G7-Treffen: Unter Feuer - was Brasiliens Brände mit Biarritz zu tun haben

G7-Treffen : Unter Feuer - was Brasiliens Brände mit Biarritz zu tun haben

Kanzlerin Angela Merkel ist „erschüttert“ über die Flammen im Regenwald. Beim G7-Gipfel in Biarritz könnte es Hilfen für den umstrittenen Präsidenten Bolsonaro geben. Wenn er sie denn annimmt.

Die Bilder gehen um die Welt. Sie sind schockierend. Und die Zahlen auch. Seit Januar sind die Brände im brasilianischen Regenwald im Vergleich zum Vorjahr um 80 Prozent gestiegen, 72.000 Feuer wurden bisher registriert. Man weiß nicht genau, welchen Anteil daran eine im Sinne des neuen Präsidenten Jair Bolsonaro gezielte Brandrodung hat, um der Landwirtschaft mehr Platz zu verschaffen. Aber man traut dem Rechtsaußen-Politiker ein großes Maß an Unverstand und Unverantwortlichkeit für den Klimaschutz zu. Doch inzwischen kommt er wohl ins Grübeln. Das könnte eine Chance sein. Für den Regenwald in Brasilien. Für die Welt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist normalerweise sparsam mit großen Worten. Aber auf dem Weg zum G7-Gipfel in Biarritz nennt sie am Samstag die Brände in dem südamerikanischen Land „erschütternd“. Die große Frage ist nun, ob und wenn was bereits beim Treffen der Staats- und Regierungschefs sieben führender Industriestaaten in dem mondänen Badeort an der französischen Atlantikküste unternommen werden kann. Brasilien sitzt nicht mit am Tisch, Bolsonaro hat sich bereits kluge Ratschläge aus dem Ausland verbeten. Aber klar ist: Der Regenwald braucht Hilfe. Einfach wird das nicht. Merkel will es versuchen.

Bekanntlich behauptet US-Präsident Donald Trump, am Klimawandel seien nicht die Menschen schuld. Merkel wird ihm bei ihrem geplanten persönlichen Treffen während des Gipfels die Zusammenhänge vielleicht noch einmal erklären.

Uneins ist sie mit Frankreich, was die Möglichkeit betrifft, über das Freihandelsabkommen „Mercosur“ Druck zu machen, das die EU unter anderem mit Brasilien beschlossen hat. G7-Gastgeber und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, will wie Irland das Abkommen auf Eis legen, damit sich Bolsonaro bewegt. Merkel ist dagegen. Das eine zu stoppen, bedeutet noch nicht, dass der Betroffene dann etwas anderes Gutes macht, ist ihre Haltung. Frankreich und Irland sehen das anders. Wirtschaftlicher Druck führte schon oft zum Erfolg.

Das Wichtigste dürfte jetzt sein, dass Bolsonaro überhaupt internationale Hilfe annimmt. Wie immer in solchen Fällen muss das gesichtswahrend geschehen. Denn er müsste ein Stück weit einlenken. Brüssel oder Berlin könnten keine Feuerwehr schicken. Aber das Technische Hilfswerk könnte geschickt werden - oder Geld. Im Grunde gibt es kaum eine bessere Gelegenheit für Soforthilfe als diesen G7-Gipfel, wenn die Regierenden vergleichsweise reicher Staaten wie die USA, Kanada, Japan, Großbritannien, Italien, Frankreich und Deutschland in einem Luxushotel am Strand zusammensitzen. Auch wenn ihre Tagesordnung bis Montagmittag lang ist, der Regenwald steht ganz oben an.

Vielleicht wird er sogar noch das Thema sein, bei dem die Staats- und Regierungschefs einen gemeinsamen Nenner finden können. Beim eskalierenden Handelsstreit zwischen den USA und China oder beim Konflikt mit dem Iran nach der Kündigung des Atomabkommens durch die USA oder beim Brexit wird so gut wie keine Annäherung erwartet. Auch diese Probleme stehen nicht auf dem Programm in Biarritz, wo es in erster Linie um Ungleichheiten in der Welt, die Partnerschaft mit Afrika und eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik geht. Aber es sind die Topthemen, die mitschwingen. Denn dafür ist ein solches Treffen da: Dass die großen Player zusammenkommen und miteinander reden.

Mehr von RP ONLINE