1. Politik
  2. Ausland

US-Militärchef Martin Dempsey sieht Gefahr für Europa durch Dschihadisten

Dempsey will Extremisten unter Druck setzen : US-Militärchef sieht Gefahr für Europa durch Dschihadisten

Die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) wird nach Einschätzung von US-Generalstabschef Martin Dempsey schon bald zu einer Bedrohung für die USA und Europa werden. Derzeit stellten die Extremisten eine "regionale Bedrohung" dar, doch werde sie "bald zu einer Bedrohung für die Vereinigten Staaten und Europa werden", erklärte Dempseys Sprecher Ed Thomas am Montag.

Die Gruppe müsse im Irak und in Syrien unter Druck gesetzt werden. Notwendig sei eine "Koalition fähiger regionaler und europäischer Partner".

Dempsey hatte zuletzt immer wieder gewarnt, dass ausländische Kämpfer mit westlichen Pässen versuchen könnten, Anschläge zu begehen. Die Dschihadisten kontrollieren weite Gebiete im Norden des Irak und Syriens und riefen ein grenzübergreifendes Kalifat aus. Die US-Luftwaffe fliegt seit dem 8. August Angriffe gegen die Dschihadisten im Nordirak. Über Luftangriffe in Syrien hat die US-Regierung noch nicht entschieden. Washington erklärte jedoch, alle Optionen offenzuhalten.

Die UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay hatte zuvor grausame Massaker der Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS) an Tausenden von Andersgläubigen angeprangert und die Bestrafung der Täter gefordert. Neben Massenmorden würden die sunnitischen Extremisten im Irak systematisch Vergewaltigungen begehen, Menschen in die Sklaverei zwingen und Wohngebiete zerstören, erklärte Pillay in Genf.

UN: 670 Häftlinge von der IS-Miliz ermordet

So seien am 10. Juni rund 670 Häftlinge aus dem Badusch-Gefängnis in der Stadt Mossul von der IS-Miliz ermordet worden, nur weil sie nicht der sunnitischen Glaubensrichtung des Islam angehörten. "Solche kaltblütigen, systematischen und gezielten Tötungen von Zivilisten wegen ihrer Religionszugehörigkeit dürften Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen", sagte sie. "Ich fordere die internationale Gemeinschaft auf, die Schuldigen an diesen teuflischen Verbrechen nicht straflos davonkommen zu lassen."

IS-Dschihadisten erhalten Zulauf

Unterdessen erhalten die IS-Dschihadisten, die im Irak und in Syrien große Gebiete erobert haben, immer mehr Zulauf. Nach ihren jüngsten Erfolgen hätten sich allein am Wochenende in Syrien mehr als 300 Männer anderer Oppositionsmilizen den Extremisten angeschlossen, meldete die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Die Extremisten hatten am Sonntag einen strategisch wichtigen Militärflughafen im Nordosten Syriens eingenommen. Syriens Außenminister Walid al-Muallem erklärte in Damaskus, seine Regierung sei im Kampf gegen den Terrorismus zur Zusammenarbeit auch mit westlichen Ländern wie den USA bereit, wenn die Weltgemeinschaft "die Führung und Unabhängigkeit" Syriens respektiere. Der Westen ist bisher ein scharfer Gegner von Präsident Baschar al-Assad und unterstützt als gemäßigt eingeschätzte Regimegegner.

  • Terrormiliz IS erhält Zulauf : Deutsche Waffenlieferung in den Irak kann sich verzögern
  • 670 Häftlinge ermordet : UN legt Bericht über IS-Massaker vor
  • Irak : Entscheidung über Waffenlieferungen könnte sich verzögern

Der Leiter der Menschenrechtler, Rami Abdel Rahman, sagte der Nachrichtenagentur dpa, die Terrormiliz IS habe in Syrien inzwischen rund 50 000 Kämpfer. Etwa 20 000 von ihnen kämen aus dem Ausland - vor allem aus dem arabischen Raum und aus Europa. Allein seit Juli sollen sich etwa 6300 Kämpfer der Terrormiliz IS angeschlossen haben.

Der IS beherrscht im Norden und Osten Syriens rund ein Drittel der Fläche des Landes. Auch im Nachbarland Irak kontrolliert er im Norden und Westen riesige Gebiete. Kämpfer und militärische Ausrüstung der Sunnitenmiliz können die Grenze ungehindert passieren.

Die Kampferfolge und Gräueltaten des IS haben die Debatte in Deutschland über eine Unterstützung seiner Gegner befeuert. Die Bundeswehr prüft die kostenlose Lieferung von Handfeuerwaffen und Panzerabwehrraketen an die Kurden im Nordirak. Am kommenden Montag will die Kanzlerin eine Regierungserklärung dazu abgeben. Ein Mitspracherecht hat das Parlament nicht, solange keine Soldaten entsendet werden.

Hier geht es zur Infostrecke: Isis/IS - Islamischer Staat im Irak und Syrien

(DEU)