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Anthony Fauci: US-Immunologe will nicht für Trump-Werbung herhalten

Unerlaubte Nutzung : US-Immunologe Fauci will nicht für Trump-Werbung herhalten

Für Trump werben die US-Republikaner mit einem aus dem Zusammenhang gerissenen Zitat des Immunologen Antony Fauci - ohne dessen Zustimmung. Das, so sagt dieser nun, könnte für sie nach hinten losgehen.

Der prominente US-Immunologe Anthony Fauci will nicht für Wahlwerbung von Präsident Donald Trump herhalten. Dessen Wahlkampfteam solle ein Video zurückziehen, in dem seine Äußerungen aus dem Zusammenhang gerissen seien und dem er nie zugestimmt habe, sagte Fauci in einem Interview mit dem Sender CNN am Montag. „Es ist wirklich bedauerlich und wirklich enttäuschend, dass sie das getan haben. Es ist so klar, dass ich kein politischer Mensch bin. Und ich habe nie - weder direkt noch indirekt - einen politischen Kandidaten unterstützt.“

In dem 30-sekündigen Spot erweckt eine Äußerung Faucis den Eindruck, als würde er Trumps Vorgehen in der Corona-Krise loben. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand mehr tun könnte", sagte der Direktor des Nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten (NIAID). Der Satz stammt aus einem Interview im März und bezog sich unter anderem auf die Arbeit der Coronavirus-Arbeitsgruppe des Weißen Hauses, der Fauci angehört. Fauci ist Direktor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten und in der Vergangenheit immer wieder mit Trump wegen dessen Umgang mit dem Virus aneinandergeraten.

Fauci erneuerte am Montag seine Kritik, die Äußerungen aus einem im März veröffentlichten Interview seien „komplett“ aus dem Zusammenhang gerissen worden. Fauci nannte es „ungeheuerlich“, sollte das Wahlkampfteam Trumps erwägen, ihn für weitere Wahlwerbung zu nutzen. „Das könnte für sie tatsächlich nach hinten losgehen.“

Zudem äußerte sich der Immunologe kritisch über Wahlkampfveranstaltungen, die Trump allein in dieser Woche an vier verschiedenen Orten abhalten will. „Wir wissen, dass das zu Problemen führt“, sagte Fauci mit Blick auf Ansammlungen vieler Menschen ohne Maske. Angesichts rasch steigender Infektionszahlen in vielen Teilen der USA sei dies noch problematischer.

Die Vereinigten Staaten stünden vor "großen Schwierigkeiten", wenn sie das Tragen von Gesichtsmasken nicht fördern und Massenversammlungen vermeiden würden. Die schnell ansteigenden Infektionszahlen in den USA seien durch die bekannten Mittel zu vermeiden: Universelles Tragen von Masken, Aufrechterhaltung der physischen Distanz, Vermeidung von Versammlungen oder Menschenmassen, häufiges Händewaschen und Dinge eher im Freien als in geschlossenen Räumen zu tun, wiederholte Fauci.

Gesundheitsexperten wie Fauci haben Trump vorgeworfen, Anhänger bei Wahlveranstaltungen und sogar Mitarbeiter des Weißen Hauses nicht dazu ermutigt zu haben, Schutzmasken zu tragen und sich an Abstandsregeln zu halten. Mindestens 11 enge Trump-Mitarbeiter haben positiv auf das Coronavirus getestet.

Trump, der sich kürzlich mit dem Coronavirus angesteckt hatte, bewirbt sich am 3. November um seine Wiederwahl. In den USA mit rund 330 Millionen Einwohnern gibt es rund 7,8 Millionen bestätigte Infektionen mit dem Erreger Sars-CoV-2. Rund 215.000 Menschen starben dort nach einer Infektion.

(peng/dpa/Reuters)