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Schon jetzt mehr Tote Palästinenser als 2012: US-Regierung warnt vor Bodenoffensive in Gazastreifen

Schon jetzt mehr Tote Palästinenser als 2012 : US-Regierung warnt vor Bodenoffensive in Gazastreifen

Die Opferzahl der israelischen Luftangriffe im Gazastreifen hat am Montag die Zahl der Toten während des letzten bewaffneten Konflikts im Jahr 2012 überstiegen. Die US-Regierung warnte Israel derweil vor einer Bodenoffensive im Gazastreifen.

Es seien fünf weitere Palästinenser getötet worden, womit die Gesamtzahl der Opfer des siebentägigen Militäreinsatzes 184 erreiche, teilten palästinensische Rettungskräfte mit. Die US-Regierung warnte ihren Verbündeten vor einer Bodenoffensive, während Ägypten eine Waffenruhe für Dienstagmorgen vorschlug.

Bei den jüngsten Angriffen wurden in Rafah drei Menschen, darunter ein vierjähriger Junge, getötet, wie die Rettungskräfte bekanntgaben. In Chan Junis gab es zwei weitere Opfer. Laut dem UN-Hilfswerk für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) waren rund drei Viertel der nunmehr 184 Opfer Zivilisten. Mehr als ein Viertel waren demnach Kinder. Nach Warnungen vor einer Verschärfung der Angriffe suchten seit Sonntag 17.000 Menschen Schutz in UNRWA-Schulen.

Allein in der Nacht zum Montag attackierte die israelische Luftwaffe nach eigenen Angaben 40 "Terrorziele" im Gazastreifen. Allerdings wurden die Angriffe spürbar weniger, auch die Hamas feuerte weniger Raketen auf Israel ab. Seit der jüngsten Eskalation der Gewalt gingen fast 780 Raketen auf Israel nieder, 200 konnten abgewehrt werden. Erstmals schoss die israelische Armee am Montag bei Aschdod auch eine aus dem Gazastreifen kommende Drohne ab.

Die US-Regierung warnte Israel derweil vor einer Bodenoffensive im Gazastreifen. Durch eine solche Offensive würde die Zahl der gefährdeten Zivilisten weiter erhöht, erklärte das Weiße Haus in Washington. Die Regierung äußerte aber keine direkte Kritik an der hohen Zahl ziviler Opfer, sondern bekräftigte erneut das Recht und die "Verpflichtung" der israelischen Regierung, die eigene Bevölkerung gegen Raketenangriffe zu schützen.

US-Außenminister John Kerry reist am Dienstag nach Ägypten, um Möglichkeiten zur Friedensvermittlung im Nahost-Konflikt auszuloten. Im Bemühen um eine politische Lösung des Konflikts flog Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) am Montag nach Amman, wo er seinen jordanischen Kollegen Nasser Dschudeh traf. "Wir müssen dringend nach Wegen suchen, aus dieser Spirale der Gewalt herauszukommen", mahnte Steinmeier.

Ägypten schlug vor einer Sitzung der Außenminister der Arabischen Liga in Kairo eine Waffenruhe vor. Diese solle am Dienstag um 08.00 Uhr (MESZ) in Kraft treten. Der Hamas-Abgeordnete Muschir al-Masri hatte zuvor aber der Nachrichtenagentur AFP gesagt, Israel habe bisher nicht die nötigen Bemühungen für eine Waffenruhe unternommen. Diese müsse auf den von der Hamas vorgegebenen Bedingungen basieren.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief seinerseits beide Seiten zu einer sofortigen Waffenruhe auf. Er verurteilte erneut den Raketenbeschuss der Hamas, zeigte sich aber besonders besorgt über die Auswirkungen der israelischen Luftangriffe. "Zu viele" palästinensische Zivilisten seien bereits getötet worden, mahnte Ban. Jordaniens König Abdullah II. rief Israel in einem Telefongespräch mit Ban auf, "nicht länger auf Zivilisten zu zielen und das internationale Recht zu achten".

(DEU)