Polizei löst Proteste in Kiew gewaltsam auf: Ukrainische Opposition ruft Generalstreik aus

Polizei löst Proteste in Kiew gewaltsam auf : Ukrainische Opposition ruft Generalstreik aus

In der ukrainischen Hauptstadt Kiew hat die Polizei am Samstag gewaltsam ein Protestlager von Europa-Befürwortern aufgelöst. Die Opposition des Landes kündigte daraufhin einen Generalstreik im Land an.

Behelmte Beamte mit Schutzschildern stürmten die Versammlung der Regierungsgegner auf dem Unabhängigkeitsplatz und setzten dabei Schlagstöcke und Blendgranaten ein. Mehrere Demonstranten mussten medizinisch behandelt werden. Die Opposition verurteilte die Polizeirazzia und kündigte einen landesweiten Streik an.

Erstmals scheinen dabei die bisher zerstrittenen Gegner von Präsident Viktor Janukowitsch gemeinsam an einem Strick zu ziehen. Die Vorbereitungen für den Ausstand liefen bereits, sagte einer der drei Oppositionschefs, Arseni Jazenjuk, vor Journalisten. Außerdem werde ein "Hauptquartier des Nationalen Widerstands" eingerichtet. Ziel sei es, die Regierung zu stürzen und vorgezogene Parlaments- und Präsidentenwahlen zu erzwingen.

Die inhaftierte Oppositionspolitikerin und frühere Ministerpräsidentin Julia Timoschenko rief in einem Schreiben dazu auf, gegen Janukowitsch aktiv zu werden. "Am wichtigsten ist es, die Plätze nicht zu verlassen, bis die Autoritäten auf friedlichem Weg gestürzt wurden."

Die Proteste rufen Erinnerungen an die Orange Revolution von 2004/05 wach, die allerdings weitgehend friedlich verlaufen waren. Bereits am Freitag hatten sich die Spannungen in der Ukraine zugespitzt, nachdem Janukowitsch auf dem EU-Osteuropagipfel in der litauischen Hauptstadt Vilnius das Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union wie angekündigt scheitern ließ. Stattdessen strebt er eine engere Zusammenarbeit der früheren Sowjet-Republik mit Russland an. Dies lehnen vor allem jüngere Ukrainer ab, die sich der EU öffnen wollen.

Die Europa-Befürworten versammelten sich bereits am Freitag zu Protesten in der Hauptstadt. Musiker spielten und es herrschte fast Festtagsstimmung auf dem Unabhängigkeitsplatz, bevor die Sicherheitskräfte eingriffen. Die Bereitschaftspolizei sei aktiv geworden, nachdem die Demonstranten Müll, Flaschen, Wasserflaschen und Fackeln auf Beamte geworfen hätten, teilte das Innenministerium mit. Zunächst wurden 35 Menschen festgenommen, später jedoch wieder freigelassen.

Mehrere Demonstranten wurden am Freitag und Samstag verprügelt, darunter auch ein Reuters-Kameramann und -Fotograf. Regierungstreue entfernten Anti-Janukowitsch-Poster und politische Graffiti.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Polizei löst Demonstration in Kiew auf

(REU)
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