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US-Vize düpierte Präsidenten bei der Homo-Ehe: Biden entschuldigt sich bei Obama

US-Vize düpierte Präsidenten bei der Homo-Ehe : Biden entschuldigt sich bei Obama

Mit seinem Vorpreschen in der Homo-Ehe brachte US-Vizepräsident Joe Biden seinen Chef Barack Obama am Donnerstag schwer in die Bredouille. Nun entschuldigte er sich, das Thema am Wochenende zuvorgekommen zu sein.

Ein Gewährsmann teilte am Donnerstag mit, Biden habe im Gespräch mit Obama sein Bedauern und seine Reue darüber ausgedrückt, mit seiner öffentlichen Unterstützung für die Homo-Ehe dem Präsidenten ein Thema aufgezwungen zu haben, dass Obama nicht wirkliche gelegen gekommen sein dürfte.

Am Sonntag hatte Biden in einem Fernsehinterview erklärt, sich "absolut wohl" dabei zu fühlen, wenn schwule Paare heirateten. Die Äußerung hatte schlagartig eine breite Debatte in den US-Medien ausgelöst. Schwulen- und Lesbenverbände forderten Obama zu einer ähnlich deutlichen Stellungnahme auf. In einem ABC-Interview vom Mittwoch sprach sich dann Obama als erster US-Präsident für eine Zulassung gleichgeschlechtlicher Ehen aus.

Romney positioniert sich

Das Thema elektrisiert die USA ähnlich wie der Streit um das Recht auf Abtreibung. Die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern zählt dort zu den heißesten Themen. Beobachter gehen davon aus, dass sich Obamas konservativer Herausforderer Mitt Romney damit wird profilieren können. Am Donnerstag brachte er in staatstragenden Worten gleich seine Ablehnung zum Ausdruck.

Die Kritik seines wahrscheinlichen republikanischen Herausforderers Mitt Romney bezeichnete Obama in einer Video-Botschaft am Donnerstag als rückwärtsgewandt. Die Reaktionen in Deutschland waren überwiegend positiv. Außenminister Guido Westerwelle lobte die Äußerungen Obamas als "mutigen Schritt". Die Grünen forderten die Bundesregierung auf, diese Position auch in Gesetze umzusetzen.

Lob von Schwulen und Lesben

Romney stehe mit seiner Haltung fern von der, die von der Mehrheit der Amerikaner vertreten werde, hieß es in dem Video, mit dem das Wahlkampfteam des Präsidenten einen Tag nach dessen Eintreten für die Homo-Ehe im Fernsehsender ABC nachlegte. Selbst der Republikaner George W. Bush habe als Präsident bereits gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften ermöglicht.

Schwulen- und Lesbenverbände weltweit begrüßten die Stellungnahme Obamas vom Mittwoch. Unter jungen amerikanischen Wählern dürfte das Bekenntnis Umfragen zufolge überwiegend auf Zustimmung stoßen. Für die Republikaner lieferte der demokratische Präsident hingegen eine Steilvorlage zur Mobilisierung der konservativen Basis.

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"Einstellung weiterentwickelt"

Lange hatte sich auch Obama gegen die Zulassung von Ehen zwischen zwei Männern oder zwei Frauen ausgesprochen. Seine Einstellung habe sich allerdings weiterentwickelt, sagte er in dem ABC-Interview, das später in Auszügen auch vom Wahlkampfteam des Präsidenten per Email zur Verfügung gestellt wurde.

"Ich habe in Bezug auf die Homo-Ehe gezögert, zum Teil, weil ich dachte, dass gleichgeschlechtliche Partnerschaften ausreichend seien", sagte Obama. "Mir war bewusst, dass für viele Menschen der Begriff Ehe etwas ist, das mächtige Traditionen beinhaltet, religiöse Überzeugungen und so weiter." Nun sei es ihm persönlich wichtig, "hervorzutreten und gleichgeschlechtlichen Paaren zuzusichern, dass sie die Möglichkeit haben sollten, zu heiraten".

Westerwelle begrüßt den Sinneswandel

Der FDP-Politiker Westerwelle, der mit einem männlichen Partner zusammenlebt, erklärte, die Worte Obamas entsprächen der Politik, "die wir als Regierung und im deutschen Bundestag mit großer Mehrheit verfolgen".

Die Parteichefin der Grünen, Claudia Roth, kritisierte hingegen, dass sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Union gegen die vollständige Gleichstellung wehrten und an gesetzlichen Diskriminierungen von Schwulen und Lesben festhielten. Dabei gebe es in Deutschland längst eine gesellschaftliche Mehrheit für die Gleichstellung. Auch die Linke erklärte, die Diskriminierung von Lesben und Schwulen durch die Regierung sei nicht zeitgemäß.

Politische Beobachter in Washington erwarten, dass die Homo-Ehe nun zu einem wichtigen Thema im Präsidentenwahlkampf wird. Gerade unter den Republikanern dürfte sich heftiger Widerstand gegen die neue Position Obamas regen. Romney sagte bei einem Auftritt in Oklahoma, nach seiner Meinung solle die Ehe auf einen Mann und eine Frau beschränkt bleiben.

Leichte Mehrheit der Wähler laut Umfrage für Homo-Ehe

Anfang des Monats hatte eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Gallup gezeigt, dass 50 Prozent der Amerikaner für und 48 Prozent gegen die gesetzliche Zulassung der Homo-Ehe sind. Unter Demokraten lag das Verhältnis demnach etwa bei 2:1 pro, während unter Anhängern der Republikaner die Ablehnung deutlich überwog.

Obama betonte, dass seine Äußerungen eine persönliche Meinung seien. Aus Kreisen des Weißen Hauses verlautete, dass die Erklärung des Präsidenten keine unmittelbare Auswirkung auf die aktuelle Politik haben werde, nach der beim Thema Homo-Ehe die jeweiligen Staaten entscheiden können.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Promiauflauf für Barack Obama

(APD)