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Moussaoui-Prozess: US-Gericht veröffentlicht neue Fotos vom 11. September

Moussaoui-Prozess : US-Gericht veröffentlicht neue Fotos vom 11. September

Alexandria (rpo). Der im US-Terrorismusprozess angeklagte Franzose Zacarias Moussaoui hat seine zweite Zeugenaussage für eine Hasstirade gegen die Vereinigten Staaten genutzt. Er zeigte seine Verachtung für den Staat und bezeichnete ihn unter anderem als "Kopf der Schlange", die es zu töten gelte. Er bedauere die Anschläge vom 11. September 2001 in keiner Weise, sondern wünsche sich noch viele weitere. Zum Ende der Beweisaufnahme veröffentlichte das Gericht neue Fotos von den Anschlägen.

Anschließend unterbrach Richterin Leonie Brinkema vorzeitig die Sitzung, die nun am Montag fortgesetzt werden soll. Dem Angeklagten droht die Todesstrafe.

Für die Familien der Opfer empfinde er "absolut kein Mitleid", betonte Moussaoui. Die Berichte von Hinterbliebenen während der vergangenen Tage vor Gericht bezeichnete er unter anderem als "erbärmlich". Er hoffe, dass es "noch sehr viel mehr Leid" geben werde. Eine der Angehörigen brach bei den Äußerungen Moussaouis zusammen und musste aus dem Gerichtssaal gebracht werden.

"Ihr Amerikaner seid für mich der Kopf der Schlange", wetterte der marokkanischstämmige Franzose weiter. "Wenn wir den jüdischen Staat zerstören wollen, müssen wir Euch zuerst vernichten." Er wolle am Leben bleiben, um jederzeit und überall Amerikaner zu töten. Denn er werde nicht so bald sterben: Er habe geträumt, dass US-Präsident George W. Bush ihn persönlich freilassen werde.

Seine Pflichtverteidiger beschuldigte Moussaoui der "unterlassenen Hilfeleistung in krimineller Manier". Konkret warf er ihnen vor, ihm keinen moslemischen Anwalt besorgt zu haben: "Ich wollte jemanden haben, zu dem ich Vertrauen haben konnte." Auch kritisierte Moussaoui seine Anwälte dafür, nicht die Verlegung des Prozesses an einen anderen Ort erreicht zu haben. Das Verfahren findet nur wenige Kilometer entfernt vom Verteidigungsministerium statt, das am 11. September 2001 angegriffen worden war.

Als Attentäter eingeplant

In seinem ersten Auftritt als Zeuge hatte der Franzose vor zwei Wochen gestanden, von der Terrororganisation al Qaida als Attentäter für den 11. September eingeplant gewesen zu sein. Er habe eine fünfte Maschine in das Weiße Haus lenken sollen. Mit diesem Sensationsgeständnis machte Moussaoui damals den eigenen Anwälten einen Strich durch die Rechnung.

Sie wollen jedoch auch weiterhin nachweisen, dass ihr Mandant geistig nicht zurechnungsfähig und entgegen seiner eigenen Aussage keineswegs für die Anschlagsserie vorgesehen gewesen sei. Prozessbeobachter vermuten, dass Moussaoui mit seinem Geständnis seine Todesstrafe erreichen will, um zum Märtyrer radikaler Moslems zu werden.

Da der Franzose bereits vor Beginn des bislang ersten US-Prozesses zum 11. September seine Mitwisserschaft von dem Komplott gestanden hatte, geht es in dem Verfahren nur noch um die Entscheidung zwischen Todesstrafe und lebenslanger Haft. Moussaoui war einen Monat vor den Anschlägen festgenommen worden, da er an einer Pilotenschule im US-Bundesstaat Minnesota als verdächtig aufgefallen war.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Fotos vom 11. September 2001

(afp2)