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Bidens Wiederauferstehung in South Carolina - ein Kommentar

Vorwahl in South Carolina : Bidens Wiederauferstehung

Totgesagte leben bekanntlich länger. Das gilt auch für die Politik. Dass Biden als Erster durchs Ziel gehen würde, entsprach den Prognosen der Meinungsforscher, auch wenn überraschte, wie klar er gewann. Reißt er jetzt das Ruder herum?

Was für ein trotziges Triumphgefühl es auslösen kann, wenn einer, den manche Auguren bereits abgeschrieben hatten, plötzlich zu neuem Leben erwacht, ließ sich in South Carolina beobachten, wo sich Joe Biden mit einem zwar angeschlagenen, jedoch urplötzlich konternden Boxer verglich.

Sicher, die Metapher bietet sich an. Vor allem seine Schwächen bei Fernsehdebatten hatten den erschöpft und bisweilen fast überfordert wirkenden ehemaligen Vizepräsidenten vom Favoritenthron stürzen lassen. Und dann verhalfen ihm schwarze Amerikaner, die seine tadellose Loyalität gegenüber Barack Obama bis heute zu schätzen wissen, in South Carolina zum Sieg. Zu einem Sieg, den man zwar erwartet hatte, aber nicht in dieser Deutlichkeit. Was für ein Comeback!

Statt aber Biden mit medialer Schnelligkeit erneut zum Favoriten zu erklären, sollte man die Dinge lieber nüchtern betrachten. Klar ist, Obamas Stellvertreter hat einen Test in einem Staat bestanden, in dem Afroamerikaner erstmals in großer Zahl ins Wahlgeschehen eingriffen. Und da Afroamerikaner eine wichtige, ja, die verlässlichste Stütze der Demokratischen Partei bilden, ist es ein Pfund, mit dem Biden wuchern kann. Noch etwas hat South Carolina gezeigt: Bernie Sanders, der linke Senator aus Neuengland, der schon 2016 gerade im Süden das Duell gegen Hillary Clinton verlor, hat bei schwarzen Wählern offenbar immer noch einen schweren Stand. Mehr lässt sich nicht ableiten aus der Primary im „Palmetto State“. Es gilt den Super Tuesday abzuwarten, an dem eine Vorentscheidung fallen kann – oder auch nicht.