Rede beim Parteitag der Demokraten: Obama: "Wir schaffen das gemeinsam"

Rede beim Parteitag der Demokraten : Obama: "Wir schaffen das gemeinsam"

Der Funke springt erst spät über. Präsident Obama appelliert an die Verantwortung der Bürger für die Zukunft des Landes. Früher war allerdings mehr Lametta, selbst die obligatorischen Luftballons fehlen in Charlotte.

Malia Obama rückt ein wenig gelangweilt auf ihrem unbequemen Klappstuhl in der ersten Reihe links vor der Bühne herum. Kein Wunder: Gelegentlich mal abzuschalten, wenn Papa einen Vortrag hält, ist normal für eine 14-Jährige — auch wenn es sich bei ihm um den US-Präsidenten handelt. Doch nicht nur der Tochter mangelt es an Begeisterung.

In der Arena von Charlotte fällt der streckenweise müde Applaus der Delegierten auf, als Barack Obama vor ihnen eine der wichtigsten Reden seiner Karriere hält. Natürlich wird gejubelt und geklatscht. Doch es fehlt die Magie der zwei vorangehenden Nächte, als Michelle Obama und Bill Clinton die Menge verzauberten. Auch auf die entscheidende Frage, ob es den Amerikanern besser geht als zu Beginn seiner Amtszeit, hat er keine klare Antwort.

20.000 Zuschauer

Es dauert fast 30 Minuten, bis richtig Leben in die Bude kommt, bis die mehr als 20.000 Zuschauer nicht wegen der Parteitagspflicht aufstehen und fünf bis zehn Sekunden applaudieren. Es ist, als legt Obama plötzlich den Schalter um — von der Standard-Wahlkampfrede zur kämpferischen Ansprache. "Ich bin hoffnungsvoll wegen Euch", ruft er den Menschen zu und der Jubel schwillt an. "Wir kehren nicht um. Wir lassen niemanden zurück. Wie ziehen einander hoch", brüllt er gegen das begeisterte Gekreische an. Das ist der Obama, den sie 2008 euphorisch ins Weiße Haus geschickt haben.

Diese fünf Minuten am Schluss müssen reichen, um den Amtsinhaber den entscheidenden Schub zum Wahlsieg zu geben. Denn sie sind es, die letztlich bei den Zuschauern hängen bleiben, die in den Fernsehnachrichten gezeigt werden. "Das war sehr inspirierend. Ich habe es geliebt, dass er sagte, wir sind diejenigen, die den Wandel bringen", jubelt Alex Zilka (30) aus Chicago unmittelbar nach der Ansprache. "Einfach super", sagt der 15-Jährige Patrick Grace aus Charlotte wie aus der Pistole geschossen. "Er will das Beste für die Menschen, das merkt man." Der Lieblingssatz von Nan Bernardo, einer älteren Dame aus New Jersey: "Wir schaffen das gemeinsam".

Vielleicht hätte alles viel besser gewirkt, wenn die Demokraten an der geplanten Parteitagschoreografie festgehalten hätten. Eigentlich war der Auftritt vor mehr als 70.000 Menschen im benachbarten Stadion geplant, doch die Angst vor Gewitterstürmen machten den Organisatoren kurzfristig einen Strich durch die Rechnung. So bestand das Publikum fast nur aus Delegierten und Gästen, die seit Tagen wegen des vollen Programms kaum Schlaf bekommen und nach Stunden in der überfüllten Arena an Frischluftmangel litten. Wegen der Verlegung fehlten sogar die obligatorischen Ballons, die sonst zu Tausenden von der Decke fallen und Partystimmung suggerieren.

"Ich bin nicht länger nur ein Kandidat"

Viel Wichtiger als das Stimmungsbild des Abends ist für Obamas Wahlkampfteam jetzt, ob sie in den zwei Monaten bis zur Wahl seine neue Botschaft verkaufen können, die Obama am Donnerstag in seinen starken fünf Minuten einführte. Dass er kein Messias ist, zu dem er vor vier Jahren erklärt wurde, und die Ansprüche einfach zu hoch waren. Dass er es nicht allein schafft, "Hoffnung und Wandel" in die Welt zu bringen, aber dass er die Amerikaner dazu in die Lage versetzen könne. "Ich bin nicht länger nur ein Kandidat. Ich bin der Präsident", ruft er und erhält dafür fast den lautesten Jubel.

Zur Abstimmung stehen demnach also Obama, der Möglichmacher, gegen Mitt Romney, den Verhinderer, scheint die Devise jetzt der Demokraten jetzt zu lauten. "Ihr habt das geschafft", ruft Obama den Menschen daher zu, wenn er über die Erfolge seiner ersten Amtszeit spricht — die Rettung der Autoindustrie oder die große Gesundheitsreform. "Ihr könnt es möglich machen" sagt er, wenn er über seine Pläne für ein gerechteres Steuersystem, bessere Bildungschancen und mehr Umweltschutz spricht. Das kommt gut an beim politisch interessierten Publikum in der Basketballarena. Aber auch bei den Wählern zu Hause?

(dpa)