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US-Wahlkampf geht in die heiße Phase: Obama und Romney vor erstem TV-Duell

US-Wahlkampf geht in die heiße Phase : Obama und Romney vor erstem TV-Duell

Der US-Präsident und sein Herausforderer bereiten sich mit erprobten Sparringspartnern auf den ersten direkten Schlagabtausch im Fernsehstudio vor. Im Mittelpunkt des eineinhalbstündigen Rededuells stehen die Wirtschaftspolitik und die hohe Arbeitslosigkeit in den USA.

Es klingt, als wären die Kontrahenten blutige Anfänger in Sachen Rhetorik. "Gouverneur Romney ist ein guter Debattierer, ich bin gerade mal okay", lässt Barack Obama in seltener Bescheidenheitspose wissen. Nein, nein, Obama sei ein überaus begabter Redner, sagt wiederum Paul Ryan, Mitt Romneys Vize. Tiefstapeln gehört nun mal zum Handwerk, bevor die Rivalen zu einem Wortduell aufeinandertreffen, das die Wahlen zwar nicht entscheiden, wohl aber dem Besseren neuen Schwung auf der Zielgeraden verleihen kann.

Vor der ersten von drei Präsidentschaftsdebatten (Beginn: Donnerstag, 3 Uhr MESZ) haben sich die Protagonisten seit dem Wochenende zurückgezogen, um in Ruhe üben zu können. Romneys Sparringspartner Rob Portman, ein konservativer Senator aus Ohio, spielte bereits im Herbst 2008 bei Trainingsrunden mit John McCain den Part Obamas, offenbar so überzeugend, dass Spötter bereits fragen, wie lange Portman noch Republikaner sein wird.

Kerry in der Romney-Rolle

Im Lager der Demokraten ist es John Kerry, vor acht Jahren selber Bewerber fürs Weiße Haus, der die Romney-Rolle gibt. Der Senator aus Boston beherrscht die Kunst des schnellen, kurzen Satzes. 2004 behielt er in den TV-Diskussionen mit George W. Bush klar die Oberhand, was freilich nichts daran änderte, dass Bush im Weißen Haus blieb.

Überhaupt haben nur selten Debatten das Wählerverhalten so stark beeinflusst, dass sich die Umfragen dramatisch drehten. Einige Male aber doch, immer dann, wenn ein Kandidat selbstgerecht oder unbeholfen oder aber auch nur wenig telegen wirkte.

Bush schaute auf seine Armbanduhr

1992 schaute George Bush senior vor laufenden Kameras ungeduldig auf seine Armbanduhr, als er neben Bill Clinton und dem Texaner Ross Perot auf einem Barhocker saß und aus dem Publikum die Frage kam, wie ihn die Wirtschaftskrise persönlich präge. Interpretiert wurde es als Zeichen der Arroganz eines Mannes, der zwar den Golfkrieg gegen Saddam Hussein gewonnen und den Wandel in Osteuropa diplomatisch geschickt begleitet hatte, aber nicht mehr zu wissen schien, wo seine Landsleute der Schuh drückte.

Arrogant wirkte auch Al Gore während des ersten TV-Duells des Jahres 2000, als er mehrfach und gut hörbar seufzte, wenn Bush junior, gewiss kein Meister des gesprochenen Wortes, antwortete. 1976 leistete sich der damalige Präsident Gerald Ford beim Debattieren mit seinem Herausforderer Jimmy Carter einen Patzer, der an seinem Urteilsvermögen zweifeln ließ. Polen, behauptete er um ein paar Jahre zu früh, stehe nicht länger unter kommunistischer Herrschaft.

Optische Tücken des Fernsehens

Dann sind da noch die optischen Tücken des Mediums Fernsehen, was Richard Nixon bei der ersten Kandidaten-Debatte überhaupt im Herbst 1960 sträflich unterschätzte. In einem Studio in Chicago wirkte der Demokrat John F. Kennedy ausgeschlafen und gut gelaunt, der Republikaner müde und strapaziert. Nicht einmal rasiert hatte sich Nixon, er hatte seine Bartstoppeln nur verdeckt mit einem Puder namens "Lazy Shave".

Das lief ihm in der Hitze der Scheinwerfer die Wangen herunter, was ihn irgendwie gespensterhaft aussehen ließ. "Mein Gott, sie haben ihn einbalsamiert, bevor er gestorben ist", spottete Richard Daley, der Bürgermeister Chicagos. Nixon stand für Erfahrung, er war bereits Vizepräsident. Kennedy, der "Boy Senator" aus Massachusetts, musste noch beweisen, dass er kein politisches Leichtgewicht war. Genau das gelang ihm an diesem Abend.

Verbale Fettnäpfchen

Auch bei Romney/Obama sind es weniger die verbalen Fettnäpfchen, in die man treten könnte. Beide haben zu intensiv geübt, als dass ihnen ein echter Fauxpas unterlaufen könnte. Eher geht es ums Image, um den Versuch, gewisse Vorurteile zu verstärken. Im Falle Obamas lauert das gegnerische Team nur auf die Chance, einen abgehobenen Akademiker zeichnen zu können, der gewundene Antworten gibt und an den Rechtsprofessor denken lässt, der er einmal war.

Romney wiederum lässt bisweilen an einen eiskalten Geschäftsmann denken, der die Sorgen von Durchschnittsamerikanern schlicht nicht versteht und dem es obendrein an emotionaler Intelligenz mangelt.

Hier geht es zur Infostrecke: US-Wahlkampf 2012: Die Themen der TV-Debatten

(RP/nbe)