Trumps Sicherheitsberater John Bolton sieht Beleg für Irans Streben nach Atomwaffen

Konflikt mit Teheran : Trumps Sicherheitsberater sieht Beleg für Irans Streben nach Atomwaffen

Es habe einen fehlgeschlagenen Angriff auf eine saudische Hafenstadt gegeben, sagt Trumps nationaler Sicherheitsberater. Er verdächtigt den Iran. Der Iran habe auch Öltanker vor der Küste der Emirate sabotiert. Teheran weist die Vorwürfe zurück.

US-Präsident Donald Trumps Sicherheitsberater John Bolton sieht einen angedrohten Verstoß des Irans gegen das Atomabkommen als Beleg für ein Streben nach Atomwaffen. „Es gibt für sie keinen Grund, irgendwas davon zu tun, außer es ist eine Bemühung, die Ausbruchszeit für die Produktion von Atomwaffen zu reduzieren“, sagte Bolton am Mittwoch über die Drohung des Irans, Uran stärker anzureichern.

Ohne zusätzliche Atomkraftwerke mache es für den Iran keinen Sinn, mehr niedrig angereichertes Uran zu horten, wie es die Islamische Republik plant, sagte Bolton während eines Besuchs in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Als Ausbruchszeit - englisch „breakout time“ - wird die Zeitspanne bezeichnet, die ein Staat benötigt, um genug waffenfähiges Uran für eine Atombombe herzustellen.

„Das ist ein sehr ernstes Problem, wenn sie dies weiterhin tun“, sagte Bolton vor Gesprächen mit Vertretern der Emirate. „Der Punkt ist, dem Iran und dessen Vertretern sehr klar zu machen, dass diese Arten von Handlungen eine sehr starke Antwort der Vereinigten Staaten riskieren.“

Der Iran hatte vor wenigen Tagen angedroht, Uran stärker anzureichern, falls Europa nicht bis zum 7. Juli vorteilhaftere Konditionen für das internationale Atomabkommen anbietet. Für die Verwendung in Atombomben muss Uran auf mindestens 90 Prozent spaltbaren Materials angereichert sein. Das Abkommen von 2015 zwischen dem Iran, den Vetomächten des UN-Sicherheitsrats und Deutschland erlaubt der Islamischen Republik nicht mehr als 3,67 Prozent. Die USA sind inzwischen aus dem Atomabkommen ausgestiegen.

Vier Öltanker, gegen die es nach Darstellung der Emirate vor wenigen Wochen vor deren Küste Sabotageakte gab, seien durch Seeminen beschädigt worden, die „beinahe sicher vom Iran“ gelegt worden seien, sagte Bolton. Er befürwortet seit Langem ein scharfes Vorgehen gegen den Iran.

Es habe zudem kürzlich einen gescheiterten Angriff auf die saudische Ölhafenstadt Janbu gegeben, sagte Bolton. Er verdächtigte den Iran, dahinter zu stecken. Der mutmaßliche Angriffsversuch war bislang nicht öffentlich bekannt. Saudische Beamte reagierten zunächst nicht auf Anfragen der Nachrichtenagentur AP dazu.

Teheran wies die "lächerlichen" Vorwürfe umgehend zurück. "Herr Bolton und die anderen Kriegstreiber, die Chaos verursachen wollen, sollten wissen, dass die Strategie der Geduld, die große Wachsamkeit und die optimale Verteidigungsbereitschaft der Islamischen Republik Iran die Realisierung ihrer diabolischen Wünsche in der Region verhindern werden", erklärte der iranische Außenamtssprecher Abbas Mussawi.

Zuvor hatte Bolton getwittert, er werde in den Vereinigten Arabischen Emiraten Gespräche über „wichtige und drängende regionale Sicherheitsfragen“ führen. Kürzlich schickten die USA einen Flugzeugträger und Bomber in den Persischen Golf, um auf eine offiziell nicht näher erläuterte Bedrohung durch Teheran zu reagieren. Zudem zog Washington einen Teil seiner Diplomaten aus dem Irak ab und entsandte Hunderte weitere Soldaten in die Region. Die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen im Jemen haben Saudi-Arabien kürzlich mit Drohnen angegriffen.

US-Politiker und verbündete Staaten äußerten zunächst Zweifel, dass es eine erhöhte Bedrohung gebe. Trump versichert, den Iran mit seiner Strategie des "maximalen Drucks" nur zu einem Politikwechsel zwingen zu wollen. Bolton hat aber wiederholt einen Machtwechsel in Teheran gefordert.

Der Sicherheitsberater versicherte nun, es gebe in der US-Regierung keine Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der Ziele. Alle hätten "das gleiche Ziel, den Iran davon abzuhalten, tragfähige Atomwaffen zu erlangen". Die Europäer halten Trump aber vor, dass dafür das beste Mittel das internationale Atomabkommen ist, das der US-Präsident im vergangenen Mai aufgekündigt hat.

(zim/dpa/AFP)
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