1. Politik
  2. Ausland

Ukraine Krieg - Krim: Rätselraten um Ursache von Explosionen auf russischem Stützpunkt​

Rauchwolken auf der Krim : Rätselraten um schwere Explosionen auf russischer Luftwaffen-Basis

Russland hat die Halbinsel Krim 2014 der Ukraine weggenommen. Es nutzt die Perle des Schwarzen Meeres als Militärbasis und als Ferienparadies. Nun kam es dort zu schweren Explosionen.

Gewaltige Explosionen haben am Dienstag eine wichtige russische Luftwaffenbasis auf der 2014 annektierten Halbinsel Krim erschüttert. In sozialen Netzwerken kursierten Videos, die Detonationen und große Rauchwolken direkt in der Nähe von Schwarzmeer-Badestränden zeigten. Sie sollen bei dem Dorf Nowofjodorowka unweit des Seebades Jewpatorija aufgenommen worden sein. Touristen verließen das Gebiet fluchtartig; Videos zeigten angebliche Staus vor der Brücke von Kertsch Richtung Russland. Unklar sind nicht nur die Auslöser der Explosionen, sondern auch ihre Folgen.

Aus Russland hieß es zunächst, ein Mensch sei getötet worden. Das teilte Krim-Chef Sergej Aksjonow nach Angaben russischer Agenturen mit. Neun weitere Menschen, darunter zwei Kinder, wurden nach örtlichen Angaben verletzt. Die Nachrichtenagentur Ria Nowosti meldete hingegen, es sei keine militärische Ausrüstung beschädigt worden, und es habe keine Verletzten oder Toten gegeben. Die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass meldet wiederum, dass bei einer Detonation auf dem Luftwaffenstützpunkt Saky auf der Krim fünf Menschen verletzt worden seien, darunter ein Kind. Tass beruft sich auf den Chef der Gesundheitsbehörden auf der Halbinsel im Schwarzen Meer.

Auch die Ursache der Explosionen auf dem Stützpunkt Saki war zunächst unklar. Das ukrainische Verteidigungsministerium teilte mit, es könne nichts zur Ursache sagen. Beobachter vermuteten einen Sabotageakt, da die ukrainischen Truppen auf dem Festland mehr als 200 Kilometer entfernt sind. Dem bisherigen Kenntnisstand zufolge verfügt die ukrainische Armee über keine Raketen dieser Reichweite, auch nicht durch die Waffenlieferungen aus dem Ausland.

Das russische Verteidigungsministerium dementierte einen Angriff auf die Luftwaffenbasis. Eine Quelle im russischen Verteidigungsministerium nannte einen Verstoß gegen Brandschutzregeln als wahrscheinlichste Ursache für die Explosionen.

Ein Bericht der „New York Times“ sprach aber unter Berufung auf eine ukrainische Militärquelle von einem Angriff. Dabei sei eine von der Ukraine selbst entwickelte Waffe eingesetzt worden, zitierte die Zeitung einen ranghohen ukrainischen Militär. „Das war ein Luftwaffenstützpunkt, von dem regelmäßig Flugzeuge zu Angriffen auf unsere Kräfte an der südlichen Front gestartet sind“, sagte der Offizier den Angaben nach. Bei der Attacke hätten auch örtliche Partisanen, die loyal zur Ukraine stehen, eine Rolle gespielt.

  • Der russische Außenmister Sergej Lawrow (Archivbild).
    Russland will Selenskij-Regierung entfernen : Lawrow bestätigt Pläne für Regimewechsel in der Ukraine
  • Demonstrantinnen mit einem Putin-Hitler-Plakat bei einer
    Provokanter Vergleich : Agiert Putin wie Hitler?
  • Kartendienst mit unterschiedlichen Versionen : Bei Google Maps Russland gehört die Krim nicht mehr zur Ukraine

Ein massiver Angriff auf russische Militäreinrichtungen auf der Krim wäre für die Ukraine der zweite symbolträchtige Erfolg. Doch die Ukraine übernimmt nach den Worten des ukrainischen Präsidentenberaters Mychajlo Podoljak nicht die Verantwortung für die Explosionen. Auf die Frage des unabhängigen russischen Fernsehsenders „Doschd“, ob Kiew die Verantwortung trage, antwortete er: „Natürlich nicht. Was haben wir damit zu tun?“ Er deutete an, dass möglicherweise Partisanen beteiligt waren.

Der 9. August sei der Internationale Tag der indigenen Völker, erklärte Vizeregierungschefin Iryna Wereschtschuk. Dazu zählten in der Ukraine die Krimtataren, Karaimen und die Krimtschaken. „Die heutigen Explosionen in Nowofjodorowka sind ein weiterer Beleg dafür, wem die Krim gehört.“

Mitte April war auf der Krim der Kreuzer „Moskwa“ versenkt worden, das Flaggschiff der russischen Schwarzmeerflotte. Russland sieht die Krim als ihr Staatsgebiet an und hat mehrfach mit Vergeltung gedroht, falls die Ukraine die Halbinsel angreifen sollte. International wird die Halbinsel mit ihren mehr als zwei Millionen Einwohnern weiter als ukrainisches Territorium angesehen.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nahm die Berichte über eine Explosion auf der Krim zum Anlass, abermals eine Rückeroberung der von Russland annektierten Halbinsel Krim zu versprechen. „Dieser russische Krieg gegen die Ukraine und gegen das gesamte freie Europa hat mit der Krim begonnen und muss mit der Krim enden - mit ihrer Befreiung“, sagte Selenskyj am Dienstag in seiner allabendlichen Videobotschaft. Zwar sei es aktuell unmöglich, den Zeitpunkt zu nennen. Doch füge man „der Formel für die Befreiung der Krim“ stetig die notwendigen Elemente bei.

(peng/dpa/Reuters)