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Türkei: Istanbuls Bürgermeister wettert gegen Erdogans Kanalbau-Pläne

Streitobjekt „Kanal Istanbul“ : Istanbuls Bürgermeister wettert gegen Erdogans Kanalbau-Pläne

Ekrem Imamoglu, der Bürgermeister von Istanbul, hat vor den Folgen des geplanten Kanalbaus durch die Millionenmetropole am Bosporus gewarnt. Allein darüber nachzudenken sei ein Verrat an Istanbul und ein „Alptraum“, sagte er und stellte sich damit gegen das Prestigeobjekt des türkischen Präsidenten.

Er kündigte an, alle juristischen Möglichkeiten gegen den „Beton-Kanal“ ausschöpfen zu wollen, um dessen Bau zu verhindern.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan will seit langem eine alternative Wasserstraße zu der Meerenge Bosporus bauen lassen. Vor kurzem kündigte er an, dass die Arbeiten im Juni beginnen sollen. Der „Kanal Istanbul“ - geplant zwischen Marmarameer und Schwarzem Meer - gilt als ambitioniertes und umstrittenes Prestigeprojekt des Präsidenten. Experten warnen vor irreparablen Schäden am Ökosystem um Istanbul und davor, dass Trinkwasserressourcen gefährdet würden. Es wird zudem befürchtet, die Gefahr eines Erdbebens könne durch den Bau in dem ohnehin stark gefährdeten Gebiet weiter erhöht werden.

Der Kanal bedrohe die gesamte Stadt und drohe bei einem starken Erdbeben, wie es von Experten erwartet wird, zusammenzustürzen, sagte Imamoglu. Mindestens die Hälfte des Baulandes sei derzeit noch Agrarfläche und würde durch den Bau zerstört. Das Projekt soll Imamoglu zufolge rund 80 Milliarden Dollar (66,4 Milliarden Euro) kosten - Geld, das man dem Bürgermeister zufolge zum Beispiel besser in den Erdbebenschutz bestehender Gebäude investieren sollte.

Imamoglu kritisierte zudem, dass die Istanbuler Regierung nicht in die Planung rund um das Projekt einbezogen werde. Der Regierung warf er vor, mit dem Kanal-Bau „ein Immobilienprojekt“ voranzutreiben, „das gänzlich aufs Geld verdienen ausgerichtet ist“.

(felt/dpa)