Ukraine: Prorussische Milizionäre besetzen TV-Sender in Donezk

Sturmangriff mit Baseballschlägern : Separatisten besetzen TV-Sender - Straßenschlacht mit Fußball-Fans

Prorussische Milizionäre haben am Sonntag in der ostukrainischen Stadt Donezk das Gebäude des regionalen Fernsehsenders besetzt. Mehrere Dutzend mit Baseball-Schlägern bewaffnete Kämpfer in Tarnanzügen drangen in das Gebäude ein. In Charkow kam es zu blutigen Auseinandersetzungen mit pro-ukrainischen Fußball-Fans.

Bei der Massenschlägerei zwischen ukrainischen Fußballfans und prorussischen Angreifern wurden in Charkow mindestens 14 Menschen verletzt. Die Anhänger der sonst verfeindeten Clubs Metalist Charkow und Dnjepr Dnjepropetrowsk hatten gemeinsam für eine vereinte Ukraine demonstriert, als sie von moskautreuen Aktivisten mit Knüppeln angegriffen wurden, teilte die Polizei am Sonntag mit. In Charkow waren schon mehrfach proukrainische Demonstranten attackiert worden.

In Donezk hatten wenige Stunden zuvor einige Dutzend Separatisten einen lokalen TV-Sender besetzt. Sie kontrollierten anschließend den Eingang, wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Niemandem wurde Zutritt zu dem Sender gewährt.

Die Demonstranten hissten die Fahne der separatistischen Donezker Volksrepublik und kündigten einen eigenen Sendebetrieb an, berichteten örtliche Medien am Sonntag.

Zuvor hatten Hunderte Teilnehmer einer Kundgebung gefordert, ukrainische Sendungen durch ein russisches Programm zu ersetzen.

Seit Mitte April hatten Kreml-treue Aktivisten fast ein dutzend ostukrainische Städte und besetzten Verwaltungsgebäude gestürmt. Auch das Rathaus der ostukrainischen Stadt Donezk wurde besetzt, in Slawjansk ernannte sich Milizenführer Wjatscheslaw Ponomarew eigenmächtig zum Bürgermeister.

Kiew und der Westen machen Russland für die Unruhen in der Ostukraine verantwortlich. Sie werfen der Regierung in Moskau vor, nach der Annexion der Schwarzmeerhalbinsel Krim im März nun auch die Milizen in der Ostukraine mit professionell ausgerüsteten Sondereinsatzkräften zu unterstützen. Russland weist die Vorwürfe kategorisch zurück.

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(AFP dpa)