TV-Duell in Großbritannien: Johnson und Corbyn attackieren sich

„Unmögliche Wahl“ : Heftige Attacken zwischen Johnson und Corbyn in letztem TV-Duell

Für den Labour-Chef ist es wohl die letzte Chance gewesen, vor der Wahl am 12. Dezember öffentlichkeitswirksam Boden gut zu machen. Im TV-Duell mit Premierminister Boris Johnson gibt sich Jeremy Corbyn denn auch angriffslustig.

In ihrem letzten TV-Duell vor der Parlamentswahl in Großbritannien haben sich Premierminister Boris Johnson und Oppositionsführer Jeremy Corbyn scharf attackiert. Johnson versuchte von Corbyn das Bild eines Schwätzers zu zeichnen, der keine klare Haltung zum Brexit habe und das Land in größere Unsicherheit stürzen werde. Der Labour-Chef erinnerte die Wähler an Ausgabenkürzungen der konservativen Regierung. Zudem warf er Johnson vor, nach einem Brexit auf ein Freihandelsabkommen mit den USA aus zu sein, das britischen Interessen schaden könnte.

Die beiden Kontrahenten stellten bei der Debatte im BBC-Studio in Maidstone zudem den Charakter des jeweils anderen infrage. Corbyn demonstriere „Führungsversagen“, weil er Antisemitismus in seiner Partei nicht habe ausmerzen können, kritisierte Johnson am Freitag. Corbyn entgegnete, „Führungsversagen ist, wenn Sie sich rassistischer Bemerkungen bedienen“. In einem Magazinartikel hatte Johnson im vergangenen Jahr etwa muslimische Frauen mit Gesichtsschleier als „Briefkästen“ bezeichnet.

An einer Stelle deutete BBC-Moderator Nick Robinson an, dass die Wähler vor einer „unmöglichen Wahl“ zwischen zwei unpopulären und unglaubwürdigen Parteichefs stünden. Umfragen zufolge liegen Johnsons Konservative indes klar vor der Labour-Partei. Johnson steht einer Minderheitsregierung vor. Von der vorgezogenen Wahl am Donnerstag erhofft er sich eine Mehrheit, um das politische Patt um den EU-Austritt zu beenden. Geht sein Plan auf, will er seinen zuvor durchgefallenen Brexit-Deal mit Brüssel vom Unterhaus ratifizieren lassen und das Vereinigte Königreich zum 31. Januar aus der EU führen.

In der Debatte verglich Johnson seine Brexit-Zusage mit Corbyns Weigerung, sich in der Frage eines Ausstiegs oder Verbleibs in der EU festzulegen. Labour will einen neuen Brexit-Deal aushandeln und das Volk dann darüber abstimmen lassen, ob es die EU auf dieser Grundlage verlassen möchte oder nicht. Corbyn selbst würde bei einem solchen Referendum neutral bleiben.

„Sie können die Ungewissheit beim Brexit nicht beenden, wenn Sie nicht wissen, was das da für ein Deal ist, den sie machen wollen“, stichelte Johnson. „Sie können keinen Deal aushandeln, wenn Sie dazu neutral sind.

Corbyn erklärte, unter einer Johnson-Regierung würde Großbritannien „aus der EU in eine Beziehung mit niemandem wandern“ und Jahre damit zubringen, einen neuen Handelsdeal mit den USA zu schließen. Und dies würde „sieben Jahre völliger Ungewissheit und anhaltender Jobverluste in Produktion und Industrie bringen“.

Auch beim Thema Sicherheit gerieten Johnson und Corbyn aneinander. Hintergrund ist eine jüngste tödliche Messerattacke in London durch einen Mann, der bereits eine Haftstrafe wegen terroristischer Aktivitäten verbüßt hatte. Der Premier warf dem als langjährigen Pazifisten bekannten Labour-Chef Laxheit in der Sicherheitspolitik vor. Corbyn wiederum wies auf Ausgabenkürzungen bei Polizei und Gefängnissystem unter den Konservativen hin.

(hebu/dpa/ap)