentralen demokratischen Prozess. Für besondere Skrupel ist Giuliani allerdings nicht bekannt.

Als Bürgermeister von New York war er einst hoch angesehen, nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 wurde er gar als "Amerikas Bürgermeister" bezeichnet. Später wurde der 1944 im New Yorker Stadtteil Brookyln in eine italienische Einwandererfamilie geborene Giuliani zum loyalen Wadenbeißer Trumps. Vor der Präsidentschaftswahl 2016 legte er sich vehement für den Außenseiter ins Zeug.

Giuliani hoffte damals, dafür mit dem Posten des Außenministers belohnt zu werden. Dass Trump ihm den Job verweigerte, führte aber offenbar nicht zu einem zerrütteten Verhältnis. Im April 2018 engagierte Trump den früheren Anti-Drogen-Strafverfolger als seinen Privatanwalt.

Der für wutschnaubende TV-Auftritte, expressive Mimik und dicke Ringe bekannte Giuliani war dabei auch Trumps Mann für anrüchige Machenschaften. Der einstige Staatsanwalt war es unter anderem, der im Zuge einer Schmutzkampagne in der Ukraine nach belastendem Material gegen Biden und dessen Sohn Hunter suchte. Die Ukraine-Affäre führte Ende 2019 zum letztlich erfolglosen Amtsenthebungsverfahren gegen Trump.

Giuliani stand dann kurz vor der Wahl hinter einem höchst umstrittenen Bericht der rechten Boulevardzeitung "New York Post" mit Korruptionsvorwürfen gegen die Bidens. Die Zeitung kam nach eigenen Angaben über Giuliani an angebliche E-Mails und weiteres kompromittierendes Material von Hunter Biden.

Kurz darauf wurde allerdings ein für Giuliani selbst höchst kompromittierendes Video bekannt - der Trump-Vertraute war nämlich dem Fernsehkomiker Sacha Baron Cohen auf den Leim gegangen. Im neuen "Borat"-Film ist Giuliani mit einer jungen Frau in einem Hotelzimmer dabei zu sehen, wie er sich auf dem Bett liegend mit der Hand in die Hose greift. Nach eigenen Angaben steckte er nur sein Hemd in die Hose.

Für neuen Spott sorgte Giuliani dann wenige Tage nach der Wahl mit einer skurrilen Pressekonferenz vor einer Gärtnerei in Philadelphia, die den gleichen Namen trägt wie das Luxushotel Four Seasons.

An Giulianis Selbstbewusstsein scheint das nichts zu ändern: US-Medien zufolge soll der Anwalt für seinen Einsatz für den Präsidenten 20.000 Dollar pro Tag verlangt haben. Er selbst wies dies als Lügen zurück.

(felt/AFP)