US-Demokraten: Wer macht den neuen Obama?

Fernsehdebatte der US-Demokraten : Wer macht den neuen Obama?

Die zehn aussichtsreichsten Kadidaten der US-Demokraten fürs Oval Office haben im Fernsehen diskutiert, worauf es im Wahlkampf ankommt. Sie wollen alle Amerikaner wieder zusammenbringen.

Der bislang Letzte aus den Reihen der US-Demokraten, der eine Präsidentschaftswahl gewann, ist bekanntlich Barack Obama gewesen. So war es nur folgerichtig, dass eine Mahnung des Altpräsidenten wie ein großer Schatten über den Tyler-Perry-Filmstudios in Atlanta hing, wo die zehn aussichtsreichsten Kandidaten fürs Oval Office zu ihrer fünften Fernsehdebatte in Folge antraten.

Die Partei dürfe nicht so weit nach links rücken, dass sie für die Mehrheit der Bürger unwählbar werde, hatte Obama neulich gewarnt. Selbst wenn man kühne Visionen habe, möge man doch auf dem Boden der Realität bleiben: „Der Durchschnittsamerikaner glaubt nicht, dass wir das ganze System niederreißen und neu aufbauen müssen“. Also muss sich Bernie Sanders, neben Elizabeth Warren die Symbolfigur jenes Linksrucks, von den Moderatoren fragen lassen, was er von der Intervention aus berufenem Munde hält.

„Obama hat recht, wir brauchen das System nicht niederzureißen, wir müssen aber tun, was das amerikanische Volk verlangt“, antwortet der Veteran aus Vermont. Das amerikanische Volk verstehe nun mal, dass das heutige Gesundheitssystem in vielen Fällen nicht nur brutal sei, sondern schlicht nicht funktioniere. Im Einklang mit Warren schlägt der weißhaarige Senator vor, anstelle privater Krankenversicherungen eine einzige, staatlich finanzierte Versicherung für alle Bürger einzuführen. Dass beide, Sanders wie Warren, an ihren Plänen festhalten, auch wenn der vielleicht populärste Politiker ihrer Partei sie dafür kritisiert, machen sie am Mittwochabend hinreichend klar.

Wie sich das Votum im November 2020 gewinnen lässt, ob es vor allem die eigene Basis zu mobilisieren oder die schwankenden Wähler der Mitte ins Boot zu holen gilt – es ist ein zentrales Thema der Diskussion. Man müsse die Obama-Koalition noch einmal zimmern, rät Kamala Harris, die ursprünglich als Mitfavoritin gehandelte, in den Umfragen jedoch abgerutschte Senatorin aus Kalifornien. Frauen, Menschen mit dunkler Haut, Homosexuelle, Arbeiter, Gewerkschaftsmitglieder – „wenn wir sie alle wieder zusammenbringen, dann siegen wir“.

Pete Buttigieg, der nicht nur Bürgermeister der mittelwestlichen Industriestadt South Bend ist, sondern der politische Senkrechtstarter des Jahres, stimmt eine Melodie an, die im amerikanischen Kontext immer gut klingt und derer sich 2008 auch Barack Obama bediente – ähnlich wie 2016 Donald Trump. Der Außenseiter gegen die berufsblinden Seilschaften Washingtons, das ist Buttigiegs Motiv. „Auf dieser Bühne sind über hundert Jahre Washington-Erfahrung vertreten, und schaut euch an, wo dieses Land heute steht“, stichelt er mit betont trauriger Miene.

Joe Biden, Inbegriff jener Washington-Erfahrung – er saß von 1973 bis 2009 im US-Senat, bevor er Vizepräsident wurde – hält dem entgegen, dass ein im pragmatischen Zentrum verankerter, mit dem Apparat der Politik bestens vertrauter Bewerber Trump am ehesten schlagen könne. Einer wie er. Und bevor man irgendwelche Reformen in Angriff nehmen könne, müsse man als Erstes im Weißen Haus einziehen.

Nach den Worten Cory Bookers, eines Senators aus New Jersey, der einst als Bürgermeister der problembeladenen Stadt Newark von sich reden machte, steigen die Chancen der Demokraten, wenn es ihnen gelingt, afroamerikanische Wähler zu mobilisieren, eine ihrer wichtigsten Stützen. Gerade das, blendet er zurück, sei Hillary Clinton im Duell gegen Trump nicht gelungen, auch deshalb habe sie damals den Kürzeren gezogen. Nur dürfe man schwarzen Amerikanern nicht das Gefühl geben, dass man zwar ihre Stimmen brauche, dann aber schnell wieder vergesse, was ihre Anliegen seien. „Schwarze Wähler sind sauer, und sie sind beunruhigt“, warnt Booker.

Sie hätten zwar großen Respekt für Biden, wenn der aber den Konsum von Marihuana auch in Zukunft bestrafen wolle, komme das bei Menschen mit dunkler Haut gar nicht gut an. Schließlich seien sie es, die hinter Gitter wanderten, sobald die Polizei etwas bei ihnen finde, während es für wohlhabende Weiße ein ungefährliches Freizeitvergnügen sei, die Droge zu nehmen. „Diese Woche hörte ich, wie Sie sagten, nein, wir sollten Marihuana nicht legalisieren“, bemerkt Booker, an Biden gewandt. Und dann, voller Spottlust: „Sie müssen high gewesen sein, als Sie das sagten“.