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Wenn Obama Präsident wird...: "Die Deutschen werden sich noch wundern"

Wenn Obama Präsident wird... : "Die Deutschen werden sich noch wundern"

Berlin (RPO). Bei der Mehrheit der Deutschen ist der Demokrat Barack Obama beliebt. Nach seiner ersten außenpolitischen Standortbestimmung wird aber deutlich: Ein künftiger US-Präsident Obama würde Deutschland einiges abverlangen. In erster Linie militärisch. Deutschland soll seine Truppenstärke am Hindukusch wahrscheinlich verdoppeln.

Nach der außenpolitischen Standortbestimmung, die Obama vorgenommen hat, war am Mittwoch aus militärischen Kreisen in Washington zu erfahren, dass wegen der prekären Lage in Afghanistan "unter Umständen" von der Bundeswehr eine Aufstockung ihrer Truppenstärke am Hindukusch "auf rund 9000 Mann erwartet werden dürfte".

Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) will zunächst im Oktober den Bundestag bitten, mit einem neuen Mandat die Stärke der Bundeswehr in Afghanistan von jetzt 3500 auf 4500 Mann zu erhöhen. Ein US-General sagte einer in Washington unter der Hand: "Die Deutschen, aber auch alle europäischen Verbündeten, werden sich noch wundern". Sie müssten insgesamt in Afghanistan, das jetzt als der "gefährlichste Krisenherd" in der Welt eingeschätzt wird, "wesentlich mehr leisten".

Wohl keine Details bei Berlin-Besuch

Es wird nicht erwartet, dass Obama bei seinem Besuch am Donnerstag nächster Woche in Berlin schon die Katze aus dem Sack lässt. Offiziere der Bundeswehr machten darauf aufmerksam, dass die in Washington kursierenden Pläne von Obama die deutschen Streitkräfte "schwer in die Bredouille bringen könnten". Die Bundeswehr habe sich im Zuge der Transformation, der Umstrukturierung vor vier Jahren, stark verändert. Sie habe dabei Kapazitäten eingebüßt. Vom Verteidigungsministerium wird das offiziell bestritten.

Wenn die Bundeswehr den Vorstellungen von Obama nachkommen müsste, werde "schwer an ihrer Durchhaltefähigkeit gearbeitet werden müssen", erläuterten Offiziere in Berlin. So müsste auf jeden Fall die augenblickliche Einsatzdauer, die "Stehzeit", von deutschen Soldaten in Afghanistan von vier Monaten auf ein halbes Jahr verlängert werden. Auch müssten die Strukturen der Streitkräfte verändert werden. Das Hauptproblem bestehe darin, dass es nicht genügend eigentliche Kampfverbände gebe. "Die Leute für ganz vorn am Gegner fehlen uns", berichtete ein Heeresoffizier.

Gegenwärtig stehen am Hindukusch 70.000 alliierte Soldaten. Nach Einschätzung von amerikanischen Militärexperten wären etwa 200.000 Soldaten nötig, um in Afghanistan wirklich stabile Verhältnisse herbeizuführen. US-Präsidentschaftskandidat Obama hat keinen Zweifel daran gelassen, dass er nach den Fortschritten im Irak das militärische Engagement seines Landes im Zweistromland zugunsten einer Aufstockung der Truppenzahl in Afghanistan schmälern will.

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Auch John McCain stellt neue Forderungen

Nach Aussagen von US-Geheimdiensten sind offenbar bereits in aller Stille amerikanische Soldaten vom Irak nach Afghanistan verlegt worden. Auch Obamas republikanischer Rivale John McCain hat im Fall seines Wahlsieges eine "umfassende neue Strategie" für Afghanistan angekündigt. Obama hat schon erklärt, er wolle zwei Kampfbrigaden vom Irak nach Afghanistan schicken. McCain will sogar drei Brigaden entsenden. Er betonte, die Situation in Afghanistan sei "ein Problem für die Welt". Die Kosten für den Kampf gegen die Taliban müssten "richtig unter den Verbündeten geteilt werden".

Der noch amtierende Präsident George W. Bush hatte in einer Lageeinschätzung unterstrichen, dass die Gewalt in Afghanistan jetzt ein größeres Ausmaß mit steigenden Opferzahlen erreicht habe als es im Irak der Fall ist. Die USA sehen die durchlässige Grenze zwischen Pakistan und Afghanistan als eines der Hauptprobleme im Kampf gegen den islamistischen Terror an. Die Taliban und die Kämpfer der Al-Qaida haben in Pakistan ihre Schlupfwinkel, aus denen sie ständig nach Afghanistan einfallen.

Mehrfach haben in letzter Zeit US-Drohnen, also kleine unbemannte Flugzeuge, insbesondere Anführer der Islamisten in Pakistan getötet. In Washington wird kein Hehl daraus gemacht, dass auch US-Bodentruppen auf pakistanisches Terrain vorrücken könnten, um gegen die Taliban vorzugehen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Barack Obama - Hoffnungsträger der Demokraten

(afp)