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Donald Trump holt politische Außenseiter auf die Bühne

Parteitag der Republikaner : Trump holt politische Außenseiter auf die Bühne

Donald Trump zeigt sich immer wieder tolerant gegenüber Vorschwörungstheoretikern und der extremen Rechten. Das spiegelt sich auch in der Rednerliste für den republikanischen Parteitag wieder. Eine Aktivistin wurde allerdings kurzfristig ausgeladen.

Dass sich Donald Trump am rechten Rand wohlfühlt, hat seine Partei am Dienstag zu einer unbequemen Entscheidung gezwungen. In letzter Minute strichen die Republikaner eine Videoansprache der als „Angel Mom“ bekannten Mary Ann Mendoza von ihrem Parteitagsprogramm. Sie hatte vorher eine Reihe von antisemitischen Verschwörungsbotschaften an ihre Twitter-Follower weiterverbreitet. Die Tweets wurden inzwischen zwar gelöscht und Mendoza bat im Entschuldigung. Den Republikanern dürfte wohl trotzdem ein Image-Schaden bleiben.

US-Präsident Donald Trump hat sich als tolerant gegenüber Verschwörungstheoretikern und politisch rechts eingestellten Menschen erwiesen, die auf seiner Seite stehen. Zuletzt äußerte er sich beispielsweise positiv über Anhänger der Verschwörungstheorie „QAnon“: „Ich habe gehört, dass das Leute sind, die unser Land lieben.“

Auch Mendoza hatte Tweets geteilt, die sich auf die Kostenpflichtiger Inhalt haltlose „QAnon“-Theorie beziehen. Der Theorie nach soll es einen anonymen, hochrangigen und als „Q“ bekannten Regierungsvertreter geben, der Informationen über einen „Deep State“ gegen Trump teilt. Der „Deep State“, also ein Schattenstaat im Staat, wird dabei oftmals mit Satanismus und der sexuellen Ausbeutung von Kindern in Verbindung gebracht. Laut der Nachrichten-Webseite Daily Beast teilte Mendoza Tweets eines „QAnon“-Anhängers, die antisemitisch waren, eine zusammenhangslose Theorie über den Anschlag auf Präsident John F. Kennedy beinhalteten sowie die Behauptung, der 1912 gesunkene Luxusdampfer „Titanic“ sei versenkt worden, um Gegner der US-Notenbank zu töten.

Sie selbst erklärte, sie habe einen sehr langen Thread retweetet, ohne jeden Post darin gelesen zu haben. Die Inhalte spiegelten ihre Haltung in keiner Weise wider. Eigentlich wollte sie in ihrer Ansprache beim Parteitag Trumps Kampf gegen illegale Einwanderung würdigen. Mendozas Sohn wurde 2014 bei einer Frontalzusammenstoß mit einem alkoholisierten Autofahrer getötet, der sich illegal in den USA aufhielt. Als „Angel Moms“ engagiert sie sich zusammen mit anderen Eltern, deren Kinder von illegal im Land lebenden Menschen getötet wurden. Sie sind bereits häufig Einladungen ins Weiße Haus oder zu Wahlkampfevents von Trump gefolgt.

Wahlkampfsprecher Tim Murtagh sagte, Mendozas Videoansprache werde in dieser Woche beim Parteitag nicht gezeigt. Die Lobbygruppe Republikanische Jüdische Koalition begrüßte die Entscheidung. Mendozas Ansichten disqualifizierten sie eindeutig, eine Rede beim Parteitag zuhalten, sagte der Direktor des Verbands, Matt Brooks. „Wir sind erfreut, dass die Verantwortlichen beim Parteitag schnell gehandelt haben, um sicherzustellen, dass der Parteitag das widerspiegelt, was wir sind und unsere Werte als Partei.“

Die Republikaner werfen den Medien vor, den Präsidenten an höheren Maßstaben zu messen als seine politischen Gegner. Beim Parteitag der Demokraten sei Linda Sarsour aufgetreten, bemerkten manche. Gegen die Aktivistin stehen Vorwürfe des Antisemitismus im Raum.

Eine andere umstrittene Rednerin strichen die Republikaner derweil nicht von der Redeliste: die Abtreibungsgegnerin Abby Johnson. In ihrer Ansprache erzählte sie von ihrer Abkehr von Planned Parenthood, einer US-Organisation, die Abtreibungen anbietet. In der Vergangenheit sorgte sie unter anderem für Aufsehen, als sie sich für eine „Haushalts-Stimme“ bei Wahlen aussprach und erklärte, in einem „gottesfürchtigen Haushalt“ sollten sich Frauen bei politischen Entscheidungen den Ansichten ihrer Ehemänner beugen. Im Juni sagte sie in einem YouTube-Video, sie sei einverstanden, wenn Polizisten ihren adoptierten schwarzen Sohn lediglich aufgrund seiner Hautfarbe kontrollierten. Statistisch gesehen sei es wahrscheinlicher, dass ihr schwarzer Sohn ein Verbrechen begehe als ihre weißen Söhne.

Außerdem gab eine umstrittene Republikanerin aus dem US-Staat Georgia am Dienstag bekannt, sie sei zu Trumps Rede am Donnerstag eingeladen, wenn er die offizielle Nominierung seiner Partei als Präsidentschaftskandidat annehmen wird. Trump hatte Marjorie Taylor Greene diesen Monat als „künftigen republikanischen Star“ gepriesen, als sie eine Vorwahl der Partei gewann und nun für einen Sitz im US-Repräsentantenhaus kandidiert. Greene hat die „QAnon“-Verschwörungstheorie lange unterstützt und außerdem rassistische, antisemitische und islamophobe Kommentare von sich gegeben.

Hier geht es zur Bilderstrecke: So lief der Parteitag der US-Republikaner

(jco/dpa)