Wahlkampfteam schaltet Werbespot: Romneys Geheimwaffe ist seine Frau

Wahlkampfteam schaltet Werbespot : Romneys Geheimwaffe ist seine Frau

Im Endspurt um die Präsidentschaftskandidatur setzt der Republikaner Mitt Romney auf seine Ehefrau Ann. Das Wahlkampfteam hat hierfür einen Werbespot geschaltet. Anne Romney kommt ungekünstelt und warmherzig daher - sie soll die Schwächen ihres Mannes ausgleichen.

Die Fotos im Werbespot verbreiten Harmonie und sogar einen Hauch von Urlaubsstimmung. Sanfte Gitarrenklänge untermalen die noch sanftere Stimme von Ann Romney. Die blonde Frau, die in dem Video gut zwei Minuten lang zu sehen und hören ist, ist die Gattin des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney.

Experten sind sich weitestgehend einig: Ann Romney bietet eine große Chance für Ehemann Mitt. Die Chance, endlich ein menschlicheres Bild zu zeichnen von einem Mann, der vielen US-Bürgern unnahbar erscheint.

Charmante Facetten und klare Konturen

Charmante Facetten und klare Konturen sind beim mutmaßlichen Präsidentschaftskandidaten der Republikaner schwer zu erkennen — sowohl für Politik-Experten als auch potenzielle Wähler. Selbst einige republikanische Parteigänger sind sich uneins.

Menschliche und politische Profilschärfe aber sind nötig, um dem charismatischen Barack Obama den Chefposten streitig zu machen und nach der Wahl am 6. November als 45. Präsident ins Weiße Haus einzuziehen. Das haben offenbar auch die Wahlkampfmanager Romneys erkannt und einen Wahlwerbespot geschaltet - mit Ann Romney, seiner Ehefrau, mit der Mitt seit 43 Jahren verheiratet ist.

Einblicke ins Familienalbum

Für gut zwei Minuten hat sie das Fotoalbum der Familie geöffnet. Private Aufnahmen zeigen Ehemann Mitt in Badehose. Am Strand. Mitt im Bett mit seinen Söhnen. Mitt als liebevoller Ehemann und fünffacher Familienvater. Das Ziel des Spots ist klar: Mitt soll als treusorgender Ehemann und Familienvater gezeigt werden.

Das Herausarbeiten und Hervorheben der menschlichen Seite steht dabei im Mittelpunkt der Erzählungen seiner Ehefrau. Und sie kommt durchaus sympathisch daher. Auch mehrere Räusperer verhageln nicht das positive Bild, das Mitts Ehefrau abgibt.

"Frech wie die anderen Jungs"

"Ich hasse es zu sagen, aber oft hatte ich nicht fünf Söhne, sondern sechs und er war immer genauso spitzbubenhaft und frech wie die anderen Jungs", erklärt Ann und setzt ihr charmantestes Lächeln auf. Man nimmt ihr die Freude an dieser Vorstellung ab. Sie wirkt ungekünstelt.

Charisma, Authentizität und menschliche Wärme — Ann scheint das ersehnte Pendant zu sein. Sie gleicht die Schwächen ihres Ehemannes aus, der vielen US-Bürgern unnahbar und nicht menschlich genug erscheint.

Doch genau diese Eigenschaften wünschen sich die US-Bürger von ihrem zukünftigen Präsidenten in Zeiten von Rekordschulden, Rezession, Massenarbeitslosigkeit und Kriegsangst. Immerhin zwei Minuten hat Ann Zeit, um das Bild ihres Ehemannes zu korrigieren und der Kandidatur des konservativen Politikers nebenbei mehr Leben ein zu hauchen.

Mitts Ruf eines Langweilers

Romney, der seit 1969 mit seiner Grundschul-Liebe Ann verheiratet ist und fünf Söhne mit ihr hat, eilt der Ruf eines Langweilers voraus. Daran scheiterte schon 2008 sein erster Anlauf ins Weiße Haus: Er wirkte hölzern und zu sehr wie ein Geschäftsmann. Die Republikaner entschieden sich für Senator John McCain als Präsidentschaftskandidat.

"Zu viele Leute wissen nicht, wofür er steht", klagt der Politik-Experte David Yepsen. In den Augen der Menschen gilt Romney als abgehoben und dröge. Das habe schon die Kampagne vor vier Jahren belastet. Die fehlende Profilschärfe hatte Romney schon im März den "Super Tuesday" verhagelt, von dem er sich die entscheidende Absetzbewegung im Bewerberkreis der Republikaner erhofft hatte.

Umfragen sehen Obama vorn

Mitt Romney weiß um die Wichtigkeit und Bedeutung seiner Frau, gerade in der Wahlkampfphase. Sie unterstützt die Kandidatur uneingeschränkt. Die Unterstützung hat der Republikaner-Frontmann bitter nötig.

In jüngsten Umfragen liegt Obama klar vor Romney. Einer am Dienstag von der "Washington Post" veröffentlichten Erhebung zufolge würde der Amtsinhaber ihn derzeit mit 51 zu 44 Prozent schlagen, wenn sich die beiden in einer Wahl gegenüber stünden. Bei den Beliebtheitswerten hatte Obama sogar einen Vorsprung im zweistelligen Bereich.

Nach dem Sieg bei der Vorwahl in Ohio im März übergab Mitt Romney seiner Gattin das Wort und erklärte, dass nach ihrer Ansprache wahrscheinlich niemand mehr hören wolle, was er zu sagen habe. Tosender Applaus brandete auf.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Mitt Romney: Seine Familie, seine Pannen, sein Geld

(mit Agenturmaterial/nbe/csi/pst)