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Uno: Mehr als 330 Tote während Waffenruhe in Ostukraine

Kiew bittet EU um Hilfe : Uno: Mehr als 330 Tote während Waffenruhe in Ostukraine

Inmitten wieder aufflammender Kämpfe im Osten der Ukraine hat Kiew Gesandte mit der Bitte um Unterstützung nach Brüssel geschickt.

Außenminister Pawlo Klimkin reiste am Mittwoch zum Antrittsbesuch beim neuen Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg, während Vize-Regierungschef Wolodymyr Grossman Gespräche mit der EU-Kommission führen sollte. Nach UN-Angaben wurden seit Beginn der Waffenruhe in der Ostukraine vor einem Monat mehr als 330 Menschen bei Kämpfen getötet.

Klimkin erklärte am Mittwoch, Grossman werde sich bei der EU-Kommission um Hilfe für die Bewohner im umkämpften Osten des Landes bemühen. Zudem werde er einen Plan vorstellen, die betroffenen Zivilisten aus der Konfliktzone in Sicherheit zu bringen. Deutschland hat bereits einen Hilfskonvoi in die Ukraine entsandt, um vor Einbruch des Winters dringend benötigte Güter für die hunderttausenden Flüchtlingen aus der Ostukraine zu liefern.

Die ukrainische Zentralbankchefin Valeria Gontorewa will unterdessen laut der Regierung in Kiew zum Internationalen Währungsfonds (IWF) nach Washington reisen, um dort um die beschleunigte Auszahlung oder Aufstockung eines Hilfskredits von 17,1 Milliarden Dollar (13,5 Milliarden Euro) zu bitten. Ministerpräsident Arseni Jazenjuk sagte dem Kabinett, Gontorewa werde den IWF auffordern, "sein Programm zu ändern, um die aktuellen Realitäten zu berücksichtigen".

Die Europabeauftragte im US-Außenministeriumm, Victoria Nuland, sagte derweil beim Besuch eines Stützpunkts der ukrainischen Grenzschützer zusätzliche zehn Millionen Dollar für Schutzausrüstung zu. Die ukrainischen Streitkräfte haben bei den monatelangen Kämpfen im Osten schwere Verluste an Soldaten und Ausrüstung erlitten. Zwar gilt seit dem 5. September offiziell eine Waffenruhe, doch werden dennoch fast täglich Gefechte aus den Rebellenhochburgen Donezk und Lugansk gemeldet.

Laut dem ukrainischen Militärsprecher Andrej Lyssenko wurden in Donezk binnen 24 Stunden drei Soldaten getötet. Die Stadtverwaltung meldete drei getötete Zivilisten nach Mörserbeschuss. In Donezk versuchen die prorussischen Separatisten seit Wochen, den Flughafen der Kontrolle der Regierungstruppen zu entreißen, doch wurden bisher alle Angriffe auf die strategisch wichtige Anlage zurückgeschlagen. Auch aus Lugansk wurde am Mittwoch Mörserbeschuss gemeldet.

Insgesamt schon 3660 Tote

Laut ukrainischen der Armee wurden damit seit Beginn der Waffenruhe mehr als hundert Soldaten und Zivilisten bei Kämpfen getötet. Die UN-Menschenrechtskommission erklärte jedoch am Mittwoch, zwischen dem 6. September und dem 6. Oktober seien mindestens 331 Menschen getötet worden. Insgesamt habe es seit Beginn des Konflikts im April mindestens 3660 Tote und 8756 Verletzte geben, rund 376.000 Menschen seien in die Flucht getrieben worden.

Eine Gruppe von 35 UN-Beobachtern stellte zwischen dem 18. August und dem 16. September zudem zahlreiche Menschenrechtsverletzungen fest. "Bewaffnete Gruppen terrorisieren die Bevölkerung in den von ihnen kontrollierten Gebieten mit Entführungen, Folter und Misshandlungen", erklärte die Menschenrechtskommission mit Blick auf die Rebellen. Allerdings gebe es auch schwere Vorwürfe gegen Armeeeinheiten und regierungstreue Freiwilligenverbände.

Zwischen dem 24. August und dem 5. September sei die Zahl der Gefangennahmen durch Rebellengruppen stark angestiegen und es lägen alarmierende Berichte über Folter, Misshandlung und sexuelle Übergriffe gegen Gefangene vor, hieß es in dem UN-Bericht. Aber auch Polizei und Armee sei die Misshandlung von Häftlingen vorgeworfen worden. Hunderte Menschen würden in der Region vermisst oder seien entführt worden.

Laut dem Bericht erhielten die UN-Beobachter Informationen über Massengräber mit rund 400 Leichen in Gebieten von Donezk, die unter Kontrolle der ukrainischen und der prorussischen Kräften gestanden hätten. Demnach erhielten sie jedoch keinen Zugang zu dem Gebiet.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Ukraine: Im Luftschutzkeller von Donezk

(AFP)