Für die Republikaner wird es ernst Schluss mit lustig

Washington · Das Rennen um die Präsidentschaftskür der US-Republikaner glich bislang einer peinlichen Casting-Show. Nun wird es ernst: Mit den Vorwahlen in Iowa beginnt im Januar der Ausleseprozess. Wieder einmal könnte dort ein eigentlich Chancenloser gewinnen.

Ron Paul - Verfechter einer radikalen Freiheit
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Seit dem Frühjahr konnte das Wahlvolk mitverfolgen, wie die Bewerber auf den Beliebtheitsskalen der Demoskopen rauf- und runterrutschten, über Affären stolperten oder sich peinliche Patzer vor Fernsehkameras leisteten. Mit den Vorwahlen in Iowa beginnt am kommenden Dienstag das langwierige Prozedere, an dessen Ende der Herausforderer von Präsident Barack Obama stehen wird.

Alle wichtigen Kandidaten tourten in den letzten Tagen vor dem Urnengang durch die Städte und Dörfer des kleinen Agrarstaates im Mittleren Westen und schalteten in den lokalen Sendern Werbespots. Vereint sind sie in ihrer Kritik an Obama. In ihren Augen hat der demokratische Präsident die Wirtschaft mit zu viel staatlicher Einmischung in Ketten gelegt und ist für die lahmende Konjunktur und die hohe Arbeitslosigkeit verantwortlich.

"Mister President, Sie haben Ihren Moment gehabt. Wir haben die Ergebnisse gesehen. Nun ist unsere Zeit gekommen", sagte etwa Mitt Romney bei einem Wahlkampfauftritt in Iowa.

Romney gilt als Favorit für die Kandidatur der Republikaner. Der frühere Gouverneur von Massachusetts hat die meisten Spendengelder und ein gut organisiertes Wahlkampfteam im Rücken, das Establishment der Partei hält ihn für den aussichtsreichsten Obama-Gegner. "Ich denke, dass Romney die beste Wahl für uns ist", bekannte der frühere Präsident George H.W. Bush kürzlich in der Zeitung "Houston Chronicle".

Mäßige Begeisterung für Romney

Doch angesichts mäßiger Umfragewerte darf sich Romney nicht zu sicher fühlen. Seine einst eher liberalen Positionen bei Themen wie Abtreibung oder Waffengesetzen lassen viele Republikaner zweifeln, ob der Mormone überhaupt ein überzeugter Konservativer ist. Zudem hat Romney in seiner Zeit als Gouverneur von Massachusetts eine Gesundheitsreform durchgeführt, die für das verhasste "Obamacare" Pate stand.

Iowa macht nun am 3. Januar den Auftakt bei der basisdemokratischen Kandidatenkür für die Präsidentschaftswahlen. Bei den so genannten Caucuses treffen sich Republikaner am Dienstagabend überall in dem Bundesstaat zu Wahlversammlungen, um zunächst über die möglichen Kandidaten zu diskutieren und dann abzustimmen.

Die Bewerber müssen sich zwar in allen 50 Bundesstaaten dem Votum der Wähler stellen, den Vorwahlen in Iowa kommt als erstem wirklichem Test allerdings eine besondere Bedeutung zu. Wer hier gewinnt, kann mit dem Nimbus des Siegers in den Nominierungsmarathon gehen. Dass dieser Vorteil nicht zu unterschätzen ist, zeigen zwei historische Siege von Außenseitern: Sowohl Jimmy Carter als auch ein gewisser Barack Obama landeten in Iowa Überraschungssiege - und wurden später tatsächlich Präsident. Wohl nur das US-Wahlsystem bietet No-Names derartige Chancen.

Peinliche Wahlkampf-Pannen

Meinungsforscher sahen Romney in Iowa lange im Rückstand, zuletzt lieferte er sich aber in Umfragen nach Angaben der Webseite realclearpolitics.com mit dem libertären Hardliner Ron Paul ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Zuvor waren über Monate andere Kandidaten als Favoriten für Iowa gehandelt worden. Die christlich-konservativen Ansichten eines Rick Perry oder einer Michele Bachmann schienen wie gemacht für die Wähler-Klientel in dem US-Bundesstaat. Doch im Wahlkampf leisteten sie sich erbärmliche Pannen und nahmen sich auch noch gegenseitig die Stimmen weg.

Profiteur ist: Mittv Romney. Während die Konkurrenz wochen- und monatelang im Nahkampf um Stimmen warb, hatte der Mormone den Bundesstaat anfangs links liegen gelassen. Er investierte lieber Zeit und Geld in die für den 10. Januar geplante zweite Vorwahl in New Hampshire. In dem Ostküsten-Staat führt er in Umfragen deutlich.

Jetzt kann er sogar auf einen Doppelschlag hoffen. Der Vorwahlkampf der Republikaner wäre damit schon direkt zu Beginn so gut wie entscheiden. Mit einem derartigen Erfolg, so das Kalkül, hätte er genügend Schwung, um frühzeitig die nötige Delegiertenzahl für die offizielle Kandidatenkür auf dem Parteitag Ende August zu erreichen.

Gingrich verpasst Sprung auf Wahlzettel

In landesweiten Erhebungen konnte sich Romney bisher jedoch nie einen klaren Vorsprung erarbeiten, in mehreren Umfragen der jüngsten Zeit lag er hinter Newt Gingrich. Der früheren Chef des Repräsentantenhauses verfügt aber über eine schwache Organisation: In Virginia wird Gingrich erst gar nicht auf dem Wahlzettel stehen, weil er nicht rechtzeitig die nötigen Unterschriften dafür hatte sammeln können.

Profitieren könnte Romney auch davon, dass die erzkonservative Tea-Party-Bewegung und der evangelikale Wählerblock sich nicht geschlossen hinter einen Bewerber gestellt haben: Ihre Lieblinge wie Michele Bachmann oder Rick Perry dümpeln in Umfragen im einstelligen Bereich.

Gefährlich werden könnte ihm am ehesten noch Ron Paul. Der inzwischen 76-Jährige kann sich auf eine treue Anhängerschaft verlassen. In einigen Umfragen liegt er trotz exzentrischer politischer Vorstellungen knapp vor Romney. Seine libertäre Forderung nach einem Minimal-Staat gilt in weiten Teilen der republikanischen Partei nicht als vermittelbar.

So will der Texaner etwa die US-Notenbank abschaffen und Marihuana und Prostitution freigegeben. In seinem Universum gibt es die totale Freiheit. Schon mehrfach hat sich Ron Paul um eine Kandidatur fürs Weiße Haus bemüht. Bislang galt er auch der breiten Mehrheit als unwählbar. 2012 hat er wohl so gute Chancen wie noch nie. Iowa ist der amerikanischen Tradition nach ein bewährtes Sprungbrett für Außenseiter ohne Chance.

(AFP)
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