Ukraine-Krieg Kadyrow fordert Einsatz von „Atomwaffen mit geringer Sprengkraft“

Moskau · Während russische Truppen Chef des größten Atomkraftwerks in Europa in der Ukraine verschleppt haben, hat der Tschetschenenführer Ramsan Kadyrow die russische Armee zum Einsatz von „Atomwaffen mit geringer Sprengkraft“ in der Ukraine aufgerufen.

 Ramsan Kadyrow (M), Oberhaupt der russischen Teilrepublik Tschetschenien (Archivbild).

Ramsan Kadyrow (M), Oberhaupt der russischen Teilrepublik Tschetschenien (Archivbild).

Foto: dpa/Friedemann Kohler

„Meiner Meinung nach sollten drastischere Maßnahmen ergriffen werden, bis hin zur Verhängung des Kriegsrechts in den Grenzgebieten und dem Einsatz von Atomwaffen mit geringer Sprengkraft“, erklärte Kadyrow auf Telegram am Samstag nach dem Rückzug der Russen aus der strategisch wichtigen ukrainischen Stadt Lyman.

Der Machthaber der russischen Teilrepublik Tschetschenien prangerte zudem die „Vetternwirtschaft“ in der russischen Armee an. Diese werde „zu nichts Gutem führen“, erklärte er. Zuvor hatte Moskau den Rückzug seiner Truppen aus der Stadt Lyman in Donezk gemeldet. Donezk ist eine der vier ukrainischen Regionen, deren Annexion Russland am Freitag verkündet hatte. An der Zeremonie rund um die Unterzeichnung der Annexionsabkommen hatte auch der kreml-treue Kadyrow teilgenommen.

Unterdessen soll Russland den Chef des größten Atomkraftwerks in Europa in der Ukraine verschleppt haben. Der ukrainische Kernkraftwerksbetreiber Enerhoatom teilte am Samstag mit, der Generaldirektor des von russischen Truppen besetzten Atomkraftwerks Saporischschja, Ihor Muraschow, sei am Freitagnachmittag von einer russischen Patrouille gekidnappt worden. Er sei auf dem Weg von der Atomanlage in die Stadt Enerhodar gewesen.

Nach Angaben von Enerhoatom stoppten die russischen Soldaten Muraschows Auto, verbanden ihm die Augen und brachten ihn an einen unbekannten Ort. Seine Gefangennahme durch die Russen gefährde die Sicherheit der Ukraine und des größten Atomkraftwerks in Europa, erklärte Enerhoatom-Präsident Petro Kotin. Er forderte die unverzügliche Freilassung Muraschows. Russland bestätigte den Fall zunächst nicht.

Die Internationale Atomenergiebehörde erklärte am Samstag mit, Russland habe mitgeteilt, dass der Generaldirektor des Atomkraftwerks vorübergehend festgenommen worden sei, um ihn befragen zu können. Die Behörden äußerte sich nicht näher.

Die Atomanlage ist im russischen Angriffskrieg wiederholt beschossen worden. Nach ihrer Eroberung durch russische Truppen stellte das ukrainische Personal weiter den Betrieb sicher. Der letzte Reaktor der Anlage wurde im September vor dem Hintergrund anhaltenden Beschusses nahe der Anlage heruntergefahren. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA), die Mitarbeiter an der Einrichtung hat, teilte mit, ihr seien die Berichte über die Gefangennahme Muraschows bekannt. Die russischen Behörden seien mit der Bitte um Klarstellung, was passiert sei, kontaktiert worden.

(felt/AFP)
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