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Republikaner suchen Kandidaten: Noch schlechter als Obama

Republikaner suchen Kandidaten : Noch schlechter als Obama

Das einzige, was US-Präsident Barack Obama noch auf seine Wiederwahl hoffen lässt, ist die Schwäche der politischen Gegner. Der eine kann nicht bis drei zählen, ein anderer kämpft mit einem Sex-Skandal, ein Dritter ist aus Sicht des rechten Flügels genauso ein Sozialist wie Obama. Die Republikaner verzweifeln an ihren Spitzenkandidaten.

Gesundheitsreform, Schuldenkrise, Abstufung der amerikanischen Kreditwürdigkeit, vergiftetes Polit-Klima in Washington: Barack Obama gibt in der letzten Phase seiner ersten Amtszeit reichlich Angriffsfläche für seine Gegner. Aber der erste schwarze Präsident hat derzeit Glück. Denn die Republikaner schaffen es bisher nicht, einen überzeugenden Gegenkandidaten zu präsentieren.

Wahlkampfthema Waterboarding

TV-Debatten gehören zum festen Ritual des US-Wahlkampfs. Im US-Bundestaat South Carolina war es jetzt wieder soweit. Die Spitzenpolitiker der Grand Old Party, wie sich die US-Republikaner nennen, zeigten sich dabei in wichtigen moralischen und außenpolitischen Fragen unentschlossen. Die Kandidaten stritten über das weitere Vorgehen in Afghanistan, einen möglichen Erstschlag gegen den Iran und den Einsatz des Foltermittels "Waterboarding" bei Verhören von Terrorverdächtigen.

Die Kandidaten versuchten vor allem mit dem Thema Iran zu punkten. "Wenn wir Barack Obama wiederwählen, wird der Iran eine Atomwaffe haben. Und wenn Sie Mitt Romney wählen, wird der Iran keine Atomwaffe haben", sagte der frühere Gouverneur von Massachusetts über sich selbst.

Gingrich bleibt nebulös

Seine Widersacher schlagen ruhigere Töne an. Herman Cain sprach sich für stärkeren wirtschaftlichen Druck statt militärischer Mittel aus. Auch der Gouverneur von Texas, Rick Perry, zeigte sich von der Macht wirtschaftlicher Maßnahmen überzeugt: "Dieses Land kann umgehend Sanktionen gegen die iranische Zentralbank verhängen und die Wirtschaft des Landes lahmlegen."

Newt Gingrich hingegen antwortete nebulös. Wenn alle Versuche scheiterten, "muss man alle notwendigen Schritte tun", damit der Iran nicht in den Besitz einer Atomwaffe gelange. "Es gibt einige Möglichkeiten, im Bezug auf den Iran klug zu handeln, und ein paar, töricht zu handeln. Die Regierung hat alle Möglichkeiten, schlau zu handeln, ausgelassen", sagte er. Für viele Amerikaner ein typischer Gingrich, der als politisch zu unentschlossen gilt.

Aus dem Rennen verabschiedet

Mitt Romney und Hermann Cain führen Umfragen zufolge das Bewerberfeld an. Newt Gingrich, der frühere Präsident des Repräsentantenhauses und Ex-Widersacher von Bill Clinton, holt inzwischen auf. Andere aussichtsreiche Kandidaten sind derzeit nicht in Sicht.

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In den vergangenen Monaten waren zahlreiche andere Kandidaten mit Pauken und Trompeten gescheitert. Die umstrittene Rechtskonservative Sarah Palin erklärte freiwillig ihren Verzicht. Die ehemalige Hoffnungsträgerin Michele Bachmann ist nach zahlreichen Pannen in Umfragen weit zurückgefallen. Bachmanns Tiefpunkt: Sie behauptete, sie stamme aus demselben Ort Waterloo wie John Wayne, dessen "Geist" sie teile. Beim so Gelobten handelte es sich aber nicht um John Wayne, den Westernhelden, sondern um John Wayne Gacy, den Massenmörder.

Perry kann nicht bis drei zählen

Der zwischenzeitlich gut im Rennen liegende Rick Perry leistete in einem anderen TV-Duell eine folgenschwere Panne. Der Gouverneur von Texas kündigte an, nach seiner Wahl gleich drei Behörden abzuschaffen. Die dritte fiel ihm aber leider nicht mehr ein: "Ich würde das Bildungsministerium abschaffen, das Handels- und ... das dritte kann ich nicht", sagte der 61-Jährige während eine Livesendung und kommentierte seine Fehlleistung mit einem "Ooops!"

Auch Herman Cain sieht seine Chancen schwinden. Mittlerweile werfen vier Frauen Herman Cain sexuelle Belästigung vor. Um seine Unschuld zu beweisen, will der Republikaner einen öffentlichen Lügendetektor-Test ablegen. Inzwischen muss dem Politiker sogar seine Frau öffentlich zur Seite springen. Gloria Cain sagte "Fox News", ihr Mann respektiere Frauen voll und ganz. "Um die Dinge zu tun, die ihm vorgeworfen werden, müsste er eine gespaltene Persönlichkeit haben."

Bliebe Mitt Romney. Doch auch der Mann aus Massachusetts hat ein Problem. Vielen konservativen Amerikanern ist er nicht kernig genug. In der Vergangenheit hatte sich Romney für mehr Klimaschutz, mehr Rechte für Schwule und Reformen bei der Gesundheitsreform ausgesprochen. Für rechte Amerikaner beinahe sozialistische Forderungen. Dass Romney in einem Wahlkampf gegen Obama die republikanische Basis mobilisieren kann, wird derzeit von vielen Beobachtern bezweifelt.

Sorgen um seine Wiederwahl, so scheint es, muss sich Obama jedenfalls nicht machen.

(pst/das/rm)