Ukraine-Krise - Separatisten und Militär vereinbaren kurze Feuerpause

Ukraine-Krise : Frontstadt Debalzewo wird evakuiert

In der umkämpften ostukrainischen Stadt Debalzewo haben sich das Militär und die prorussischen Aufständischen auf einen humanitären Korridor geeinigt. Bis zum Nachmittag soll nicht mehr geschossen werden, damit Zivilisten das Kampfgebiet verlassen können.

In den Ukraine-Konflikt kommt Bewegung. Während Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident François Hollande ihre diplomatische Blitzinitiative fortsetzten, einigten sich Rebellen und Regierungstruppen in der Ostukraine am Freitag auf eine Waffenruhe zur Evakuierung der umkämpften Stadt Debalzewo.

Merkel und Hollande sollten am Abend den russischen Präsidenten Wladimir Putin treffen. Am Donnerstag hatten die beiden bereits dem ukrainischen Staatschef Petro Poroschenko ihre Friedensinitiative vorgelegt. Dabei soll es sich Diplomatenangaben zufolge um eine überarbeitete Version eines neunseitigen russischen Plans handeln, aus dem die für Kiew und den Westen unannehmbaren Punkte gestrichen worden seien. Teil der Vorschläge ist eine Ausweitung der Autonomie für die Region Donbass und der Schutz der dortigen russischen Sprache und Kultur.

Der ukrainische Außenminister Pawel Klimkin schrieb nach dem Treffen auf Twitter, es sei um Wege gegangen, wie "das Minsker Abkommen wieder funktionieren" könne. Damit meinte er eine im September vereinbarte, aber nie konsequent eingehaltene Waffenruhe in der Ostukraine.

Zumindest örtlich und zeitlich begrenzt einigten sich die Konfliktparteien am Freitag auf eine neue Feuerpause. Für die Bewohner von Debalzewo, einen strategisch gelegenen Bahnknotenpunkt, wurde ein humanitärer Korridor eingerichtet, um aus der Stadt zu fliehen. Die Stadt war in den vergangenen Wochen eines der Hauptziele der Rebellen gewesen.

Sorian Schkirjak vom ukrainischen Innenministerium schrieb auf Facebook, der "grüne Korridor" sei bestätigt worden. Der Rebellensprecher Eduard Bassurin erklärte, am Freitag sollten rund 1000 Zivilisten aus der Stadt gebracht werden. Sie hätten die Wahl, ob sie in von der Regierung oder von den Rebellen kontrollierte Gebiete fliehen wollten.

Die Waffenruhe schien zu halten, als ein Konvoi aus mehreren Dutzend Bussen aus dem nahe gelegenen Wuhlehirsk nach Debalzewo fuhr. In der Stadt hatten die Bewohner fast zwei Wochen lang ohne Strom, Heizung oder fließendes Wasser ausgeharrt.

Auf halbem Weg nach Debalzewo wurde der Konvoi von einem Panzerfahrzeug der ukrainischen Armee in Empfang genommen. Soldaten richteten ihre Waffen auf nahe gelegene Hügel, um bei einem Angriff zurückfeuern zu können. Außerhalb der Stadt waren weitere Armeefahrzeuge geparkt. In der Ferne war Artilleriefeuer zu hören, aber rund um die Stadt blieb es zunächst ruhig.

Mit Spannung wurde erwartet, ob der Vorstoß von Merkel und Hollande auch eine weiter gefasste Waffenruhe nach sich ziehen könnte. In Donezk etwa schlugen in der Nacht wieder mehrere Artilleriegeschosse ein. Die Friedensmission ist Merkels erste Reise nach Moskau seit Beginn der Kämpfe in der Ukraine vor einem Jahr.

Die eskalierende Gewalt in der Ostukraine ist auch zentrales Thema der Münchner Sicherheitskonferenz von Freitag bis Sonntag. US-Außenminister John Kerry reiste direkt von Kiew nach München, Merkel wurde dort am Samstag nach ihrem Treffen mit Putin erwartet.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Gefechte um Debalzewe - Ukrainer fliehen vor dem Krieg

(dpa)