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Republikaner zum Obama-Herausforderer gekürt: Die gelungene Romney-Show

Republikaner zum Obama-Herausforderer gekürt : Die gelungene Romney-Show

Lange hat Mitt Romney auf diesen Moment warten müssen, doch nun ist er endlich offiziell Präsidentschaftskandidat der US-Republikaner. Beim Parteitag in Tampa ist es vor allem seine Frau, die ihn als den Mann für das Weiße Haus preist. Denn er selbst bleibt auch jetzt noch für viele Wähler undurchsichtig. Eine Analyse.

Sie strahlt über das ganze Gesicht, als sie die Bühne betritt: Ann Romney, Ehefrau des nun offiziellen Kandidaten der Republikaner und schon eine halbe Ewigkeit an seiner Seite. Ihr Kleid ist signalrot, ihre Worte voller Liebe. Es ist die perfekte Inszenierung, um der Basis ihren Ehemann nahe zu bringen.

Denn Romney, der oft hölzern wirkt, hatte mit der ein oder anderen Panne im US-Vorwahlkampf nicht immer punkten können. Und so haben seine PR-Strategen ganz bewusst auf seine Frau gesetzt. Romney selbst wird erst zum Ende des Parteitags, am Donnerstagabend, zu der Parteibasis sprechen.

Weiblicher Charme, das haben schließlich auch die Obamas gezeigt, kann durchaus Wunder wirken im US-Wahlkampf. Was hatten die Amerikaner Barack und Michelle Obama bewundert für ihren Stil, ihre Liebe zueinander, die sie immer und überall gern zeigten. Und so setzt auch Romneys Team ein wenig auf diesen Punkt.

"Er wird nicht versagen"

Ann beschreibt ihren Mann als jemanden, der härter arbeitet als alle andere, "niemand wird sich mehr kümmern". "Ihr könnt Mitt vertrauen", ruft sie den Delegierten entgegen. "Er ist der Mann, den Amerika braucht. Er wird nicht versagen." Als warmherzig und und liebevoll versucht sie ihn darzustellen. Und wem mag das besser gelingen als der Frau, die ihn bereits mit 15 Jahren kennenlernte und seither an seiner Seite weilt.

Ein warmherziger Romney — dieses Bild ihres Kandidaten ist es, das vielen Repulikanern noch fehlt. Denn das er die wirtschaftlichen Probleme des Landes besser lösen könnte als Obama, daran glauben sie schon. Nicht nur deshalb liefern sich Obama und Romney in den Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Doch ist er auch der Mann, der dieses Land wirklich führen kann?

In Tampa jedenfalls wurde alles dafür getan, um das Rätsel Romney ein wenig zu lüften. Das Wahlprogramm wird verabschiedet, in dem unter anderem steht, die USA seien für "Frieden durch Stärke". Auch das Recht auf Tragen von Waffen wird bekräftigt, was nach dem Amoklauf von Denver umstrittener war denn je. Klare inhaltliche Linien sind es also auch, die in den Tagen des Parteitages festgezurrt werden.

Wechselnde politische Positionen

Denn Romney soll auch nicht als jener Mann rüberkommen, der einst seine Positionen wechselte. So hatte er etwa als Gouverneur des liberalen Massachusetts moderate Positionen in Bezug auf die Themen Abtreibung und Homosexuellenrechte eingenommen.

Jetzt präsentiert er sich als konservativer Hardliner — sicherlich auch, um sich die Unterstützung der Tea-Party-Anhänger zu sichern. Doch bei manch anderem dürften diese inhaltlichen Wandlungen Skepsis ausgelöst haben. Ähnlich verhielt er sich nämlich auch bei der Klima- und Gesundheitspolitik.

Das soll nun alles anders werden: ein Wahlprogramm, das voll auf konservative Linie gezimmert ist, und eine Ehefrau, die ihren Gatten in bestem Licht erscheinen lässt. Und ein PR-Team, dass auch auf Romneys eher unbekannte Seite hinweist: Einen Mann, der sich innerhalb der Mormonen-Kirche sozial engagiert, sogar einen Teil seines Einkommens spendete. Ein Multi-Millionär zwar, so die Botschaft, doch mit einem sozialen Gewissen.

Die Strategen jedenfalls dürften nach den ersten Tagen von Tampa zufrieden sein. Der Sturm Isaac ist vorübergezogen, und Ann Romney hat ihre Rolle beispielhaft ausgefüllt, die Massen haben gejubelt nach Romneys Nominierung. Dass es am Rande Unmut in Bezug auf die Änderungen der Parteistatuten gab und Proteste gegen Romney, spielt da eher eine Nebenrolle. Nun gilt es für den Kandidaten selbst, auch die letzten Zweifler zu überzeugen: in seiner Rede am Donnerstagabend. Und so mancher seiner Berater dürfte sich schon jetzt wünschen, dass ihm dann nicht wieder ein Patzer unterläuft.

mit Agenturmaterial

Hier geht es zur Bilderstrecke: US-Wahlen 2012: Romney zum Obama-Herausforderer ernannt

(das)