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US-Republikaner Rick Santorum: Der Mann im Pullunder quält Favorit Romney

US-Republikaner Rick Santorum : Der Mann im Pullunder quält Favorit Romney

Bei der Kandidatenkür der US-Republikaner zeichnet sich kein Ende ab. Zwar konnte der Favorit Mitt Romney die wichtige Abstimmung in Ohio knapp für sich entscheiden. Rick Santorum denkt nach seinen Erfolgen in kleineren Bundesstaaten aber nicht daran, aus dem Rennen auszuscheiden. Der Ultra-Konservative spielt damit den Demokraten von Präsident Barack Obama in die Hände.

Ein gewisser Hang zum Drama ist bei den US-Republikanern im Wahljahr 2012 unverkennbar. Bei der wichtigsten der zehn Vorwahlen am "Super-Dienstag" in Ohio zitterte die Partei bis nach Mitternacht, ehe der knappe Sieg von Mitt Romney über Rick Santorum feststand. Bereits beim Vorwahl-Auftakt Anfang Januar in Iowa hatten die beiden Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur die Hauptrollen in einem Wahlkrimi gespielt, den damals Santorum erst nach einer Neuauszählung für sich entschied.

Beide halten Siegesreden

Romney und Santorum geben sich weiter siegessicher. Beide lieferten am Dienstag ihre Siegesreden ab, noch bevor sie den Ausgang in Ohio kannten. Der frühere Gouverneur von Massachusetts und der ultrakonservative Ex-Senator standen dabei vor der üblichen Kulisse frenetisch jubelnder Anhängern, die mit Schildern wedelten und die Namen ihrer Lieblingsbewerber in Sprechchören skandierten. Diese Bilder sollten deutlich machen: Die Anhänger stehen fest hinter ihren Kandidaten.

Santorum hatte sich in einer High School-Turnhalle im Osten Ohios postiert. "Heute Nacht steht fest: Wir haben entgegen allen Erwartungen Rennen über das ganze Land verteilt gewinnen können", rief der Ex-Senator, der sich nach mehreren Vorwahl-Niederlagen in Folge zurückmeldete. Eigentlich galt Rick Santorum im Vorwahlrennen der Republikaner als chancenloser Außenseiter.

Er wurde belächelt, bekam kaum Wahlkampfspenden, seine politische Karriere schien längst vorbei. Doch der 53 Jahre alte Ex-Senator aus Pennsylvania hat sich in seiner Partei zum Führer der Konservativen aufgeschwungen - und dem vergleichsweise moderaten Favoriten Mitt Romney einen unerwarteten Zweikampf um die Präsidentschaftskandidatur aufgezwungen.

Santorum will Schwulenehe verbieten

Als Bewerber ums Weiße Haus versucht Santorum zu verkörpern, wonach sich die rechte Parteibasis sehnt. Eine Identifikationsfigur, die konservative Werte, Religiosität und Amerikas Führungsanspruch in der Welt hoch hält. Die Schwulenehe will er per Verfassung verbieten, die Evolutionstheorie stellt er öffentlich infrage.

Wissenschaftliche Erkenntnisse zur globalen Erwärmung nennt er absurd. Ginge es nach ihm, wären Abtreibungen auch bei Vergewaltigungen und Inzest tabu. Auch in außenpolitischen Fragen greift er zu harter Rhetorik: Im Atomstreit mit Iran etwa fordert er einen Kriegseinsatz.

Unerschrocken setzt der Katholik seine Religiosität im Wahlkampf ein, wettert gegen Sex vor der Ehe und gegen die strikte Trennung von Staat und Kirche. Führende Evangelikale haben ihn deshalb geschlossen als ihren Kandidaten gekürt. Doch nicht allein seine mitunter radikalen Ansichten sind die Markenzeichen des Rechtsanwalts und Volkswirts.

Er zeigt sich auch als treu sorgender Familienvater, der am liebsten Pullunder über seinen Hemden trägt. Mit seiner Frau Karen ist er seit 21 Jahren verheiratet, das Paar hat sieben Kinder. Die dreijährige Tochter Isabella leidet an einer schweren Behinderung.

Obama im Vergleich mit Romney vorne

Romney oder Santorum? Die Kardinalfrage ist und bleibt: Wer könnte Obama schlagen? Nach wie vor sagen die Umfragen Romney die größten Chancen voraus. Doch auch er hat in der Gunst der Wähler verloren. Die Politik-Webseite Realclearpolitics errechnet aus den wichtigsten Umfragen einen Durchschnitt: Demnach würde Obama derzeit Romney mit 49 gegen 44 Prozent der Stimmen besiegen - das sah vor einigen Wochen schon einmal deutlich besser aus für die Republikaner.

Das ist das Risiko des immer schärferen und zunehmend hässlichen Vorwahlkampfes: Je mehr sich die republikanischen Bewerber gegenseitig mit Schmutz bewerfen, desto mehr kann sich Obama die Hände reiben - die Republikaner liefern ihm frei Haus Munition, die er später selbst verwenden könnte. Noch hält das Weiße Haus Romney für den wahrscheinlichsten Gegner im November.

(csi)