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US-Kongress erkennt Massaker an Armeniern als Völkermord an

Trotz Protesten der Türkei : US-Kongress erkennt Massaker an Armeniern als Völkermord an

Der Bundestag stufte die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich im Jahr 2016 als Völkermord ein. Nun hat der US-Kongress denselben Schritt unternommen. Wieder reagiert die Türkei empört.

Trotz Protesten der Türkei hat der US-Kongress die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich während des Ersten Weltkrieges als Völkermord anerkannt. Nach dem Repräsentantenhaus verabschiedete der Senat am Donnerstag einstimmig eine entsprechende Resolution. Dort heißt es, „dass es die Politik der Vereinigten Staaten ist, des Völkermordes an den Armeniern durch offizielle Anerkennung und Erinnerung zu gedenken“.

Man verurteile die Tötung von geschätzten 1,5 Millionen Armeniern durch das Osmanische Reich. Die Regierung in Ankara warnte, die Resolution gefährde die Beziehungen zwischen den Nato-Partnern USA und Türkei.

Der Kommunikationsdirektor des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, Fahrettin Altun, kritisierte auf Twitter, der US-Senat habe sich für „eine extrem einseitige Sicht auf die Geschichte“ entschieden. „Wir weisen diese Versuche zurück, der Türkei aus politischen Gründen zu schaden, die nichts mit der Wahrheit zu tun haben. Geschichte und Wahrheit werden sich nicht in Folge einer Abstimmung von US-Senatoren ändern!“

Schon die Verabschiedung der Resolution durch das Repräsentantenhaus Ende Oktober hatte zu Spannungen zwischen Washington und Ankara geführt.

Der demokratische Senator Bob Menendez hatte die Resolution in den Senat eingebracht. Er teilte nach der Verabschiedung auf Twitter mit, der Senat habe sich erhoben, „um die Geschichte zu bestätigen“. Was damals geschah, sei „ganz sicher“ Völkermord gewesen. „Es gibt kein anderes Wort dafür. Es gibt keinen Euphemismus.“ Der demokratische Kongressabgeordnete Adam Schiff forderte US-Präsident Donald Trump auf, sich dem Kongress in der Sache anzuschließen.

Während des Ersten Weltkriegs waren Armenier systematisch verfolgt und unter anderem auf Todesmärsche in die syrische Wüste geschickt worden. Historiker sprechen von Hunderttausenden bis zu 1,5 Millionen Opfern. Die Türkei als Nachfolgerin des Osmanischen Reiches gesteht den Tod von 300 000 bis 500 000 Armeniern während des Ersten Weltkrieges ein und bedauert die Massaker. Eine Einstufung als Völkermord weist sie jedoch strikt zurück.

Die Kongress-Resolutionen sind rechtlich nicht bindend, haben aber Symbolkraft und Gewicht für die Beziehungen zwischen den USA und der Türkei. Im Jahr 2016 hatte der Deutsche Bundestag die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich ebenfalls als Völkermord eingestuft - das belastete die deutsch-türkischen Beziehungen schwer.

(vek/dpa)