Türkei: Recep Tayyip Erdogan will weiter Offensive in Syrien

Trotz Warnung von Trump-Berater : Erdogan hält an Plan zu Offensive in Syrien fest

Trumps Sicherheitsberater will die Türkei von einem Angriff auf die kurdischen Verbündeten der USA im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat abhalten. Doch Präsident Erdogan zeigt ihm die kalte Schulter.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan plant weiter eine Militäroffensive in Syrien. Die Vorbereitungen für Operationen gegen Terrorgruppen in Syrien seien weitgehend abgeschlossen, sagte Erdogan am Dienstag, als der nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump, John Bolton, sich in Ankara bemühte, die Türkei von einem Angriff auf die Kurdenmiliz YPG abzuhalten.

Erdogan sagte, die Türkei könne keine Zugeständnisse machen. „Die, die an einem Terrorkorridor beteiligt sind, werden die notwendige Strafe erhalten“, sagte Erdogan im Parlament. Die Türkei betrachtet die YPG als Terrorgruppe, doch für die USA ist die Kurdenorganisation eine Verbündete im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat.

Bolton sprach am Morgen mit Erdogans Sprecher Ibrahim Kalin über die Zukunft der kurdischen Verbündeten bei einem Abzug der USA. Bolton hat gesagt, er wolle Zusicherungen, dass die Türkei die YPG nicht angreift. Dies sei eine „Bedingung“ des von Trump angekündigten Rückzugs des amerikanischen Militärs aus Nordostsyrien. Solche Zusicherungen erhielt er nicht.

Im Anschluss an das zweistündige Treffen sagte Kalin, die Türkei werde Verbündete nicht um Erlaubnis für eine Militäroffensive bitten, sei aber bereit, die Operationen zu koordinieren. Der US-Abzug werde nicht verlangsamt, erklärte Kalin. Er könne binnen 120 Tagen erfolgen, hätten US-Vertreter in den Gesprächen gesagt. Dabei sei es darum gegangen, wie die USA die den Kurden übergebenen Waffen wieder einsammeln wollten sowie um die Zukunft von US-Stützpunkten in Syrien.

Erdogan traf sich nicht mit Bolton, offensichtlich eine Brüskierung wegen der Meinungsverschiedenheit bezüglich der Kurden. Erdogans Absage sei gegenüber US-Vertretern mit anstehenden Kommunalwahlen in der Türkei und der Parlamentsrede begründet worden, sagte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats der USA, Garrett Marquis.

Kämpfer der syrischen Kurden sind nach Angaben eines ranghohen Parteifunktionärs bereit, sich türkischen Truppen entgegenzustellen, falls diese in den Nordosten Syriens einmarschieren. Es sei nach den jüngsten Äußerungen aus Ankara klar, dass die Türkei einen Einmarsch plane, sagte Schahos Hassan, Ko-Vorsitzender der PYD, der größten kurdischen Gruppierung in Syrien. „Wir werden bereit sein“, sagte er.

Kampfflugzeuge des US-geführten Bündnisses griffen am Dienstag das vom IS gehaltene Dorf Schaafa in Ostsyrien an. Am Vortag hatten IS-Kämpfer die mit den USA verbündeten und von Kurden angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte angegriffen und 23 ihrer Kämpfer getötet, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in Großbritannien berichtete. Aufseiten des IS habe es neun Tote gegeben. Auch die Aktivistengruppe DeirEssor 24 vermeldete eine heftige Bombardierung Schaafas.

US-Außenminister Mike Pompeo ist ebenfalls in den Nahen Osten gereist. Er will Spitzenpolitiker der Region dafür gewinnen, den Druck auf den Iran zu erhöhen. Der erste Halt seiner Reise war Jordanien.

(cpas/dpa)
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