Türkei: Ekrem Imamoglu gewinnt Bürgermeisterwahl in Istanbul

Oppositionskandidat mit 54 Prozent gewählt : Ekrem Imamoglu gewinnt Bürgermeisterwahl in Istanbul

Die Opposition in der Türkei jubelt: Ekrem Imamoglu hat nach Auszählung fast aller Stimmen die Bürgermeisterwahl in Istanbul gewonnen. Imamoglu erhielt nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu 53,75 Prozent der Stimmen.

Sein Gegner, der ehemalige Ministerpräsident Binali Yildirim, kam auf 45,43 Prozent.

Der Abstand zwischen den beiden Kandidaten betrug nach Auszählung von Auszählung von 97,4 Prozent der Stimmen mehr als 730.000 Stimmen. Yildirim gestand seine Niederlage ein. In einer Rede fast zeitgleich mit den ersten Ergebnisse sagte er: „Ich gratuliere ihm und wünsche ihm Erfolg.“ Imamoglu sagte, die Demokratie habe gesiegt. Er bezeichnete seinen Sieg als "neuen Beginn" für die Türkei. "Nicht eine einzelne Partei, sondern ganz Istanbul und die Türkei haben diese Wahl gewonnen.“ Eine Erklärung der Hohen Wahlkommission stand noch aus.

Imamoglu war bis zu diesem Entscheid bereits fast drei Wochen der erste Bürgermeister Istanbuls seit 25 Jahren gewesen, der nicht Erdogans Partei oder deren Vorgängern angehört. Erdogan, für den nach Einschätzung politischer Analysten viel auf dem Spiel steht, hatte seine politische Karriere 1994 als Bürgermeister in Istanbul begonnen. Erdogan sagte nach der Abgabe seiner Stimme vor Hunderten Anhängern: „Ich glaube, der Wähler von Istanbul wird die beste Entscheidung für Istanbul treffen.“

Nach der ersten Wahl vom 31. März hatte Imamoglu nur einen Vorsprung von gut 20.000 Stimmen gehabt. Die AKP hatte daraufhin seinen Sieg angefochten und der Opposition "Diebstahl an den Urnen" vorgeworfen. Unter ihrem Druck annullierte die Wahlkommission Anfang Mai die Wahl schließlich. Die Entscheidung begründete die Behörde unter anderem damit, dass in einigen Fällen die Vorsitzende der Wahlräte - anders als gesetzlich vorgesehen - keine Beamten gewesen waren. Die Annullierung wurde international kritisiert.

(felt/dpa/AFP/ap/REU)
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