US-Präsident Donald Trump weist Kritik an Migrantenlagern zurück

„Alle Probleme gelöst“ : Trump weist Kritik an Internierungslagern von Migranten zurück

Die Lage an der Grenze zwischen den USA und Mexiko ist fatal. Die Migranten, die dort gelandet sind, leben in schrecklichen Zuständen, es mangelt an allem. US-Präsident Donald Trump will davon nichts wissen.

US-Präsident Donald Trump hat den umstrittenen Umgang mit Migranten in Internierungslagern an der Grenze zu Mexiko verteidigt. „Unsere Grenzschutzleute sind keine Krankenhausarbeiter, Ärzte oder Krankenschwestern“, schrieb Trump in einer Serie von Tweets am Mittwochabend (Ortszeit). Zudem behauptete er, dass „viele dieser illegalen Ausländer jetzt viel besser leben“ als an den Orten, aus denen sie gekommen seien.

Den Demokraten warf Trump zudem Panikmache aus Kalkül vor. „Ganz egal wie gut die Dinge tatsächlich aussehen“ - die Demokraten besuchten Einrichtungen der Grenzschutzpolizei und „tun schockiert und entsetzt darüber, wie schrecklich die Dinge“ seien, weil sie auf politischen Vorteil aus seien, schrieb der Präsident, und: Wenn die Migranten mit den Zuständen in den Lagern unzufrieden seien, „sagt ihnen einfach, dass sie nicht kommen sollen. Alle Probleme gelöst!“

Gutachter einer Behörde im US-Heimatschutzministerium hatten am Dienstag ein teils verheerendes Bild von Zuständen in Auffanglagern für Migranten im texanischen Rio-Grande-Tal gezeichnet. Kinder in drei Einrichtungen hätten keinen Zugang zu Duschen gehabt, hieß es in einem Prüfbericht. Andere Betroffene - einige unter sieben Jahre alt - seien mehr als zwei Wochen lang in völlig überbelegten Zentren festgehalten worden. Auf von den Behörden veröffentlichten Fotos waren unter anderem Frauen und Kinder - darunter Säuglinge - zu sehen, die sich Schulter an Schulter auf einem Stockwerk eines Haftlagers drängten.

Einige der Zellen seien so überfüllt gewesen, dass Erwachsene tagelang hätten stehen müssen, hieß es in dem Bericht. Auf einem Bild waren 88 Männer in einer für 41 Personen ausgelegten Zelle zu sehen, einer der Inhaftierten drückte ein Pappkarton mit den Worten „Hilfe, 40 Tage hier“ ans Fenster.

Sowohl für die Migranten als auch für Beamte sei die Lage zunehmend gefährlich, schrieben die Gutachter. Die Überbelegung und anhaltende Inhaftierung bringe ein unmittelbares Gesundheits- und Sicherheitsrisiko mit sich.

Sie berichteten von Ausbruchsversuchen aus den Internierungslagern. Insassen hätten versucht, mit Socken die Toiletten zu verstopfen, um bei erhofften Wartungsarbeiten zu entkommen. Ein Einrichtungsleiter sprach von einer „tickenden Zeitbombe“.

Die Bilder mobilisieren Aktivisten. Hunderte Menschen haben diese Woche bereits im ganzen Land gegen die Situation in den Haftzentren für Migranten protestiert, in sozialen Medien formiert sich unter dem Hashtag #CloseTheCamps (Schließt die Lager) Widerstand. Für den Unabhängigkeitstag am 4. Juli sind weitere Demonstrationen geplant, darunter eine Kundgebung mit jüdischen Aktivisten in Philadelphia.

Der Feiertag sei „eine Zeit, um die Geburt unseres Landes zu feiern und die Gründungsprinzipien, auf denen es beruht“, erklärte die demokratische Senatorin Dianne Feinstein aus Kalifornien. „Doch es ist schwer zu glauben, dass irgendjemand beim Anblick der Bilder aus den Einrichtungen des Grenzschutzes viel Stolz empfindet.“

Für den 4. Juli hat Präsident Trump dennoch eine große Militärparade für die Hunderttausenden erwarteten Besucher an der National Mall in Washington angekündigt.

(mja/dpa)
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