"Atlantic Cruiser" im Mittelmeer: Türkei stoppt angeblichen deutschen Waffenfrachter

"Atlantic Cruiser" im Mittelmeer : Türkei stoppt angeblichen deutschen Waffenfrachter

Nach Berichten über mögliche Waffenlieferungen an Syrien hat die Türkei den deutschen Frachter "Atlantic Cruiser" für eine Überprüfung an die Kette gelegt. Das Schiff werde im Hafen der Stadt Iskenderun untersucht, kündigte die türkische Nachrichtenagentur Anadolu am Mittwoch an.

Nach einem tagelangen Versteckspiel in den Gewässern zwischen Zypern, Syrien und der Türkei hatte die "Atlantic Cruiser" in der Nacht die Küste der Mittelmeerstadt angesteuert. Dort war das Schiff von den Türken festgesetzt worden.

Das Schiff werde nun festgehalten, berichtete Anadolu. Geplant sei eine gemeinsame Untersuchung des Schiffes durch Zöllner, Polizisten und Diplomaten. Die syrische Opposition hatte über schwere Waffen sowie Munition an Bord der "Atlantic Cruiser" berichtet. Das Schiff habe aus dem ostafrikanischen Dschibuti kommend am Freitag Kurs auf den syrischen Hafen Tartus genommen. Am Wochenende hatte die "Atlantic Cruiser" jedoch nach Informationen von Ortungsdiensten ihren Kurs geändert. Dabei konnte sie zeitweise nicht mehr lokalisiert werden.

Die EU-Staaten haben wegen der brutalen Unterdrückung der Protestbewegung in Syrien verschiedene Sanktionen gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad verhängt. Dazu gehört auch ein Waffenembargo.

Reederei weiß nichts von Waffen

Die deutsche Reederei des Frachters, Bockstiegel (Emden), hat nach eigenen Angaben keine Hinweise auf eine Waffenladung für das Krisenland. Nach Unterlagen der Reederei handelt es sich bei der für Syrien bestimmten Ladung um Teile eines Thermalkraftwerks, die von einem indischen Kraftwerkshersteller für das Ministerium für Elektrizität in Syrien bestimmt sind.

Das Schiff sei an eine ukrainische Firma verchartert, mit der man seit längerem ohne jede Unregelmäßigkeit zusammenarbeite. Der Chartervertrag sehe vor, dass mit dem Schiff nur "lawful cargo" transportiert werden dürfe, also Ladung, die und deren Transport nicht gegen Gesetze verstoße. Die Ladung sei im indischen Mumbai geladen worden, teilte das Unternehmen mit.

Auch die Bundesregierung geht den Hinweisen auf mögliche Embargo-Verstöße nach. Man stehe in engem Kontakt mit der Reederei Bockstiegel, hatte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums in Berlin erklärt. Der Frachter sei zwar im deutschen Flaggenregister eingetragen, aber derzeit ausgeflaggt.

(AFP)
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