1. Politik
  2. Ausland
  3. US-Wahl 2020

TV-Interview bei David Letterman: Obama kontert Romneys Wählerschelte

TV-Interview bei David Letterman : Obama kontert Romneys Wählerschelte

Barack Obama gefällt sich in der Rolle des "President Charming". Bestens gelaunt betrat er am Dienstagabend die Bühne der US-Talkshow von David Letterman. Obama hat allen Grund zur Freude. Sein Herausforderer leistet sich reihenweise Patzer und spaltet die Nation. Obama gibt sich als Versöhner.

Die Rede Mitt Romneys auf einer Charity-Gala in Florida könnte das Rennen um das Weiße Haus in Washington entschieden haben. Zumindest ist das die Einschätzung vieler US-Medien. Der republikanische Herausforderer beschimpfte fast die Hälfte der US-Amerikaner als "Schmarotzer" und "Opfer". Barack Obama nahm diese Steilvorlage bereitwillig auf.

In der Talkshow von David Letterman am Dienstagabend präsentierte er sich dem Publikum als bestens gelaunter US-Präsident. Dieses quittierte den smarten Bühnenauftritt gleich mit stehenden Ovationen. Die Gäste strahlten, Letterman strahlte, Obama strahlte. Der US-Präsident hat derzeit auch allen Grund zur Freude.

Romney leistet sich einen Patzer nach dem anderen und Umfragen sehen den Amtsinhaber mit großem Vorsprung. Und so begann das Interview mit dem Sender CBS locker-flockig. Thema: Das Gewicht des Präsidenten. "190 Pfund". Obama strahlte erneut. Ernst wurde es allerdings, als Letterman Romneys heimlich gefilmte Rede und Wähler-Schelte ansprach.

Obama Miene verfinsterte sich sofort. Und doch merkte der Beobachter, dass der Präsident nur darauf zu warten schien, seine Meinung kundzutun. Der Präsident müsse für alle Amerikaner da sein und nicht nur für wenige auserwählte, sagte Obama im Staatstragenden Ton.

Und weiter: "Eine Sache, die ich als Präsident gelernt habe, ist, dass man das ganze Land repräsentiert." Das Publikum jubelt. Er wies die Einschätzung Romneys zurück und erklärte, es gebe nur wenige Menschen in den USA, die sich als Opfer betrachteten. Die Wähler wollten nur sicherstellen, dass der Präsident nicht große Teile des Landes einfach abschreibe.

Romney bemühte sich unterdessen, seine Kommentare als Beweis für die fundamentalen Unterschiede zu Obama darzustellen. Der Herausforderer sagte dem Fernsehsender Fox, er habe keine Wähler abschreiben wollen. Er werde keine Stimmen von Menschen erhalten, die glaubten, dass die Regierung Wohlstand umverteilen müsse. Daran glaube Obama jedoch, erklärte er.

"47 Prozent der Menschen werden für den Präsidenten stimmen, egal was passiert", hatte Romney in dem Video gesagt, dass auf dem Internetportal Youtube hochgeladen worden war. "Sie sind abhängig von der Regierung, glauben, dass sie Opfer sind, dass die Regierung verpflichtet ist, sich um sie zu kümmern, dass sie Anspruch haben auf eine Gesundheitsfürsorge, auf Lebensmittel, Wohnung, was auch immer."

(nbe)