Diese Demokraten wollen gegen Trump antreten

US-Präsidentschaftwahl : Radikal oder gemäßigt - welcher dieser Demokraten tritt gegen Trump an?

Im November 2020 entscheiden die Amerikaner darüber, ob Donald Trump im Weißen Haus bleiben darf oder aber dort ausziehen muss. Die Demokraten brennen darauf, ihn nach nur vier Jahren im Amt abzulösen. Aber wer steigt in den Ring? Ein Überblick.

Der Erfolg bei den Kongresswahlen hat ihnen Wind in die Segel geblasen. Die Frage ist, welche Denkschule sich in der Vorrunde, im Laufe der innerparteilichen Vorwahlen, durchsetzen wird, bevor es ins Finale gegen Trump geht. Die linke steht für grundsätzliche Systemkritik, die moderate betont den Brückenbau über breite Gräben hinweg, um die Polarisierung im Land zu überwinden, zumindest zu lindern. So gesehen ist der Kandidatenwettstreit auch ein Richtungsstreit.

Den besten Start hat Kamala Harris erwischt, eine Senatorin aus Kalifornien. Als sie in ihrer Heimatstadt Oakland ihre Kandidatur bekannt gab, kamen dreißigtausend Menschen, um ihr zuzujubeln. Ein wenig fühlte man sich da an Barack Obama erinnert, den Senkrechtstarter, der einst eine Welle der Euphorie ins Rollen brachte. Was Harris, 54, mit Obama verbindet, ist eine außergewöhnliche Biografie. Ihr Vater, ein Ökonomieprofessor, stammt aus Jamaika. Ihre Mutter, eine auf Brustkrebs spezialisierte Ärztin, wurde in Indien geboren. Die High School besuchte sie in Kanada, in Montreal, wo die Mutter eine Zeit lang lehrte.

Von 2004 bis 2010 war sie Bezirksstaatsanwältin von San Francisco, danach Justizministerin Kaliforniens, die erste Frau überhaupt auf diesem Posten, ehe sie 2017 ihr Amt als US-Senatorin antrat. Im Laufe ihrer Juristenkarriere plädierte sie unter anderem für ein Gesetz, nach dessen Paragrafen die Eltern chronischer Schulschwänzer mit bis zu zwölf Monaten Gefängnis bestraft werden konnten. Ihre damalige Härte könnte sie noch in Erklärungsnot bringen in einer Partei, deren Basis in den Küstenmetropolen am Atlantik und Pazifik deutlich nach links gerückt ist.

Elizabeth Warren ist mit 69 Jahren momentan die Älteste des Bewerberfelds. Die Senatorin gehört zur Generation Hillary Clintons, damit hören die Gemeinsamkeiten aber auch schon auf. Während sich Clinton Auftritte vor Bankern fürstlich bezahlen ließ, geht Warren mit der Wall Street hart ins Gericht. Trump abzuwählen, sagt sie, wäre nur der erste Schritt, um ein System zu korrigieren, das nur noch den Reichen nütze. „Warum dies so ist? Weil Milliardäre und Konzerne entschieden haben, dass sie mehr vom Kuchen wollen. Und weil sie Politiker damit beauftragt haben, ihnen ein größeres Stück vom Kuchen abzuschneiden.“ In einem ersten Schritt verlangt Warren die Einführung einer Vermögenssteuer: zwei Prozent bei Vermögen von über 50 Millionen, drei Prozent bei solchen von mehr als einer Milliarde Dollar.

Aufgewachsen in einfachen Verhältnissen in Oklahoma, lehrte sie ab 1995 an der prestigeträchtigen Universität Harvard, wo sie sich als Spezialistin für Insolvenzrecht einen Namen machte. Als noch vor der Finanzkrise die Immobilienpreisblase platzte und etliche Familien ihr Dach überm Kopf verloren, nachdem man ihnen windige Subprime-Hypotheken aufgeschwatzt hatte, machte sie sich mit einprägsamen Vergleichen für einen besseren Verbraucherschutz stark. Für jeden Toaster gebe es präzise Sicherheitsvorschriften, nicht aber für potenziell folgenschwere Kreditverträge – ein Unding. Problematisch könnte für Warren noch werden, dass sie, auf Kriegsfuß mit inzwischen erwiesenen Fakten, lange den Anschein erweckte, als stamme sie direkt von Cherokee-Indianern ab. Trump verspottet sie daher als Pocahontas, in Anspielung auf eine legendenumwobene Häuptlingstochter des 17. Jahrhunderts.

Cory Booker, 49, profiliert sich als Mann der Mitte. In der Rolle des Mahners ruft er dazu auf, zu einem zivilen Debattenton zurückzukehren, zu staatsbürgerlichem Anstand, wie er es formuliert. Bevor er 2013 im US-Senat einzog, einer der wenigen Afroamerikaner der Kammer, war er Bürgermeister von Newark, einer Industriestadt im Niedergang. 2006 wurde er dort an die Rathausspitze gewählt, ein Reformer, der alten Seilschaften die Stirn bot. Noch heute lebt er in Newark, vor den Toren New Yorks, in einem vergleichsweise bescheidenen Domizil. Er sei der einzige Senator, der am Ende der Arbeitswoche zurückkehre in ein Problemviertel mit niedrigem Durchschnittseinkommen, betont er.

Studiert hat der Sohn zweier IBM-Manager an Eliteschmieden, in Stanford, Yale und Oxford. Statt in der Geschäftswelt Karriere zu machen, wählte er den seiner Ansicht nach härteren Weg. Öffentliche Ämter. Als Obama seinen Rivalen Mitt Romney in der Hitze des Wahlgefechts 2012 auf eine Art turbokapitalistische Heuschrecke reduzierte, warnte Booker vor allzu simplen Karikaturen: Ihm sei nicht wohl bei solchen persönlichen Angriffen.

Amy Klobuchar, 58, versucht sich als Stimme des Mittleren Westens zu profilieren, was im amerikanischen Kontext bedeutet, pragmatisch Lösungen anzubieten, statt auf der reinen Lehre zu beharren. Seit zwölf Jahren vertritt die ehemalige Staatsanwältin den Bundesstaat Minnesota im Senat zu Washington, ohne dass sie bislang durch fulminante Reden aufgefallen wäre. Ihre Stärke, so Klobuchar, sei die zielorientierte Sacharbeit, das geduldige Feilen am Detail, was Kompromisse mit den Republikanern logischerweise einschließe. Die Appelle zur Kooperation sollen ihr helfen, bei Wählern zu punkten, die 2016 zu Trump überliefen, nicht zuletzt bei der weißen Arbeiterschaft im Rostgürtel des Mittleren Westens. Wenn linke Parteifreunde die Auflösung der Einwanderungsbehörde ICE verlangen, einer Behörde, deren Beamte Migranten ohne Aufenthaltsgenehmigung aufspüren und abschieben, meldet sie Widerspruch an. Auf einen Kontrollapparat wie ICE könne man nicht verzichten: „Wir sind ein großes Land mit langen Grenzen“.

Julián Castro, 44, charakterisiert sich selber als Gegenmittel zu Trump. Sein Familienhintergrund, betont er, sei allein schon ein Beleg für die wahre Stärke der Vereinigten Staaten: offen zu sein für Einwanderer, auch und gerade für Menschen, die vor der Armut fliehen. Seine Großmutter Victoria kam aus Mexiko über die Grenze nach San Antonio, heute eine pulsierende Millionenstadt im Süden von Texas. Nach vier Klassen brach sie die Schule ab, um als Köchin in den Häusern wohlhabender Leute Geld zu verdienen. Victorias Tochter Rosie schloss sich La Raza Unida an, der Bürgerrechtspartei der Chicanos, der US-Amerikaner mexikanischer Herkunft. Rosies Sohn Julián dann studierte an Ivy-League-Universitäten, Politik in Stanford und Jura in Harvard. Mit 26 wurde er in die Gemeindeverwaltung, mit 34 zum Bürgermeister San Antonios gewählt. Mit 39 zog er als jüngster Minister im Kabinett Obamas ein, verantwortlich für Wohnungsbau und Stadtentwicklung.

Vorerst nur als Außenseiter im Rennen sind Pete Buttigieg, John Delaney, Tulsi Gabbard, Kirsten Gillibrand und Andrew Yang. Buttigieg, ein 37-jähriger Veteran des Afghanistankrieges, der sich offen zu seiner Homosexualität bekennt, versteht sich als Sprecher der Millennials, der zwischen den frühen Achtzigern und der Jahrhundertwende Geborenen. Seine Generation habe lernen müssen, mit Schießereien an Schulen zu leben, sie habe nach den Terrorangriffen des 11. September 2001 die Kriege in der Ferne führen müssen, „und wenn sich nichts ändert, sind wir die Generation, die erstmals weniger verdient als ihre Eltern“. Als junger Bürgermeister von South Bend, einer Industriestadt in Indiana, zeigte er, dass er auch im „Trump Country“ Wahlen zu gewinnen vermag. Delaney, Unternehmer und ehemals Kongressabgeordneter, meldete seine Bewerbung bereits vor anderthalb Jahren an - der Inbegriff des Marathonläufers. Gabbard sitzt für den Inselstaat Hawaii im Repräsentantenhaus. Vor Jahren mit der Nationalgarde in den Irak beordert, gilt sie als entschiedene Gegnerin militärischer Interventionen. Gillibrand, Senatorin aus New York, gehört zu den schärfsten Kritikern des Präsidenten: Der Mann hätte längst zurücktreten müssen, weil er Frauen sexuell belästigt habe. Yang, Hightech-Unternehmer mit taiwanesischen Wurzeln, plädiert für ein staatsfinanziertes Grundeinkommen, pro Monat tausend Dollar. Da die Automatisierung voranschreite, argumentiert er, gebe es tendenziell immer weniger Arbeitsplätze.

Offen bleibt, ob auch Joe Biden, Ex-Senator und Ex-Vizepräsident, in den Ring steigt. Der 76-Jährige, der sich gern auf seine Wurzeln im Malochermilieu Pennsylvanias beruft, wäre in den Augen seiner Anhänger der richtige Mann, wenn es allein darum ginge, jene Arbeiter zurückzugewinnen, die Trump mit seiner Anti-Globalisierungs-Rhetorik für sich einzunehmen verstand.

Auch Bernie Sanders, 2016 überraschend stark im Zweikampf mit Hillary Clinton, wird noch als möglicher Kandidat gehandelt.

Beto O’Rourke schließlich, ein charismatischer Politiker aus der texanischen Grenzstadt El Paso, würde auf Anhieb zum Favoritenkreis zählen, sollte er tatsächlich antreten. Im Herbst zog er im Senatsduell gegen den Republikaner Ted Cruz nur knapp den Kürzeren - ein Achtungserfolg im mehrheitlich konservativen Texas. Ähnlich wie seinerzeit Obama steht der brillante Redner für den Aufbruch zu neuen Ufern, zumindest für die Hoffnung darauf. Was ihn beschäftige, sagte er neulich im Gespräch mit der Talkshow-Königin Oprah Winfrey, sei die Frage, wie sich eine tief gespaltene Nation einen lasse.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das sind die möglichen Kandidaten für die US-Präsidentschaftswahl 2020

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