U-Boot-Suche: Moskau empfiehlt Schweden einen Anruf in den Haag

Mysteriöses Unterwasserobjekt vor Schwedens Küste : U-Boot-Suche konzentriert sich auf Gebiet rund um Nåttarö

Auf der Suche nach einem mysteriösen Unterwasserfahrzeug haben die schwedischen Streitkräfte am Tag vier offensichtlich eine konkrete Spur verfolgt. Sie konzentrierten sich am Montag auf ein Gebiet rund um die Insel Nåttarö in den südlichen Stockholmer Schären. Zuvor hatten sie bewusst falsche Informationen an die Öffentlichkeit gegeben.

Zivile Boote wurden angehalten, auf Abstand zu bleiben. Auch für den Flugverkehr wurde der Bereich gesperrt. Eine Sprecherin des Militärs sagte den "Dagens Nyheter", die Absperrung habe nichts mit einem aktuellen Fund zu tun. Man wolle lediglich Unfälle vermeiden, weil in dem Gebiet so viele Hubschrauber in der Luft seien. "Es handelt sich um eine Geheimdienstoperationen und wir müssen ungestört arbeiten", sagte Therese Fagerstedt.

Seit Freitag suchen Hubschrauber und Minensuchboote in den Gewässern vor der Hauptstadt Stockholm nach einem ausländischen Unterwasserfahrzeug. Drei Augenzeugen hatten seither unabhängig voneinander von einem auf- und abtauchenden Objekt berichtet. Die Schweden sind deshalb überzeugt, dass sich eine ausländische Macht unerlaubt in ihren Gewässern aufhält.

Gezielt Falschinformationen gestreut

Das schwedische Militär hatte zuvor wissentlich falsche Informationen über die Position gegeben, an der ein U-Boot gesichtet worden sein soll. Die Streitkräfte räumten am Montagabend ein, dass das Foto, das sie am Sonntag dazu veröffentlicht hatten, an einem anderen Ort in den Schären aufgenommen wurde. Man habe die genaue Position nicht freigeben wollen, um dem Gegner keine Vorteile in die Hand zu geben, hieß es zur Erklärung auf der Webseite des Militärs.

In einer Pressekonferenz am Sonntag hatte der stellvertretende Leiter der operativen Streitkräfte, Anders Grenstad, eine Karte präsentiert, auf der drei Stellen markiert waren, an denen Augenzeugen auffällige Beobachtungen im Wasser gemacht hatten. Ein wichtiger Beweis war dabei ein Foto, das angeblich von einem Augenzeugen in der Nähe des Jungfrufjärden gemacht worden war. Das schwedische Fernsehen SVT versuchte am Montag, die Stelle zu finden und stellte fest, dass die Aufnahme an einem anderen Ort entstanden war. Als die Journalisten den Militärsprecher damit konfrontierten, gab er die Falschinformation zu.

Die Zeitung "Svenska Dagbladet" hatte am Wochenende berichtet, dass in den Schären vor Stockholm Funksprüche aufgefangen wurden, darunter ein Notruf in russischer Sprache. Das schwedische Militär wollte den Bericht nicht bestätigen.

Russen bestreiten Anwesenheit

Auch das Verteidigungsministerium in Moskau bestreitet, dass ein russisches U-Boot unerlaubt in schwedische Hoheitsgewässer eingedrungen sei. "Um die Unruhe in der Ostsee zu dämpfen und den schwedischen Steuerzahlern weitere Ausgaben zu ersparen, empfehlen wir, die niederländische Marine zu fragen", zitierten russische Medien einen Sprecher des Verteidigungsministeriums.

Tatsächlich hat ein niederländisches U-Boot in der vergangenen Woche an einer Übung in der Ostsee teilgenommen. Auf der Webseite des schwedischen Militärs heißt es, die Aufgabe der Holländer sei es gewesen, sich zu verstecken und von anderen Einsatzkräften gesucht zu werden.

Nach Angaben der niederländischen Marine waren mehrere U-Boote in der Region. Das mysteriöse Unterwassergefährt in den Schären komme aber nicht aus den Niederlanden. "Das ist absolut nicht wahr", sagte eine Sprecherin des Verteidigungsministerium in Den Haag der Nachrichtenagentur dpa. Die niederländischen U-Boote hätten am Freitag in der estnischen Hauptstadt Tallinn gelegen. "Das können wir auch mit Fotos beweisen." Die U-Boote seien nun auf dem Weg zurück in die Niederlande.

Auch ein russischer Öltanker, der tagelang in der Bucht Kanholmsfjärden kreuzte, hat wohl nichts mit den Vorfällen in den Schären zu tun. Der Besitzer der "NS Concord" teilte mit, er fühle sich geschmeichelt, so viel Aufmerksamkeit zu bekommen. "Allerdings muss ich Ihnen mitteilen, dass an den Bewegungen des Schiffes nichts Ungewöhnliches ist", schrieb Novo-Ship-Manager Juri Zwetkow. Der Öltanker warte nur auf seinen Ladebescheid. Schwedische Medien hatten spekuliert, der Tanker sei das Mutterschiff eines russischen U-Bootes.

(AFP)
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