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Stephanie Cutter treibt Romney zur Weißglut: Obamas Bulldogge beißt zu

Stephanie Cutter treibt Romney zur Weißglut : Obamas Bulldogge beißt zu

Der Wahlkampf in den USA gewinnt an Schärfe. Insbesondere das Obama-Lager zeigt sich aggressiv. Im Zentrum der Kampagne steht Stephanie Cutter. Die freundlich lächelnde Blondine lässt Tiraden vom Stapel, die Romney-Anhängern das Hören und Sehen vergehen lassen.

Das Wahlkampfteam von Präsident Barack Obama sucht sein Heil im Angriff. Schon seit Monaten lässt es kaum etwas unversucht, um Mitt Romney, den ungeliebten Präsidentschaftskandidaten der Konservativen, zu diffamieren. In Spots wird er als seelenloser Ausbeuter, Vampir und gewissenloser Profit-Maximierer dargestellt.

Besonders gut kann das die 43-jährige Stephanie Cutter. In Amerika hat sie sich als Vize von Obamas Wahlkampfteam den zweifelhaften Ruf erworben, die "erste Bulldogge" des US-Präsidenten zu sein.

In zahllosen Videos, Fernsehshows und Interviews drischt die Blondine im Maschinengewehr-Stakkato auf den Herausforderer ein. Ihr Revier ist die scharfe Attacke, wenn sie zubeißt, soll es auch weh tun. So auch in ihrem jüngsten Youtube-Video: Maliziös lächelnd rechnet sie Romney mit Hilfe von Statistiken seine Verfehlungen vor. In US-Comedy-Shows hat ihr Auftritt bereits Parodisten zu eigenen Sketchen provoziert.

Romney in der Defensive

Nun steht sie mehr denn je im Fokus. Ende der Vorwoche hatten die Vorwürfe gegen Romney eine neue Qualität angenommen. Cutter bezeichnete den Spitzenmann der Republikaner indirekt als Straftäter. Sie wirft ihm vor, die Börsenaufsicht SEC über seine Vergangenheit beim Investor Bain Capital belogen zu haben.

Romney und seine Rolle bei der Investorengesellschaft Bain Capital - seit dem Wochenende besetzt dieses Thema die Schlagzeilen in den USA. Dabei geht es insbesondere um die Frage, inwieweit Romney für die Verlagerung von Jobs ins Ausland verantwortlich ist.

Die Vorwürfe konzentrieren sich auf den Zeitraum 1999 bis 2002. Diese drei Jahre sind deswegen so brisant, weil Bain Capital in dieser Zeit in Firmen investiert haben soll, die anschließend Jobs ins Ausland verlagerten. Das Obama-Lager verunglimpft Romney in Spots deswegen als "Outsourcer".

Drei Jahre im Fokus

Doch der will während der fraglichen Jahre gar nicht mehr für das Unternehmen, das er 1984 selbst gründete, tätig gewesen sein. Er habe Bain Capital 1999 verlassen, um sich um die Olympischen Spiele in Salt Lake City zu kümmern.

Die Zeitung "Boston Globe" stieß jedoch bei Recherchen auf Dokumente, die angeblich das Gegenteil belegen. Demnach verließ Romney Bain Capital erst 2002. Bis dahin soll er noch 100-prozentiger Eigner der Firma geblieben sein — und damit verantwortlich für die Firmenpolitik. Auch das Obama-Team behauptet, es gebe Dokumente der US-Börsenaufsicht, die Romney der Lüge überführen könnten.

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Abgesehen davon, dass eine Falschaussage wohl ernste juristische Konsequenzen mit sich bringen könnte, hinterlässt Romney auch wieder den Eindruck des personifizierten Eiertanzes. Schon mehrfach hat er sich in einzelnen unbequemen Fragen um klare Antworten herumgedrückt.

Nixon-Vergleich

Beispiele: In der Gesundheitspolitik führte er als Gouverneur von Massachusetts eine Versicherungspflicht ein, die er jetzt als "Obamacare" bekämpft, über seine Religion als Mormone will er nicht sprechen, um seiner Steuererklärung machte er lange ein großes Geheimnis.

Ein gefundenes Fressen für das Obama-Team. Für Romney könnte die neue Affäre verheerende Folgen haben. Vor allem Cutter zeichnet jetzt verantwortlich für die scharfen Attacken, die Romney als Geheimniskrämer und Seelenverkäufer brandmarken.

Zuletzt bezeichnete ihr Team den Republikaner als den "geheimnisvollsten" Präsidentschaftskandidaten seit Richard Nixon, der nach der Watergate-Affäre zurücktreten musste. "Es wird Zeit, dass Mitt Romney Transparenz zeigt, damit sich die Amerikaner ihre eigene Meinung über seine Motive und seine Bilanz bilden können", sagte Cutter.

"Stop Whining"

Als sich die Republikaner über die Tiefschläge empörten und eine Entschuldigung Obamas verlangten, setzte die 43-Jährige noch einen obendrauf: Das Romney-Lager solle mit der Heulerei aufhören. Im englischen Original hört sich die Abfuhr übrigens noch schöner an: "Stop Whining", beschied Cutter ihren Konkurrenten.

Dass ausgerechnet die scharfzüngige Stephanie Cutter so etwas wie Gesicht und Stimme der Obama-Kampagne geworden ist, hat eine eigene Ironie. Vor acht Jahren war die PR-Expertin schon einmal federführend im US-Wahlkampf tätig, wurde aber nach der Niederlage des Demokraten John Kerry mit Schimpf und Schande davongejagt.

Zu Unrecht wie es nun heißt. Sie habe damals den Sündenbock für eine missratene Kampagne abgeben müssen. Doch die Totgesagte zeigt sich lebendiger denn je. Obamas Team schwärmt von ihr. Sowohl, was ihr Talent angeht, politische Botschaften zu formulieren als auch ihre Fähigkeiten auszuteilen. "Keiner, der jemals Gegner von Stephanie Cutter war, konnte ihr aufrichtigen Respekt verwehren", zitiert das Politik-Magazin Politico einen Berater.

Sie ist Obamas "Ein-Frau-Einsatz-Kommando" karikiert sie das Blatt. "Sie destilliert die Botschaft des Präsidenten und kontrastiert sie mit Romneys auf eine Art und Weise, dass sie in den wichtigen Medien gehört, aber auch von jedem verstanden wird", sagt fast ehrfürchtig der republikanische Strategie-Berater Steve Schmidt Politico.

Mit Cutter wird in diesem Wahlkampf weiter zu rechnen sein. Als Stimme Obamas wird Cutter den Ton bis zum November 2012 weiter vorgeben: aggressiv, unnachgiebig, bissig.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Stephanie Cutter streitet für Obama

(pst)