Newt Gingrich - plötzlich ein Mann fürs Weiße Haus Ein Totgesagter wird zum Favoriten

Washington · Nachdem Herman Cain sich zurückgezogen hat, bleiben den Republikanern nur noch zwei Kandidaten mit reellen Chancen auf die Präsidentschaftskandidatur. Einer von den beiden gilt den Konservativen als Waschlappen. Im Moment spricht alles für den alten, aber auch schwierigen Haudegen Newt Gingrich.

Bei den Republikanern läuft es auf ein Duell hinaus. Auf der einen Seite: Mitt Romney, der Multi-Millionär und Unternehmer, den die konservativen Republikaner einen Wendehals schimpfen und einen "Rino", ein "Republican in name only".

Auf der anderen Seite steht Newt Gingrich, 68 Jahre alt. Der frühere Sprecher des US-Repräsentantenhauses galt bis vor wenigen Wochen als Politiker von gestern. Ernst genommen hat ihn kaum einer. Seine Präsidentschaftskandidatur galt vielen als eine Art Scherz oder bestenfalls geschickte PR-Kampagne für sein neues Buch.

Die Konkurrenz gibt ein erbärmliches Bild ab

Als zu Beginn seiner Kampagne sogar zahlreiche enge Mitarbeiter das Handtuch warfen, weil sie es mit dem schwierigen Gingrich nicht mehr aushielten, schien das mit der US-Präsidentschaft endgültig aus und vorbei zu sein. Doch selbst Außenseiter pflegen eine Chance zu haben, wenn die Konkurrenz so erbärmlich schwach ist wie Gingrichs innerparteiliche Rivalen.

Das jüngste und wohl beste Beispiel dafür lieferte am Wochenende Herman Cain. Er strich nach nicht endenwollenden Vorwürfen wegen sexuellen Fehlverhaltens endgültig die Segel. Der 65-jährige ehemalige Chef einer Pizza-Kette galt trotz seiner zuletzt einbrechenden Umfragewerte als potenziell härtester Konkurrent von Gingrich. Denn beide gelten als knochenharte Konservative.

Am 3. Januar wird es ernst

Cain ließ offen, wen aus dem verbliebenen Bewerberfeld er empfehlen würde. Einer gemeinsamen Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters und des Meinungsforschungsinstituts Ipsos zufolge dürften Gingrich und Romney am meisten vom Ausscheiden Cains profitieren.

Ernst wird es am 3. Januar endgültig beim so genannten Caucus in Iowa. Dieser eröffnet den Vorwahl-Reigen, bei dem die Republikaner den Kandidaten finden wollen, mit dem sie Obama bei der Präsidentschaftswahl im kommenden November das Weiße Haus abjagen. Die am Samstag veröffentlichte jüngste Umfrage der Tageszeitung "The Des Moines Register" sieht Gingrich in Iowa deutlich in Führung. Für den ehemaligen Präsidenten des US-Repräsentantenhauses entschieden sich 25 Prozent der befragten Republikaner, die an der Abstimmung teilnehmen wollen.

Ende Oktober waren es nur sieben Prozent gewesen. Die Urwahl in Iowa gilt zwar nicht als vorentscheidend, aber doch als richtungsweisend. 2008 wurde sie bei den Demokraten von dem bis dahin kaum bekannten damaligen Senator Barack Obama gewonnen. Bei den Republikanern siegte Mike Huckabee, der später aber John McCain weichen musste. Der "Des Moines Register" hatte den Ausgang für Iowa korrekt vorausgesagt.

Romney setzt auf die Vorwahlen in New Hampshire

Hinter Gingrich folgten in der Umfrage der texanische Abgeordnete Ron Paul mit 18 Prozent. Zwei Punkte dahinter lag Romney. Der frühere Gouverneur von Massachusetts kann sich allerdings Hoffnungen machen, nur eine Woche nach der Abstimmung in Iowa im Neuengland-Staat New Hampshire zu triumphieren.

Dort schwärmte am Wochenende ein Herr Freiwilliger aus, um direkt bei den Wählern für den Mormonen zu werben. Mehr als 200.000 der insgesamt 1,3 Millionen Einwohner von New Hampshire seien zudem von seinen Helfern bereits telefonisch kontaktiert worden, sagte Romney.

Er muss vor allem bei den erzkonservativen Republikanern Boden gutmachen, denen er als zu liberal gilt. Bei einem Auftritt in New Hampshire gab er sich jedoch zuversichtlich, auch die Anhänger der Tea-Party-Bewegung von sich überzeugen zu können. Gingrich sei in Ordnung, habe aber viel Zeit in Washington verbracht. "Das kommt bei der Tea Party nicht gerade gut an."

(REU)