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US-Unipräsidentin Amy Gutmann soll neue US-Botschafterin in Berlin werden

Biden schlägt erstmals Frau vor : Unipräsidentin Gutmann soll neue US-Botschafterin in Berlin werden

US-Präsident Trump hatte einen Hardliner als Botschafter nach Berlin geschickt, um der Bundesregierung einzuheizen. Nachfolger Biden will den angerichteten Schaden nun reparieren. Dazu soll auch seine Entscheidung über die Neubesetzung des Botschafterposten beitragen.

US-Präsident Joe Biden will erstmals eine Frau als Botschafterin nach Deutschland schicken: die Politikwissenschaftlerin Amy Gutmann. Die 71-Jährige mit deutsch-jüdischen Wurzeln ist derzeit noch Präsidentin der weltweit renommierten Universität Pennsylvania.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur stellten die USA bereits am 18. Juni ein Ersuchen auf Zustimmung zu der Personalie bei der deutschen Botschaft in Washington. Derzeit wird es noch vom Bundespräsidialamt geprüft. Zuerst hatte der „Spiegel“ berichtet. Nach einer offiziellen Nominierung durch Biden müsste dann der US-Senat noch zustimmen.

Gutmann würde einen Posten besetzen, der seit mehr als einem Jahr vakant ist. Der von Bidens Vorgänger Donald Trump entsandte Botschafter Richard Grenell war Anfang Juni vergangenen Jahres zurückgetreten. Seitdem wird die Botschaft von der Gesandten Robin Quinville kommissarisch geführt.

Gutmann ist seit 2004 Präsidentin der University of Pennsylvania in Philadelphia, eine der angesehensten Universitäten der USA und darüber hinaus. Ihr Vertrag läuft noch bis 2022. Sie wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. 2011 zählte sie das Magazin „Newsweek“ zu den „150 Frauen, die die Welt bewegen“ und 2018 die Zeitschrift „Fortune“ zu den 50 größten Führungspersönlichkeiten der Welt.

Ihr Vater stammt aus dem bayerischen Feuchtwangen und flüchtete nach der Machtübernahme der Nazis in Deutschland 1934 als Student mit seiner Familie zunächst nach Indien. Später zog er nach New York, wo er heiratete. Amy Gutmann wurde 1949 im New Yorker Stadtteil Brooklyn geboren, studierte später Politologie an der Elite-Universität Harvard und lehrte fast drei Jahrzehnte an einer weiteren Elite-Uni, Princeton in New Jersey, bevor sie nach Pennsylvania wechselte.

Die Neubesetzung des Botschafterpostens ist bei den Außenpolitikern in Berlin fast schon sehnsüchtig erwartet worden. Trump hatte in seiner Amtszeit einen Hardliner in die US-Vertretung am Brandenburger Tor geschickt, um der Bundesregierung einzuheizen – was dieser auch bereitwillig tat.

Schon kurz nach der Ernennung zum Botschafter im Mai 2018 warnte er deutsche Unternehmen davor, mit dem Iran zusammenzuarbeiten. Aus Verärgerung über aus seiner Sicht unzureichende deutsche Militärausgaben drohte er, US-Truppen aus Deutschland abzuziehen. Wegen der deutsch-russischen Ostseepipeline Nord Stream 2 brachte er Sanktionen auch gegen deutsche Unternehmen ins Spiel. Im politischen Berlin machte er sich mit seiner rabiaten Art kaum Freunde. Aus der Opposition kamen sogar vereinzelt Forderungen, ihn zur „unerwünschten Person“ zu erklären und damit quasi auszuweisen.

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Sollte Gutmann Botschafterin werden, wäre dies ein weiteres Zeichen für einen Neuanfang in den deutsch-amerikanischen Beziehungen. Ihre vordringliche Aufgabe wäre es, die Schäden aus der Ära Trump zu reparieren.

Das Ersuchen nach Zustimmung zu Gutmann wurde wenige Tage vor dem Besuch von US-Außenminister Antony Blinken in Berlin vergangene Woche eingereicht. Bei der zweitägigen Visite hatte Blinken die Partnerschaft zu Deutschland in den allerhöchsten Tönen gewürdigt: „Die Vereinigten Staaten haben keinen besseren Partner, keinen besseren Freund auf der Welt als Deutschland“, sagte er. Früher hätten die USA so etwas eher über Großbritannien gesagt.

(c-st/dpa)