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US-Truppenabzug aus Deutschland: Trump irritiert Russland

9500 von 34.500 Soldaten sollen Deutschland verlassen : Irritation in Russland über Verlegung von US-Truppen

US-Präsident Trump macht erneut deutlich, dass er Berlin abstrafen will – und sagt, wo ein Teil der in Deutschland stationierten amerikanischen Truppen künftig sein soll: in Polen. Moskau reagiert verschnupft. Und selbst in Osteuropa ist man im Zwiespalt.

Russland droht den USA mit Konsequenzen, sollten US-Truppen aus Deutschland teils nach Polen verlegt werden. „Wenn es mehr militärische Präsenz an unseren Grenzen gibt, wird dies zu Gegenmaßnahmen führen. Und das wird dann für alle noch schlimmer“, schrieb der prominente russische Außenpolitiker Konstantin Kossatschow auf Facebook.

US-Präsident Donald Trump hatte zuvor bekräftigt, dass die Präsenz der US-Soldaten in Deutschland „ganz wesentlich“ um etwa 9500 auf 25.000 reduziert werden solle. Einige der Soldaten aus Deutschland sollten in die USA zurückkehren. Andere würden an andere Standorte in Europa verlegt, und „Polen wäre einer dieser anderen Orte“, sagte der Präsident. Trump und sein polnischer Kollege Andrzej Duda teilten bei Dudas Besuch in Washington mit, sie wollten ein Verteidigungsabkommen unterzeichnen. „Ich denke, das schickt eine starke Botschaft nach Russland“, sagte Trump.

Der US-Präsident wirft Deutschland seit Langem vor, zu wenig für Verteidigung und die Nato auszugeben. Polnischen Medienberichten zufolge könnten die USA die Entsendung von 2000 Soldaten anbieten – doppelt so viele wie vor einem Jahr ursprünglich vereinbart.

Ein Truppenabzug an sich wäre ein gutes Signal gewesen und eine Bestätigung für Washingtons Bereitschaft, „mit Russland auskommen“ zu wollen, schrieb Kossatschow. „Das Problem ist, wohin genau die Truppen aus Deutschland gehen werden.“ Sollte ein Teil nach Polen geschickt werden, entspräche das nicht dem US-Wunsch nach einem Miteinander mit Moskau, schrieb der Außenpolitiker. Trump wisse auch, „dass es in Polen nicht an Phobien zum Thema „russische Bedrohung“ mangelt“.

Litauen blickt mit gemischten Gefühlen auf den Plan. „Es wäre nicht gut, wenn ein erheblicher Teil des US-Militärs aus Deutschland abgezogen würde“, sagte Verteidigungsminister Raimundas Karoblis im litauischen Radio. Der Schritt berge das Risiko einer „Art Spaltung zwischen den Nato-Ländern in Europa“. „Andererseits haben wir immer die Maximierung der US-Militärpräsenz in Europa und besonders in unserer Region befürwortet“, sagte Karoblis.

Litauen und andere östliche Nato-Mitglieder sind wegen des russischen Vorgehens in der Ukraine besorgt um ihre Sicherheit. Zur Abschreckung verlegen die USA deshalb seit 2014 in Rotation Einheiten dorthin. Auch die Nato hat ihre Präsenz in der Region verstärkt und jeweils gut 1000 Soldaten in die baltischen Staaten und Polen entsandt. Deutschland führt dabei den Truppenverband in Litauen an.