Hat Russland geholfen?: Ukrainisches Militärflugzeug abgeschossen

Hat Russland geholfen?: Ukrainisches Militärflugzeug abgeschossen

Im Osten der Ukraine wird erbittert um die Rebellenhochburgen Lugansk und Donezk gekämpft. An der Grenze wird ein Militärflugzeug abgeschossen. Kiew deutet an, dass Russland dafür verantwortlich sein könnte. Ein Waffenexperte bezweifelt das.

Die ukrainische Regierung wirft Russland massive militärische Unterstützung der ins Hintertreffen geratenen Separatisten im Osten des Landes vor. Ein am Montag an der Grenze abgeschossenes Transportflugzeug des Militärs mit bis zu 20 Personen an Bord sei möglicherweise von russischem Staatsgebiet aus getroffen worden, sagte der ukrainische Verteidigungsminister Waleri Geletej.
Präsident Petro Poroschenko beklagte die Lieferung russischer Raketenwerfer über die Grenze.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow forderte die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa in einem Brief auf, Beobachter in die von Kämpfen betroffenen russischen Grenzstädte zu schicken. In einem Gespräch mit dem OSZE-Vorsitzenden und Schweizer Präsidenten Didier Burkhalter rief er zudem für die Wiederaufnahme der Verhandlungen über einen Waffenstillstand auf.

Geletej zufolge flog die Antonow-26 der ukrainischen Streitkräfte in einer Höhe von 6500 Metern und damit viel zu hoch für die Waffen der Separatisten, die im Osten der Ukraine gegen die Zentralregierung kämpfen. Diese bekannten sich allerdings zu dem Angriff.

Ein Waffenexperte in London, Charles Heyman, reagierte skeptisch auf Geletejs Angaben. "Ich bezweifle, dass das Transportflugzeug in 6500 Metern Höhe flog, sagte der Autor des Handbuchs "Armed Forces of the European Union". "Das ergibt keinen Sinn:Je höher man fliegt, desto höher die Kosten, und das Flugzeug müsste eine Druckkabine haben." Die Antonow sei vermutlich von SAM-6-Raketen der Rebellen getroffen worden.

Poroschenko sagte, auch am Boden seien Soldaten mit Waffen aus Russland angegriffen worden. Bei einem Treffen mit seinem Sicherheitsstab erklärte er: "In den vergangenen drei Tagen wurden die Streitkräfte der Ukraine mit russischen Raketenwerfern angegriffen." Es gebe auch Hinweise, dass russische Heeresoffiziere in die Kampfhandlungen verwickelt seien.

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Der Abschuss der Militärmaschine ist ein Rückschlag für die Regierung, die im Kampf gegen die Separatisten in den vergangenen zwei Wochen deutlich an Boden gewinnen konnte und die Aufständischen in die Großstädte Donezk und Lugansk zurückdrängte. Rund um Lugansk zogen die ukrainischen Regierungstruppen ihren Belagerungsring immer enger. Soldaten hätten mehrere Dörfer in der Umgebung unter ihre Kontrolle gebracht und einen Korridor zum Flughafen wieder hergestellt, teilte das Verteidigungsministerium am Montag mit.
Einige der Kämpfer versuchten demnach bereits, aus der Stadt zu flüchten.

Auch die Rebellen meldeten allerdings auch neben dem Abschuss der Militärmaschine neue Erfolge. Die Aufständischen hätten einen ukrainischen Militärkonvoi in einem Dorf zehn Kilometer westlich des Flughafens zerstört und dabei mindestens drei Soldaten getötet, sagte eine Sprecherin der Volksrepublik von Lugansk.

Die Dörfer, die das Militär nach Angaben des Verteidigungsministeriums erobert hatte, liegen nördlich, westlich und südlich der 400000-Einwohner-Stadt - ein Anzeichen, dass der geplante Belagerungsring der Regierungstruppen Form annimmt.

Ein Bewohner der Stadt sagte der Nachrichtenagentur AP, dass in Lugansk Panik um sich greife, weil es Berichte gebe, wonach ukrainische Fallschirmjägereinheiten in die Stadt eingedrungen seien und Rebellen festnähmen. Ausfahrten aus der Stadt seien blockiert worden und Autos von Bewohnern, die flüchten wollten, würden beschlagnahmt, sagte der Bewohner, der seinen Namen nur mit Sergej angeben wollte. Der militärische Anführer des Aufstands, Igor Girkin, hatte am Wochenende angekündigt, dass er und seine Mitstreiter erbittert um Lugansk kämpfen würden.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die Trümmer des ukrainischen Miltiärflugzeugs

(ap)
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