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Mitt Romney hat Probleme mit dem Reichtum: "Swiss Mitt" zahlt 13,9 Prozent Steuern

Mitt Romney hat Probleme mit dem Reichtum : "Swiss Mitt" zahlt 13,9 Prozent Steuern

Mitt Romney ist Millionär. Trotzdem zahlt der Mann, der Präsident in Washington werden will, weniger Steuern als der Durchschnittsamerikaner. Einen Teil seines Geldes soll er zwischenzeitlich in der Schweiz geparkt haben. Eigentlich ist Geld in Amerika sexy. Dennoch könnte für Romney sein Reichtum zu einem ernsten Problem im Wahlkampf werden.

Am Dienstag veröffentlichte er nach langem Zaudern seine Steuerunterlagen. Die Medien und seine politischen Gegner im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner hatten massiv Druck auf ihn ausgeübt. Seine Gegner karikierten den ehemaligen Manager eines Finanz-Investors als skrupellosen Ausbeuter, der nicht nur Jobs vernichtet, sondern sich auch davor drückt, Steuern zu zahlen. Romney agierte unglücklich, druckste herum, spielte auf Zeit. Die Quittung folgte auf den Fuß: Die Vorwahl in South Carolina geriet für ihn zu einem Debakel.

Vor den nächsten Wahlen in Florida am 31. Januar will Romney wieder Fuß fassen. In einer ersten TV-Debatte zeigte er die Krallen und holte zum Gegenangriff aus. Seinen schärfsten Gegner, Newt Gingrich, ging er persönlich an. Er warf ihm vor, er habe sein Amt "in Schande" aufgeben müssen, jahrelang als Lobbyist in Washington die Fäden gezogen und dabei abkassiert.

Eigentlich eine Normalität

Romney sucht sein Heil in der Offensive. Immer noch werden ihm die besten Chancen bei der Kandidatenkür der Republikaner nachgesagt, aber er weiß nur zu gut um die Stolperfallen eines zähen Wahlkampfes. In Florida will er die Scharte wieder auswetzen.

Darum versucht er sich auch der Hypothek zu entledigen, die ihn zuletzt so belastet hat. Den Vorwurf, er verberge aus Angst vor dem Urteil der Öffentlichkeit seine Steuerunterlagen, will er sich nicht mehr machen lassen.

In den USA ist es üblich, dass führende Politiker ihre Steuererklärungen öffentlich machen. So können beispielsweise die Dokumente von Präsident Barack Obama auf der Internet-Seite des Weißen Hauses abgerufen werden. Romney aber hielt sich zurück. Ursprünglich wollte er die Zahlen erst im April vorlegen. Doch die Not lässt Romney nun den Befreiungsschlag versuchen.

21,.7 Millionen Dollar Verdienst

Die Unterlagen haben es in sich. Aus den mehr als 500 Seiten geht hervor, dass der Geschäftsmann und frühere Gouverneur von Massachusetts 2010 letztendlich eine Steuerquote von 13,9 Prozent hatte und für das abgelaufene Jahr eine Quote von 15,4 Prozent erwartet - eine Steuerlast, die unter der des Durchschnittsamerikaners liegt.

Romneys vergleichsweise niedrige Steuerquote geht unter anderem darauf zurück, dass in den USA Einkommen aus Investitionen mit 15 Prozent geringer besteuert werden als aus Gehältern, für die 35 Prozent fällig sind. Den Großteil seines Einkommens erzielte Romney den zunächst gegenüber den Zeitungen "Washington Post" und "Wall Street Journal" veröffentlichten Zahlen zufolge durch private Investments. 21,7 Millionen Dollar gab er für das Jahr 2010 an, etwa drei Millionen davon führte er an den Fiskus ab. Für 2011 rechnet Romney mit einem Einkommen von 20,9 Millionen Dollar und 3,2 Millionen Dollar Steuern.

Geld auf den Kaiman-Inseln

Der Erklärung zufolge spendeten die Romneys in den vergangenen beiden Jahren rund sieben Millionen Dollar für wohltätige Zwecke. Darunter waren mindesten vier Millionen, die an die Mormonen-Kirche gingen - die Glaubensgemeinschaft der Familie des Ex-Gouverneurs von Massachusetts. Am Vorabend hatte er erklärt, seine Steuererklärung sei absolut legal und fair.

Zudem ist eine nicht genau angegebene Summe auf den Kaimaninseln deponiert. Berater des Republikaners betonten, dass auch dieses Geld ordnungsgemäß versteuert worden sei. Zudem werde Romneys Vermögen von Treuhändern verwaltet (blind trusts). Diese und nicht Romney träfen die Investment-Entscheidungen. "Ich zahle alle Steuern, die gesetzlich gefordert sind, und keinen Dollar mehr", erklärte Romney am Montag bei einem Wahlkampfauftritt in Florida.

Die Kluft bleibt bestehen

US-Medienberichten zufolge lagerte bis ins Jahr 2010 auch Geld bei einer Schweizer Bank. Bei der "Huffington Post" reichte das für einen neuen Spitznamen: "Swiss Mitt", nannte ihn das eher linksliberale Online-Medium am Dienstag. Dem Bericht zufolge hatte Romney das Schweizer Konto auf Empfehlung eines Beraters aufgelöst, um sich in der Politik nicht angreifbar zu machen. Die USA und die Schweiz beharken sich schon seit etlichen Jahren im Zusammenhang mit versteckten Geldern reicher Amerikaner auf geheimen Schweizer Konten.

Romney hofft nun offensichtlich darauf, mit der Offenlegung seiner Einkünfte Ruhe in die Debatte zu bekommen. Doch seine Steuerzahlungen fallen noch geringer aus als erwartet. Die im Wahlkampf so erfolgreichen Stilisierung Romneys als unpatriotischer Millionär ohne Bezug zum Normalbürger lässt sich somit auch weiterhin aufrecht erhalten. Die Polarisierung "Hier der Millionär, der ohne einen Handschlag immer reicher wird" gegen den hart arbeitenden US-Normalverdiener wird man vermutlich noch ab und zu hören in den nächsten Monaten.

Romney zählt zu dem einen Prozent

Die nun veröffentlichten Zahlen zeigen, dass der Bewerber um die republikanische Präsidentschaftskandidatur bezüglich der Höhe seiner Steuern zu dem einen Prozent der Spitzenzahler Vereinigten Staaten zählt. Details zu den Vermögensverhältnissen Romneys wollte sein Wahlkampfteam noch am Dienstag näher erläutern. Romney ist mit einem Vermögen von zwischen 190 Millionen bis 250 Millionen Dollar einer der reichsten Bewerber auf die Präsidentschaft.

In der erfolgsorientierten Kultur Amerikas ist es bislang keineswegs eine Schande gewesen, viel Geld zu verdienen. Doch die Entwicklung der vergangenen Jahre führt zu einem Stimmungswandel. Die soziale Kluft wird größer, Arbeitslosigkeit und Armut greifen um sich. Das hat auch in der politischen Öffentlichkeit Niederschlag gefunden wie nicht zuletzt der Aufstieg und Resonanz auf die Occupy-Bewegung zeigt. Sozialneid und Kritik an der Wohlstandsverteilung hat inzwischen seinen Platz in der öffentlichen Meinung gefunden.

"We are the 99 Percent", skandierten die Wall-Street-Kritiker von Occupy. Romney zählt zum verbleibenden einen Prozent, das fast alleine die Erträge des Wachstums der vergangenen Jahrzehnte einfuhr, während der große Rest leer ausging.

Mit Material von Reuters, dpa, und apd

Hier geht es zur Bilderstrecke: Mitt Romney: Seine Familie, seine Pannen, sein Geld

(REU/dpa/apd)