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US-Sondergesandter für Haiti tritt von seinem Amt zurück

„Große Enttäuschung“ : US-Sondergesandter für Haiti tritt von seinem Amt zurück

Daniel Foote übt scharfe Kritik am Umgang mit haitianischen Flüchtlingen in Texas. Viele von ihnen zurück in ihre Heimat zu fliegen, sei inhuman und kontraproduktiv, erklärt er.

Der Sondergesandte der US-Regierung für Haiti hat aus Protest gegen eine „inhumane“ Deportation haitianischer Migranten aus den USA in ihre Heimat sein Amt niedergelegt. Das verlautete aus Regierungskreisen. Daniel Foote war erst im Juli auf den Posten berufen worden, nach der Ermordung von Präsident Jovenel Moïse.

Schon vor der Deportation zahlreicher haitianischer Migranten aus der texanischen Grenzstadt Del Rio seit dem Wochenende hatte sich der Diplomat zutiefst frustriert darüber gezeigt, dass Washington einer Verbesserung der Lebensverhältnisse in Haiti aus seiner Sicht keine große Dringlichkeit beimesse. Zwei mit der Angelegenheit vertraute US-Regierungsvertreter bestätigten den Rücktritt am Donnerstag. Sie wollten nicht namentlich genannt werden.

Foote schrieb demnach an Außenminister Blinken, dass er mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurücktrete, „mit großer Enttäuschung und der Bitte um Entschuldigung an jene, die bedeutende Veränderungen anstreben“. Er wolle nicht mit der „unmenschlichen, kontraproduktiven Entscheidung der USA in Verbindung gebracht werden, Tausende haitianische Flüchtlinge und illegale Einwanderer zu deportieren“. Der politische Ansatz der US-Regierung gegenüber Haiti sei falsch, und seine Empfehlungen seien ignoriert oder abgetan worden, wenn nicht sogar verfälscht, schrieb Foote.

Ein US-Regierungsbeamter sagte, Foote habe sich beständig um eine größere Kontrolle über die Haiti-Politik bemüht. Die Regierung sei aber der Ansicht gewesen, dass seine Forderungen nicht angemessen seien.

Footes plötzlicher Abgang hinterlässt mit Blick auf Haiti eine Lücke in der US-Außenpolitik. Bereits zuvor war die Regierung von Präsident Joe Biden für ihren Umgang mit Tausenden haitianischen Flüchtlingen an der texanischen Grenze zu Mexiko scharf kritisiert worden. Am Wochenende hatten dort mehr als 14 000 Menschen kampiert. Viele von ihnen wurden seither zurück nach Haiti geflogen, andere durften innerhalb der USA weiterziehen, wurden aber aufgefordert, sich binnen 60 Tagen bei den Einwanderungsbehörden zu melden.

Auch manche Demokraten übten an dem Vorgehen Kritik. Tausende Haitianer abzuschieben, ohne ihnen Gelegenheit zu geben, einen Asylantrag zu stellen, verstoße gegen amerikanische Prinzipien, erklärten sie.

(lils/dpa)