Ukraine: Kiew meldet Kämpfe gegen russische Panzer in Ostukraine

Ukraine : Kiew meldet Kämpfe gegen russische Panzer in der Ost-Ukraine

Die ukrainische Armee kämpft nach Angaben aus Kiew nahe der südöstlichen Stadt Mariupol am Schwarzen Meer gegen dutzende aus Russland eingerollte Panzer und Militärfahrzeuge. Moskau kündigte einen zweiten Hilfskonvoi an.

Etwa 50 gepanzerte Fahrzeuge aus Russland sollen nach ukrainischen Militärangaben im Südosten über die Grenze eingedrungen sein. Ein Armeesprecher sagte der Kiewer Zeitung "Segodnja" zufolge, damit solle vermutlich eine "zweite Front" gegen die Regierungseinheiten bei der Hafenstadt Mariupol am Asowschen Meer eröffnet werden.

Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats der Ukraine, Andrej Lyssenko, sagte, eine Kolonne mit zehn Panzern, zwei gepanzerten Fahrzeugen und zwei Lastwagen habe in der Nähe von Schtscherbak im äußersten Südosten die Grenze überquert. Es handle sich um russische Militärfahrzeuge, die die Flagge der prorussischen Separatisten im ostukrainischen Donezk aufgezogen hätten. In der Nacht zuvor sei die nahegelegene Stadt Nowoasowsk von russischem Territorium aus beschossen worden.

Der russische Außenminister Lawrow sagte, er habe keine Informationen über die Kolonne. Separatistenführer Andrej Purgin wies Berichte über Verstärkung aus Russland zurück. Kämpfer der Separatisten versuchten demnach, bei Nowoasowsk Teile der ukrainischen Nationalgarde einzukreisen.

Bereits Mitte August hatten westliche Journalisten berichtet, sie hätten einen russischen Militärkonvoi beim Eindringen in die Ukraine beobachtet. Später erklärte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko, die meisten Fahrzeuge seien zerstört worden. Russland erklärte damals, kein russischer Militärkonvoi habe die Grenze überquert.

Das Gebiet im Südosten der Ukraine liegt ein Stück entfernt von der zuletzt zwischen ukrainischer Armee und Separatisten besonders umkämpften Region. Es ist von strategischer Bedeutung. Die Region bildet die Landverbindung zwischen Russland und der von Moskau im Frühjahr annektierten Halbinsel Krim.

Das mutmaßliche Eindringen und der Beschuss könnten bedeuten, dass Einheiten die Stadt Mariupol am Schwarzen Meer ins Visier nehmen. Lyssenko sagte zwar, in Mariupol gebe es genügend Verteidiger, die jeden Angriff ungebetener Gäste zurückschlagen könnten, sollte es in der Gegend aber tatsächlich zu Kämpfen kommen, wäre die ukrainische Armee möglicherweise gezwungen, Soldaten aus den besonders umkämpften Städten Lugansk und Donezk in den Süden zu verlegen.

Dort wurde auch am Montag weiter gekämpft. Lyssenko zufolge sind bei Gefechten um die Stadt Oleniwka etwa 250 Separatisten gefallen. Er ließ allerdings offen, in welchem Zeitraum dies geschah. Am Sonntag hatten die Rebellen erklärt, sie hätten zwei Drittel der Stadt 25 Kilometer südlich von Donezk erobert.

Russland gab derweil am Montag bekannt, es werde einen zweiten Hilfskonvoi in die Region schicken. Lawrow teilte mit, die ukrainische Regierung sei darüber in Kenntnis gesetzt worden, dass die zweite Lkw-Kolonne mit humanitären Gütern in den kommenden Tagen dieselbe Route benutzen werde wie der erste Konvoi, der am Freitag ohne Genehmigung Kiews nach Lugansk gefahren war.

Die Ukraine hatte dies als "direkte Invasion" kritisiert, den Konvoi aber nicht angegriffen. Auch die USA, die EU und die Nato verurteilten die Aktion. Kiew äußerte mehrfach den Verdacht, der Konvoi diene der Bewaffnung der prorussischen Rebellen, die in den vergangenen Wochen von der ukrainischen Armee zurückgedrängt worden waren. Am Samstag kehrten die mehr als 200 weißen Lkw nach Russland zurück.

Nach Lawrows Angaben begann in Lugansk am Montag die Verteilung der von diesem Konvoi gelieferten Lebensmittel, Wasser und anderer Hilfsgüter mit Beteiligung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz. Eine Bestätigung des Roten Kreuzes dafür lag zunächst nicht vor.

Für Dienstag ist ein Treffen zwischen Poroschenko und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin geplant.

Hier geht es zur Bilderstrecke: August 2014: Russischer Hilfskonvoi auf dem Weg in die Ukraine

(AP AFP)
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