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Ukraine: Kiew meldet Kramatorsk wieder unter Kontrolle

Kiew: Kramatorsk wieder unter Kontrolle : In der Ukraine hat der Bürgerkrieg begonnen

Während hinter den Kulissen wieder die diplomatischen Kanäle heiß laufen, meldet Kiew einen Erfolg: Während im Osten des Landes die gewaltsamen Auseinandersetzungen weiter gehen, ist bei der Offensive gegen prorussische Separatisten in der Stadt Kramatorsk die Kontrolle durch ukrainische Kräfte übernommen worden.

Dabei sind ukrainischen Sicherheitskräften zufolge mindestens sechs Aktivisten getötet und 15 verletzt worden. Die Regierungseinheiten hätten nach zweitägigen Kämpfen fast alle besetzten Verwaltungsgebäude von den Protestführern geräumt, teilte die Führung in Kiew mit. Ein Sprecher der moskautreuen "Volksmilizen" bestätigte, dass nur noch eine Behörde in der Hand der Separatisten sei.

Die Aktivisten würden sich nun in der benachbarten Stadt Slawjansk mit Barrikaden auf weitere Angriffe der Sicherheitskräfte vorbereiten, teilte einer der Sprecher der Separatisten am Samstag mit. "Am Stadtrand ziehen die Regierungstruppen Panzerfahrzeuge zusammen. Wir richten uns auf einen Sturm ein", sagte er nach Angaben der ukrainischen Agentur Unian. In Slawjansk waren am Morgen mehrere OSZE-Beobachter, darunter vier Deutsche, nach einwöchiger Geiselnahme freigelassen worden.

In Slawjansk sollen zudem wieder mehrere Menschen getötet worden sein. Ein Sprecher der moskautreuen Aktivisten sagte am Samstag der russischen Staatsagentur Itar-Tass, elf Zivilisten und vier Bewaffnete seien ums Leben gekommen. Eine unabhängige Bestätigung gab es dafür nicht. Die Separatisten erklärten, militante Ultranationalisten hätten im Schutz der Regierungstruppen auf unbewaffnete Bürger geschossen. Im nahen Dorf Andrejewka seien am Vorabend zehn Menschen getötet und 40 verletzt worden

In der Gebietshauptstadt Donezk besetzten maskierte und mit Knüppeln bewaffnete Demonstranten hingegen am Abend ein Gebäude des Geheimdienstes SBU. Die Polizei habe nicht eingegriffen, hieß es. Auch in der Stadt Gorlowka erstürmten moskautreue Aktivisten ein Verwaltungsgebäude.

Steinmeier telefoniert mit Lawrow

Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat in einem Telefonat mit seinem deutschen Amtskollegen Frank-Walter Steinmeier vor einer Welle der Gewalt in der Ostukraine gewarnt. Er habe die Sorge, dass nach der Freilassung der OSZE-Geiseln die ukrainischen Truppen nun zum Großangriff gegen die Separatisten übergehen, sagte Lawrow am Samstag nach Angaben seines Ministeriums.

Beide Minister hätten ihre Bereitschaft bekundet, gleichberechtigte Verhandlungen zwischen der Zentralmacht in Kiew und den "Repräsentanten" im Südosten des Landes zu ermöglichen, hieß es in Moskau. Die Gespräche sollten unter Führung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) geführt werden.

Steinmeier habe sich bei dem Gespräch mit Lawrow für den Einsatz des Kreml-Sondergesandten Wladimir Lukin bei der Freilassung der westlichen Militärbeobachter durch die Separatisten in Slawjansk bedankt.

Russland hat außerdem von den USA mehr Druck auf die Führung in Kiew gefordert. Die prowestliche Regierung der Ex-Sowjetrepublik müsse die Kampfhandlungen im Osten des Landes sofort stoppen und die Sicherheitskräfte abziehen, sagte Lawrow am Samstag bei einem Telefonat mit seinem US-Kollegen John Kerry. "Die Offensive stürzt die Ukraine in einen Brudermord", sagte Lawrow nach Angaben seines Ministeriums.

Bei einem Telefonat mit dem OSZE-Vorsitzenden Didier Burkhalter vereinbarte Russlands Chefdiplomat einen engen Dialog. Moskau und die OSZE wollten gemeinsam einen Weg aus der Krise suchen, sagte Lawrow.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Mehrere Tote bei Einsatz in der Ost-Ukraine

(dpa)