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Nato-Treffen in Lissabon: Truppen bis 2014 in Afghanistan

Nato-Treffen in Lissabon : Truppen bis 2014 in Afghanistan

Lissabon (RPO). Der Nato-Gipfel hat die Abzugsstrategie für Afghanistan beschlossen. Dies teilte eine Sprecherin am Samstag in Lissabon mit. Das Militärbündnis will bis 2014 seine Kampftruppen abziehen. Dann sollen afghanische Armee und Polizisten die alleinige Verantwortung für die Sicherheit im Land übernehmen. Außerdem soll im nächsten Jahr eine Afghanistan-Konferenz stattfinden, im November 2011 in Bonn.

Er sei zuversichtlich, dass dieses Ziel erreicht werden könne, sagte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen am Samstag zum Abschluss eines Nato-Afghanistan-Gipfels in Lissabon. Allerdings gelte die Frist nur, wenn die Bedingungen dies zuließen.

Taliban unter Druck

Erstmals akzeptierten die 28 Nato-Staaten sowie die anderen 20 Truppensteller-Nationen den Willen des afghanischen Präsidenten Hamid Karsei für das Datum 2014. Bis dahin soll die Verantwortung vollständig an die einheimischen Streitkräfte übergeben werden. Seinen Optimismus, dass der Zeitplan eingehalten werde, gründete Rasmussen auf den "ermutigenden Aufbau der afghanischen Sicherheitskräfte". Zudem bringe die befristete Aufstockung der internationalen Truppen eine positive Auswirkung. "Die Taliban sind überall unter Druck."

Zugleich machte der Nato-Chef klar, dass es keinen überstürzten Rückzug geben werde: "Wir werden so lange bleiben, bis die Arbeit getan ist." Am Samstag unterzeichneten er und Karsai dafür eine "langfristige Partnerschaft" über den Kampfeinsatz hinaus. "Wir fühlen uns der Zukunft Afghanistans verpflichtet", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel. Deutschland werde sich auch nach dem Abzug politisch, wirtschaftlich und finanziell engagieren.

Deutschland will 2012 mit dem Abzug seiner derzeit 5.000 Soldaten beginnen. Der britische Außenminister William Hague warnte vor zu hohen Erwartungen: "Der Ausstieg bleibt eine phänomenale Herausforderung". Niemand solle denken, man könne sich entspannt vom Hindukusch zurückziehen.

Karsai betonte in Lissabon seinen Willen, weitere Versöhnungsgespräche mit den Aufständischen zu führen. "Die afghanische Sehnsucht nach Frieden ist groß", sagte er. "Deswegen brauchen wir den Dialog mit denjenigen, die in ihrem eigenen Land die Gewehre ergreifen." Zugleich wiederholte er seine Kritik an der Vorgehensweise der internationalen Truppen gegen mutmaßliche Taliban-Führer. Dabei geht es insbesondere um nächtliche Razzien. Er sei zufrieden, dass seine Bedenken verstanden worden seien, so Karsai in Lissabon.

Afghanistan-Konferenz auf dem Petersberg nächstes Jahr

Wie es nach dem Abzug mit dem Land weitergehen soll, wird auf einer neuen Afghanistan-Konferenz in einem Jahr auf dem Petersberg bei Bonn beraten. Karsai nahm am Samstag die deutsche Einladung zur Ausrichtung der Konferenz an. Am selben Ort war Ende 2001 die Grundlage für das internationale Afghanistan-Engagement nach Beginn des US-geführten Militäreinsatzes gelegt worden. Die vier Gruppierungen des afghanischen Widerstandes hatten sich dabei auf die Machtverteilung in der neuen Übergangsregierung geeinigt und den Paschtunen Karsai zum Interimspräsidenten bestimmt.

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Auf einem Treffen des Nato-Russland-Rats will die Nato im Anschluss ihre Partnerschaft mit Moskau vertiefen. Dabei geht es insbesondere um eine Einbeziehung Russlands in die Raketenabwehrpläne des Nordatlantikpaktes. "Die Zusammenarbeit mit Russland wird ein Meilenstein", sagte Merkel. "Aus einem ehemaligen Gegner wird jetzt erkennbar ein Partner." Dies sei ein "historischer Wechsel".

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(AFP/dapd/rtr)