Werte des Islam und des Westens keine Gegensätze: UN-Generalsekretär warnt vor "Kampf der Kulturen"

Werte des Islam und des Westens keine Gegensätze : UN-Generalsekretär warnt vor "Kampf der Kulturen"

Tübingen (rpo). Kofi Annan, seines Zeichens Generalsekretär der Vereinten Nationen, hat sehr deutlich vor einem weltweiten "Kampf der Zivilisationen" und der Diskriminierung des Islams gewarnt.

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p class="text"><P>Tübingen (rpo). Kofi Annan, seines Zeichens Generalsekretär der Vereinten Nationen, hat sehr deutlich vor einem weltweiten "Kampf der Zivilisationen" und der Diskriminierung des Islams gewarnt.

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p class="text">Auch kaltblütige Terrorakte wie die am 11. September 2001 dürften nicht den Eindruck entstehen lassen, dass Abstraktionen wie "der Islam" und die "westliche Welt" als widerstreitende Gegensätze erscheinen, sagte Annan am Freitag in einer Gastvorlesung an der Universität Tübingen.

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p class="text">Annan sagte, Muslime sollten nicht geschmäht oder verfolgt werden, weil sie sich etwa mit den Palästinensern, den Irakern oder den Tschetschenen identifizierten - egal was man von den nationalen Ansprüchen dieser Völker oder von deren Handelm denken möge.

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p class="text">Er ergänzte, Millionen Muslime in Deutschland und anderswo bewiesen, dass sich islamische und westliche Werte gut vereinbaren lassen. Trotzdem schlage Muslimen im Westen derzeit oft Misstrauen entgegen, manche würden sogar belästigt oder diskriminiert. Dabei könne sich aber niemand auf die Verteidigung universaler Werte wie Frieden, Menschenrechte, Rechtstaatlichkeit, Gleichheit und Toleranz berufen. Auch Gesellschaften, die sich selbst modern nennen, seien nicht automatisch tolerant. "Sogar überzeugte Liberale oder Demokraten können manchmal bemerkenswert intolerant gegenüber anderen Meinungen sein."

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p class="text">Ganze Religionen nicht wegen wenigen Fanatikern verurteilen

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p class="text">Annan mahnte dazu, Religionen oder ethische Systeme niemals zu verurteilen, nur weil sich manche ihrer Anhänger moralisch falsch verhielten. Mit Blick auf die USA sagte er, es könne zwar stimmen, dass sich Toleranz und Dialogbereitschaft in einer Gesellschaft mit Hilfe von freien Wahlen, Gewaltenteilung und einem Mehrparteien-System befördern ließen. Aber nur weil einem dieses Regierungssystem nützlich erscheine, "sollte keine Gesellschaft meinen, dass sie das absolute Recht oder die Verpflichtung dazu hat, dieses System auf andere zu übertragen".

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p class="text">Möglicherweise in Anspielung auf das Gefangenenlager der USA in Guatanamo auf Kuba sagte Annan weiter: "Diejenigen, die bestimmte Werte heute am lautesten predigen - wie etwa Freiheit, Rechtstaatlichkeit und Gleichheit vor dem Gesetz - haben eine besondere Verpflichtung, diesen Werten auch in ihren eigenen Leben und Gesellschaften gerecht zu werden - und sie sowohl auf ihre Feinde wie auf ihre Freunde anzuwenden."

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p class="text">Globalisierung habe Kluft zwischen Arm und Reich vergrößert

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p class="text">Annan kritisierte, dass die Globalisierung weltweit die Kluft zwischen Arm und Reich sowie zwischen Mächtigen und Wehrlosen vergrößert habe, und zwar sowohl innerhalb der Gesellschaften als auch unter den Staaten. Leider vollziehe sich der Globalisierungsprozess losgelöst von universalen Werten, wie sie seit Jahrzehnten von der UN vertreten würden, sagte er. Dazu zählten etwa das Recht auf ein gesundes Leben inklusive Essen, Kleidung, Wohnung sowie medizinische und soziale Versorgung. Dieses Recht werde weltweit noch immer vielen Millionen Menschen vorenthalten. Zudem drohe der Kampf gegen Armut, Hunger und für soziale Gerechtigkeit aktuell in Vergessenheit zu geraten, weil sich die internationale Diskussion nun auf Fragen von Krieg und Frieden fokussiere.

Annan betonte die Wichtigkeit der Vereinten Nationen bei der Gestaltung der Nachkriegsordnung im Irak. Jetzt sei die Zeit, gemeinsame Schritte zu finden, um den Irak zu stabilisieren. Die Besatzungsmacht und die Koalition müsse die Situation schaffen, damit sich die UN wieder verstärkt im Irak engagieren könne. "Wir möchten dem irakischen Volk so viel wie möglich helfen." Die UN hatte nach dem Anschlag auf ihr Hauptquartier im August den Großteil ihrer Mitarbeiter aus dem Kriegsgebiet abgezogen.

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