US-Wahl: TV-Duell der Demokraten - Donald Trump findet Debatte langweilig

Erstes TV-Duell der US-Demokraten : Zehn gegen Trump - US-Präsident findet Schlagabtausch „langweilig“

Wer wird der Kandidat der Demokraten bei der US-Präsidentschaftswahl 2020? In einer ersten TV-Debatte messen sich zehn Bewerber. Sie wollen den umstrittenen republikanischen Amtsinhaber Donald Trump herausfordern - der seinen Wahlkampf schon begonnen hat.

Gut 16 Monate vor der Präsidentschaftswahl in den USA nimmt der Wahlkampf der Demokraten zur Ablösung des republikanischen Amtsinhabers Donald Trump Fahrt auf. Zehn Bewerber um die Kandidatur der Partei lieferten sich am Mittwochabend (Ortszeit) in Miami im US-Bundesstaat Florida das erste Fernsehduell.

Die US-Senatorin Elizabeth Warren dominierte die erste TV-Debatte der demokratischen Präsidentschaftsbewerber. Diskutiert wurde über Themen wie die Wirtschaftspolitik, das Gesundheitssystem und die Migrationskrise an der Grenze zu Mexiko. Die linksgerichtete Politikerin, die in Umfragen im demokratischen Bewerberfeld auf dem dritten Platz liegt, konnte dabei ihren Status als eine der Favoritinnen festigen.

In der Debatte sprach sich die Wall-Street-Kritikerin für eine sozial gerechtere Wirtschaftspolitik aus. Die US-Wirtschaft diene derzeit vor allem den Reichen. Notwendig seien deswegen "strukturelle Veränderung" in Wirtschaft und Regierungshandeln. Mit Blick auf den Streit um das US-Gesundheitssystem sagte Warren, Gesundheit sei ein "Menschenrecht".

Neben Warren nahmen an der Debatte unter anderem der frühere Kongressabgeordnete Beto O'Rourke, der New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio, Senator Cory Booker und der frühere Wohnungsbauminister Julian Castro teil.

Mit Blick auf die Migrationskrise sagte der Hispano-Amerikaner Castro, er würde als Präsident die Null-Toleranz-Politik von Präsident Donald Trump sofort beenden. Das Bild eines auf dem Weg in die USA ertrunkenen Flüchtlings und seiner ebenfalls ertrunkenen kleinen Tochter bezeichnete er als "herzzerreißend". Es müsse wütend machen und zum Handeln anspornen.

Die TV-Debatte verlief ohne größere Zusammenstöße. Die Bewerber sprachen sich übereinstimmend für Reformen im Gesundheitssektor und bei der Migrationsgesetzgebung aus. Außenpolitisch betonten sie, im Konflikt mit dem Iran nach einer diplomatischen Lösung suchen zu wollen. Die Kongressabgeordnete und Irak-Veteranin Tulsi Gabbard warnte, ein Krieg mit dem Iran „wäre viel verheerender, viel teurer als das, was wir im Irak gesehen haben“. Gabbard forderte zudem: „Wir müssen unsere Truppen aus Afghanistan nach Hause holen.“

Alle Bewerber äußerten scharfe Kritik an Trump. Auf die Frage der Moderatoren nach der größten geopolitischen Gefahr für die USA antwortete der Gouverneur des Bundesstaats Washington, Jay Inslee: „Die größte Bedrohung für die Vereinigten Staaten ist Donald Trump.“ Andere Bewerber nannten den Klimawandel, China oder Russland.

Trump, der sich während der Debatte auf dem Flug zum G20-Gipfel in Japan befand, äußerte sich herablassend über den Schlagabtausch der Demokraten: "Langweilig!", schrieb er als einziges Wort in einem Tweet.

Weil das Bewerberfeld so groß ist, werden am Donnerstag bei einem weiteren TV-Duell zehn weitere Kandidaten auftreten. Bislang haben 25 Politiker ihren Hut bei den Demokraten in den Ring geworfen - mehr Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur hatte die Partei nie.

Um sich für das Fernsehduell zu qualifizieren, mussten die Bewerber in drei Umfragen mindestens ein Prozent Unterstützung erhalten oder Spenden von insgesamt 65.000 Förderern aus 20 US-Bundesstaaten nachweisen. Jede der beiden Debatten wurde in fünf Segmente unterteilt, bei denen jeder Kandidat eine Minute zur Beantwortung von Fragen und weitere 30 Sekunden zur Beantwortung von Nachfragen hat. Weitere 45 Sekunden waren für ein Abschluss-Statement vorgesehen.

Bei dem Auftritt am Mittwochabend standen auch New Yorks umstrittener Bürgermeister Bill de Blasio sowie der ehemalige texanische Abgeordnete Beto O'Rourke auf der Bühne. Am Donnerstag treffen unter anderem Ex-Vizepräsident Joe Biden und der unabhängige Senator Bernie Sanders aufeinander. Umfragen zufolge liegt Biden im Bewerberfeld der Demokraten bislang deutlich vorne, gefolgt von Sanders und Warren.

Biden hatte Trump bei der Verkündung seiner Bewerbung eine „existenzielle Bedrohung“ für die USA genannt. Trump verspottet den Stellvertreter seines Amtsvorgängers Barack Obama regelmäßig als „schläfrigen Joe Biden“. Trump hatte seinen Wahlkampf für eine Wiederwahl 2020 offiziell am vergangenen Dienstag eröffnet - ebenfalls in Florida. Trump warnte dabei eindringlich vor einem Wahlsieg der Demokraten, die Amerika angeblich zu einem sozialistischen Staat machen wollten.

Florida ist ein „Swing State“, in dem weder Republikaner noch Demokraten fest auf eine Mehrheit bauen können, und könnte der Schlüssel zum Wahlsieg sein. 2016 gewann Trump hier nur knapp. Nach einer Umfrage der Universität Quinnipiac aus der vergangenen Woche liegen in Florida gleich mehrere potenzielle Herausforderer der Demokraten im direkten Vergleich teils deutlich vor dem Amtsinhaber.

Die Vorwahlen, bei denen der Kandidat oder die Kandidatin der Demokraten gegen Trump für die eigentliche Wahl am 3. November 2020 bestimmt wird, beginnen erst im Februar im Bundesstaat Iowa. Bei den Republikanern gibt es außer Trump bislang nur einen weiteren Kandidaten, der für die Partei in die Wahl ziehen will. Dabei handelt es sich um den früheren Gouverneur des US-Bundesstaats Massachusetts, Bill Weld. Ihm werden aber keine nennenswerten Chancen eingeräumt, Trump die Kandidatur der Republikaner streitig zu machen.

(zim/AFP/dpa)
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